Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 34 (28.8.1908)
- Date
- 1908-08-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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NKE fTOAL-ZEiOiNG R£RtiusGSBgR: ors.R.L«NO«u:: X. JäHHGäNC WIEN, 28. AUGUST 1908. Nf. 34. Zw Revision des politischen Zionismus. ii. Der bekannte polnis;he Staatsmann, Stanislaus von K.>zmian, hat in meinem lehrreichen Buche ,.Po|t n und die europäische Diplomatie"*/ diese lnic] \emion —Kumödie Napoleons III. und den darauf lobenden Emüchterungs-Prozess der polnischen öf f< nilichen Meinung packend dargestellt. Trotzdem die Zahl der Verschwörer 14cring, ihre Armee" kin diseh kit in und ihre (leide.litte! sehr spärlich waren, wurde von den Polen eine Revolution inszeniert, weil Napoleon III. seine i' niersiüizung bei dem Kampfe um die polnische l nabhängigkeit versprochen hatte. Allein, als der wirkliche Kampf ausbrach, da war Xapokon ill. - neutral, die alten Freunde wurden von ihm preisgegeben. Die Hoffnungen der polnischen Revolutionäre, die sich nur auf Napoleon III. stützten, brachen zusammen; die I n t e r v e n t io n s - Politik wurde ad absurdum geführt. Seitdem rechnen die Polen nicht mehr mit dem diplomatischen deus e\ maehina, sondern nur mit ihrer eigenen Kraft. Sie sind weniger Diplomaten und,mehr Volkspolitiker, sie erwarten keine Wunder und keine fürstliche (maden; sie w issen, dass sich die Souveräne bei allen Handlungen nicht von Humanitäts-Duseleien, sondern von praktischen Erwägungen leiten lassen. Ich habe Dr. H e r z 1 mit Herrn von K ozmi a n bekannt gemacht. Kozmian konnte als diplomatischer Lehrmeister vorzügliche Dienste leisten. Er schien aber für die zionistische Sache bloss ein publizistisches Interesse zu haben und er schrieb eine *) „D;u Jahr 1863" (Polen und die europäische Diplomatie). Deutsche Bearbeitung von Dr. S. R. Land a u, Verlag von Karl Konegen, Wien 1896. Rezension des , Judenstait" für den Petersburger ,,Kraj". In nähere Beziehun ^e 1 zur zionistischen Bewegung trat in deren Anfangs-Stadium der Herausgeber der ,,Vorrespondence de l'Est", Ritter von N e w 1 i n s k i. Als Wiener Vertrauensmann des Sultans hat er es übernommen, für den Zionismus im Jildiz-Kiosk Stimmung zu machen, ohne jedoch rosige Erwartungen nach dieser Richtung zu hegen. Oft erzählte mir Xewlinski, dass der Sultan nicht ein Ouintc heu seiner Rechte in Palästina ,aufgeben dürfe. Die Redif-Bataillone aus Palästina seien es gewesen, die im letzten ru>>isch-türkischen Kriege am heldenmütigsten gekämpft haben. Ihr in diesem Kriege vergossenes Blut sei der festeste Kitt zwischen dem Sultan und Palästina. Eine Audienz dem Dr. Herzl beim Sultan zu verschaffen war selbst ihm ohne namhafte (ieldopfer nicht möglich, und als ein krasses Beispiel nach dieser Richtung erzählte er mir, dass einer der kleinsten Würdenträger aus Konstantinopel, der sich gerade auf der Durchreise nach Karlsbad befand, dafür, dass er mit Doktor Herzl zusammen bei ihm speisen sollte, 20.000 Francs verlangte. ... Nicht minder aussichtslos, als diese Annäherungsversuche an den Jkiiz-Kiosk waren die Bemühungen Dr. Ilerzls, europäische Souveräne für seine Lösung der Judenfrage zu interessieren. Der einzige Fürst, der bis an sein Lebensende dem „Judenstaat" wahre Sympathien entgegenbrachte, war der Gross her zog von Baden. Durch Reverend LI., den ich bei Dr. Herzl einführte, wurden diese gewiss beachtenswerten Beziehungen herge-