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Neue Nationalzeitung · 1908-08-14 · Heft 32 (14.8.1908) · page 1

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 32 (14.8.1908)
Date
1908-08-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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NBJE MClOS/i-CEicüNG JÜDiäCRPOUCiSCRg WOCfi£NSCRRlFC DfS.R. LANDAU! \ x. jaHHOanc. WIEN, 14. AUGUST 1908. N*. 32. £ur Revision des politischen Zionismus. i. Als am ersten Koagrcss in Basel das Gerippe eines zionistischen Programms geschaffen wurde, da vertröstete der Obmann der Programm-Kommission, Herr Dr. Nordau, mich und die anderen Mitglieder damit, dass es Aufgabe. (1er nächsten Kongresse sein werde, dieses dürftige Programm zu ergänzen, auszugestalten, auszubilden und den Verhältnissen anzupassen. Seitdem sind elf Jahre verstrichen. Es wurde an dem Programm kein Beistrich geändert. Sonderbar. Von jener Siebener-Kommission sind drei Mitglieder aus der Partei ausgetreten: Bromberg, Dr. Mintz und ich — trotzdem wird an dem von uns redigierten Programm wie an einem Abgott festgehalten: es wird wie eine kostbare Reliquie gegen den frischen Luftzug der Zeit abgesperrt. Ja, selbst die Diskussion über das Partei-Programm wird als Ketzerei betrachtet; das Partei-Programm wurde zu einem Partei-Dogma erhoben. So ent - wickelt sich die zionistische Partei immer mehr zu einer zionistischen Sekte. Ist nun wenigstens das Partei-Programm ein kundgemachtes Dogma, so verbleibt anderseits die Taktik als ein heiliges Mysterium in das tiefste Dunkel gehüllt. Das Ziel ist: Die Schaffung einer öffentlichrechthch gesicherten Heimstätte in Palästina für das jüdische Volk. Aber die Mittel zur Erreichung dieses Zieles, der Weg, den das jüdische Volk zurücklegen muss, um zum Ziele zu gelangen, werden mit einem dichten Schleier verhüllt. Hinter diesem Schleier gehen geheimnisvolle Dinge vor sich. Es werden Audienzen beim Sultan und anderen Monarchen angestrebt und teilweise erlangt, es finden Begegnungen mit Minister präsidenten statt: es werden Hunderttausende Kronen au^ den Hellersammlungen der Aermsten hingegeben an Mittelpersonen. Die Massen sollen warten und - glauben. Eine Diskussion über diese Taktik, eine Berichterstattung über den Stand dieser „diplomatischen Unterhandlungen" findet weder in der Presse noch auf den Kongressen statt. Die Parteileitung gibt höchstens allgemeine Andeutungen voll rosigster Zuversicht zum besten. So wurde bisher die Bevölkerung wie ein Kind behandelt, das weder politisch erzogen, noch zur Selbsthilfe angeregt, sondern ausschliesslich in einen Zustand der Träumerei versetzt wird. Das hat jenen (•eist des Fanatismus, der Unduldsamkeit und der Verfolgungssucht heraufbeschworen, durch den sich die zionistische Partei nicht zu ihrem Vorteile von anderen., wahren Volksparteien unterscheidet. Denn es genügt nicht, dass man sich auf das Volk stützt. Auch Despoten und Tribunen im Altertum, religiöse Fanatiker im Mittelalter, die französischen Xapoleone haben sich auf den Volkshaufen gestützt. Aber hier war das Volk Werkzeug oder Mittel zum Zwecke. Es war der Spielball in den Händen des einzelnen, dessen Ambitionen und Aspirationen durchgesetzt werden sollten. Es wird daher niemandem einfallen , hier von Volksparteien zu sprechen. Auch in der zionistischen Partei haben die Massen keinen Einfluss auf den Gang der Partei-Poütik. Hinter ihrem Rücken und über ihren Köpfen werden goldene Fäden, d. h. Fäden, die sehr viel Gold kosten, gesponnen. Und wenn das Geheimnis die

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