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Neue Nationalzeitung · 1908-09-11 · Heft 36 (11.9.1908) · page 1

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 36 (11.9.1908)
Date
1908-09-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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ftKIDNQL-ZEIGUtiG JUDiäCRPOUCiSCRB WOCRSNSCRRiFC R£K!SÜSÖ2B2R: DfS.R.L8NDiSU:: 7t. JAHRGANG. WIEN, 11. SEPTEMBER 1908. Nr. 36. ^asscntaufcn jüdischer ^indeH^inder. Ein Besuch in der Erziehungsanstalt Bobrek. Vor mehr als einem Jahre hatte ich den Namen Bobrek zum erstenmal vernommen. Aus (dhrzanow war ein Mann nach Wien gekommen, um gegen die IMassentaufen, deren Schauplatz die - e Genend ist, eine Aktion einzuleiten. Der Mann war Optimist 12r glaubte, dass in einem Zei alter, wo die Fn lührung eines jüdischen Mädchens ins Klosur /.um < ic^nstande lebhafter, publizistischer Erörterungen gv - jnacht wird, die Taufe als Massenerscheinung alle berufenen jüdischen Faktor >n. Vereine und Vertreter, zu einem gemeinsamen Aufschrei, wenn nicht zur Gegen-Agitation veranlassen werde. Darum wandte ■er sich hierin Wien an das Kultus-Präsidium, an Jas Kabbinat usw. Alles war vergebens. In der Keichshaupt- und Millionenstadt hai sich kein \"erein und keine massgebende Persönlichkeit gefunden, die den armen Waisen von Bobrek, diesen Ausgeflossenen der Gesellschaft, zur Hilfe eilen würde. Sie wurden dem Untergänge preisgegeben. Die Taufe ist den oberen Zehntausend unter den Juden Wiens keine so fremde und unwillkommene Erscheinung .... Da tauchte vor wenigen Wochen die Mitteilung der Chrzanower Be; irkshauptmannschaft von der Taufe der acht Kinder nach erreichtem 14. Lebensjahre auf. Das Matrikelamt der Wiener Kultusgemeinde hat die Mitteilung sorgfältig registriert und dann ad acta gelegt. dah: ■r selbst naen Bobrek zu Verhältnisse Ich beschloss reisen, um dort an Ort und Stelle die zu eruieren. Chrzanöw. Eine Stunde von Krakau, auf der Nordbahnstrecke, liegt das Städtchen C h r z a n o w. Ein typisches galizisches Judenstädtchen. , Die Majorität der Stadt bilden Juden, der Bürgermeister ist ein Jude, und in den schmalen Gässchen mit den kotigen, holprigen Wegen wimmelt es von den schwarzen Gestalten im langen Rock und mit dem schwarzen Peluche-Ih deutet. 1 )ie Bevölkerun ein angcnchniei sch( n Städ'.chei liegen ~ Millio; stapelt, wovon Masscn-Prolc'.; kommen nur v bei reibt den ler ein Svmuol der Frömmigkeit be- (legen-at/ In d«. w S onen Kronen : o Millionen d iriat gibt es nj■• ereinzelt vor. I Prcusscnha;,de o'i ('hr/.anow ist wohlhabend; Jaden anderen galizikassen dieses Ortes S j >a rei 11 la gel 1 auf geliulen gehören. Ein die ,,Luftmenschen" Gros der Einwohner Sonntau' um 4 Ehr d nachmittags fahren Mann und Frau über die naheliegende Grenze nach Deutschland, wo sie die ganze Woche hindurch Handel treiben, bis sie am Freitag nachmittag zurückkehren. Die grosse Schar der kleinen Kinder bleibt der < »bhut eines Dienstmädchens überlassen, das auch den Samstag vorbereitet. Die juden v<>n Chrzaiiow haben bisher ein Leben ohne Komplikation :\\ geführt. Jeder lebte für sich, jeder kümmerte sich nur um sich. Weltfragen blieben ihnen unbekannt, und lokale Fragen hat es einig -n Jahren ist es aber an- ■n'völkrrung drückt ein Alp, sie Frage gestellt, die für sie eine )ede:U'-\ Diese Sorge heisst: Bobrek. Zwei Meilen von ' hr/anow, auf der Strasse nach Oswiecim, hat de- Fürstin Oginska aus Russland vor acht Jahreri ein-.- Frziehungs-Anstalt für uneheliche Kinder gegründet. Hier werden die Kinder ,deren Mütter na h Gnlizien zuständig sind, vom Säuglingsalter Iiis zum 14. Lebensjahre erzogen, d. h. ernährt und unterrichta :. Hier gibt es keinen Unterschied des Alters, de- Geschlechtes und der — Religion. Auch jüdische Kinder, die in der Wiener Gebär-lAnstalt auf die Weh kommen, werden, sofern ihre Mütter nach Gali/ien zuständig sind, der Fürstin Oginska zur Erziehung" überlassen. So launicht gegeben. Sei eis. Die jüdische ieht sich vor eine '"emeinsame Sori;e

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