Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1908)
- Date
- 1908-07-24
- Page
- Seite 31 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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S^ir.e 11. „Neue Nacional-Zeitung" Sabbatai Zewi. Sperrt die Tore, verhängt die Fenster; ich will keine Botschaft von fremden Göttern hören . . . Und jetzt will ich allein sein . . . Ein ander Mal teilen wir die Königreiche. Alle verlassen das Zimmer ausser ihm und Sarah. Sarah geht auf Sabbatai zu, der den Kopf in die Hiinde gestützt, dasitzt Du hast die Macht, du hast Gottes Wort. Weit und hreithin ist die Furcht deines Namens gefallen. Gleich einer geflügelten Botschaft zieht dein Ruhm über die Erde und alles wirft er dir zu Füssen. Deine Ankunft ist de* Volkes Hoffnung. Wohin dein Name gedrungen ist, hat er Himmel*licht entzündet. Wie eine Sonne, die niedersinkt ins Meer, so kommst du zu ihnn — der Erde Gott bist du geworden, — das Volk betet zu dir. Sabbatai Zewi, wie zu sich. Mir ist bange. Ich habe Gottes Wort von mir geworfen, seine Tochter Verstössen — die Himmel haben sich vor mir verschlossen — ich kann nicht mehr zu ihnen kommen. Sarah. Ich bin die Tochter der Erde, die Erde hab ich dir als Mitgift gebracht, komm — ich will dir die Herrlichkeiten der Erde zeigen. Sabbatai Zewi. Der Tochter Gottes Bräutigam bin ich gewesen, ich habe meine Braut aus dem Traugezelt gestossen, ich hab1 ihr Bett mit einer andern geteilt. Mir ist ban^e . . . Der Himmel ist hoch und rein. Sarah. Die Erde ist niedrig, aber schön. Ich bin ihre Tochter. Und du, du hast mich unters Hochzeitszelt geführt, aus deinem Becher Weines mir zu trinken gegeben. Komm, ich will dich ins Reich meiner Herrlichkeiten führen. Widder goldener Pomeranzen will ich dir pflanzen, Wälder von Palmen und Myrten. Auf ineine Haare will ich dich betten, mit meiner Brust will ich dich wäimen. Die Ouellp, die aus dem Felsen springt, soll dich in den Schlaf sinken, das Ram eben der Palmenbäume wird dich einwiegen . . . Und in die Welt will ich gehen, Männer und Frauen mit meiner Stimme zu fangen und dir zu Küssen zu legen. Sabbatai Zewi. Mir ist bange: der Himmel ist hoch und rein . . . Meine Hrai t webt ihr Kleid aus Himmelsstoff und verbirgt, sich tief in den Wolken, unter ihres Vaters erhabenem Sitz. Sarah. Aus den Tränenbechern, die in Gräbern lagen, will ich dir Paläste errichten und Rosenfelder und Tannenwälder will ich dir pflanzen. Ich will in meines Vaters Garten gehen — die Ziegen naschen dort von den Trauben, Weint rinnt ihnen über den Hart und reine Milch fli^sst aus ihren Eutern — in Wein und Milch will ich meinen Leih waschen, in Taubenfedern gehüllt komme ich zu dir, mit Perlen geschmückt, wie das Meer schimmernd, wie die Sterne im Lande Israel funkeln sie auf meinem Halse und in meinem Haar, wie Wellenschaum blitzen sie auf meinen nackten Füssen. Auf die Berge will ich mit dir steigen, in den Wäldern will ich mich bergen mit dir, im Dunkel der Nacht, im Brausen des Windes. „Ein verschlossener Garten ist deine Schwester-Braut. Komm, wir wollen in den Gärten uns verstecken, die Trauben sind reif, der Feigenbaum duftet, wir wollen kleine Füchschen fangen . . Sabbatai Zewi, halb in ihren Armen. Meine Braut hat sich in den Wolken verborgen . . . Zieh mich, ich gehe nach dir, die