Mannheim
Compact Memory

Neue Nationalzeitung · 1908-08-21 · Heft 33 (21.8.1908) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 33 (21.8.1908)
Date
1908-08-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2425679-2425722-2425755--0961-2427284
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

nbus ftCiONftL-ZEiüUNG RERflüSGgBeR! DfS.R. LANDAU X. JAHRGANG. WIEN, 21. AUGUST 1908. 5*. 33. Reichsduma-Mitglied L. NISSELOWITSCH ©ic dritte Reichsduina und die £|udenfra6c. (Ein Interview) Nach den traurigen "Erfahrungen, welche die Juden in Russland mit der ersten und zweiten Reichsduma gemacht haben, ist es kein Wunder, wenn sie der dritten Duma apathisch gegenüberstehen. Wenn elf, respektive fünf jüdische Abgeordnete in den durchaus freisinnigen Pariamen - ten nichts ausrichten konnten, w essen haben sie sich zu versehen von einem Parlamente, in dem die rückschrittlich - konservative Ma - jorität der Rechten und Oktobristen herrscht, und die jüdische, sechs Millionen wählende Bevölkerung lediglich durch zwei Mitglieder der Kadetten-Partei repräsentiert ist? Inden jüdischen Kreisen herrscht daher dieselbe Apathie, wie in der gesamten Bevölkerung. Man erwartet von dieser Duma gar nichts. Nur von Zeit zu Zeit wird die öffentliche Meinung durch Artikel und Interviews über die Judenfrage allarmiert. Juden und Christen, Abgeordnete und Publizisten werden darüber befragt, ob die Juden von dieser Duma etwas zu erwarten haben, ob es ratsam sei, die Judenfrage in der Duma aufzurollen und zu diesem Zwecke Gesetzesprojekte einzubringen usw. Darauf erfolgen nun verschiedene Antworten. Sie erheben sich skalamässig von der vollständigen Verzweiflung und Resignation bis zur Kampfesfreude und Zuversicht. . i Und Jnun kommt das merkwürdigste. Diese .beiden ganz entgegengesetzten Ansichten werden von Mitgliedern derselben Park1' vertreten: von den Kadetten Roditschew und X i s s e 1 o w i t s c h. Vor wenigen Tagen hat durch die jüdische Presse ein Interview die Kunde gemacht, weiches ein Redakteur des „Ha:-nan" mit dem bekannten Kadettenführer R o d i t s c h e w über die Judenfrage hatte. Dieses Interview hat viel Aufsehen erregt. Denn Roditschew versteht es. grau in grau 'zu malen. Xach seiner Ansicht haben die russi - sehen Juden von der gegenwärtigen Dunia gar, aber schon gar nichts zu hoffen. Sie sollen am 'besten ruhig sitzen und sich gar nich't rühren. Roditschew ist gegen jeden Versuch, die Duma durch Aufwerfung der Judenfrage zu beunruhigen. Er meint, dass jedes Gesetzesprojekt, welches die Gleichberechtigung der Juden bezwecken würde, die Lage der Juden nur noch verschlechtern könnte. Man müsse zufrieden sein und Gott danken, wenn die dritte Duma „keine neuen Beschränkungen der Juden" beschliessen würde. i Zur Bekräftigung seiner Ansicht erzählt Herr Roditschew verschiedene Vorgänge in der Duma, durch welche die antisemitische Gesinnung der Duma - Majorität drastisch illustriert wird. So erzählt er, dass als der Reaktionär Puriszkiewitsch die Juden mit Hunden verglich, die Majorität der Duma, darunter 90 Prozent der Oktobristen, lebhaft applaudierten auch habe der Kriegsminister dem Reaktionär Zä-;

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.