Würze des Weines schenke mir dein Auge, der Duft des Weines dein Haar! Sarah singend. Schwarz bin ich, doch schön, ihr Töchter Jeruscholajims, Gleich den Zelten Kedras, gleich den Teppichen Salomos, Glaubet nicht, ich sei so schwarz, Denn gebrannt bin ich von der Sonne. Es grollten mir meiner Mutter Söhne, Und sie machten mich zu der Weinberge Hüterin — Meinen Weinberg hab' ich nicht gehütet. »stürmischer Ich beschwör euch, ihr Töchter JertraCholajlms Bei den 6*«elten des Felds tftid den Hindinnen der Flur. Nicht wectet flöch erreget die Liebe. Eh' dass es allein ihr gefällt! frohlockend Mein Freund hat mich erschaut, Er trug mich in seinen Garten, Seine Linke stützt mein Haupt, Seine Rechte hält mich umfasst. Sabbatai Zewi. Singend. Meine Taube an Felsenriffen, An heimlicher Treppe, Lass mich schauen deine Gestalt Und hören deine Stimme. Denn süss ist deine Stimme Und anmutig deine Gestalt. Sarah in Sabbatais Armen liegend. Ich schlafe, doch es wacht mein Herz. Meines Freundes Stimme pocht an die Tür; Tu auf, tu mir auf, meine r chwester, Meine Traute, meine Taube, meine Holde. Denn mein Haupt ist voll von Tau, Meine Locken voll nächtlicher Tropfen. naiv Ausgezogen hab ich mein Gewand — Wie soll ich's jetzt antun! Meine Füsse gebadet, Wie sie beschmutzen? Sabbatai Zewi. sich plötzlich emporreissend. Wer betritt mein Gemach? Fasst erschreckt Sarahs Hand. Hörst du, Gottes Wort geht durch mein Zimmer. Verschliesst die Türen, verriegelt die Fenster, ich will Gottes Wort nicht hören. Nehemia Kobens Stimme dring!, vom Wind getrieben, herein. Vergeblich verschliessest. du deine Türen vor Gottes Wort. Wo willst du dien verbergen vor mir? In Steinspalten will ich dich linden, in den 'fielen der Holl« werde ich dich finden — also spricht Gott. Sabbatai Zewi. Ich hab' mich von dir befreit, die Erde hab' ich vom Himmel geschieden, mit mir ist sein Wort, mit mir seine Macht. Nehemia Kohen erscheint plötzlich im Dunkel, in sein weisses Gewand gehüllt, den Gebetmantel über dem Kopfe. So spricht der Herr: Ich nehme von dir die Kraft, ich nehme von dir meine Macht. Ich habe mich bedacht und ich will nicht mehr meine Art übergeben dem Menschen. Denn erdhalt ist der Mensch, zum Erdhaften zieht ihn sein Verlangen. Denn von der Erde kommt der Mensch und zur Erde kehrt er zurück. Er verschwindet. Der Vorhang fällt. JSriefl<asten der Redaktion. Kollege. Advokat Dr. J. B. bat seine Tochter nicht in. Wien, sondern in Baden taufen lassen. Auf die Austritte in dieser Ortschaft bezieht sieh unsere Liste nicht. Es entfallen daher alle Ihre weiteren Schlüsse. - Stud. techn. R. Sic haben Recht: der höchste an einen Juden verliehene Orden ist die Eiserne Krone I. Klasse, die Freiherr A. von Rothschild besitzt. — Selchwarenfabrikant in K. Eine Filiale können Sie in Wien allerdings gegen blosse Gewerbe-Anmeldung jederzeit eröffnen. Allein falls in der Verkaufsstelle auch gespeist werden soll, müssen Sie eine Auskocherei-Konzession entweder kaufen oder sonstwie erwerben. Eine solche Konzession ist gewöhnlich um iooo—2000 K zu haben. — K. L. Sie müssen uns noch Zeit lassen; die Arbeit muss eingehend studiert werden. — 'S. S. Ihren Aufsatz über die Vorgänge am Döbtmger Friedhof können; wir nicht veröffentlichen. Wenn die alte Garde avisblieb, hatten. Sie dort gewiss nichts zu suchen.