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Neue Nationalzeitung · 1908-07-24 · Heft 30 (24.7.1908) · p. Seite 30

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 30 (24.7.1908)
Date
1908-07-24
Page
Seite 30 (sequence 11)
Language
German
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Seit* 11. abbatai Tragödie in drei Akten (sechs Bildern) mit einem Vorspiel nnd einem Nachspiel von SCHALOIS ASCH. ) Viertes Bild. (In Gallipoli, in „Migdal os", dem „Turm der Macht". Ein in tiefen, schweren Scha'ten geh'Ultes Zimmer, da und dort beleuchtet durch kleine mit Baumöl gespeiste Lampen, die von der Decke herabhäi gen. In den Ecken des Zimmers Weihrauchbecken, aus denen grosse Wolken Rauchs aufsteigen, der über den Köpfen und um die Gestalten der Menschen schwebt. Auf einem mystischen Sitz Sarah, in einen dunklen Schleier gehüllt, eine glänzende Krone auf dem Kopfe. Neben ihr sitzt Sabbatei .Zewi, umgeben von den „sechs Armen der Menorah" : Abraham. Samuel, Nathan. Matatiat.u, Mordechai u; d Baschi Josef Rafael. ferner von Propheten, Kabbalisten und „Erleuchteten". Vor Sarah, auf einem „Altar", liegt ein grosses Buch aufgeschlagen. Rahel und Lea, eingehüllt io Gebetmäntel. stehen vor dem „Altar" und lesen ihr vor. Alle lauschen in Ehrfurcht. Lea liest eben mit lauter Stimme einen Thoraabschnitt.) L e a. „. . . . Gott hat dich zu sich gerufen wie eine verlassene» wie eine herzbetrübte Waise. Und wie zu einem jungen Weib, das Verstössen wird, so spricht zu dir dein Gott: Ich habe dich einen Augenblick verlassen, aber mit Allbar«iherzigkeit werde ich dich aufnehmen. Ich habe für eine Weile mein Antlitz in Zorn vor dir verhüllt, aber mit ewiger Gnade werde ich mich über dich erbarmen — also spricht dein Löser, Gott der Herr . . ." Nathan Asossi. Heute ist der Königin Alexandra grosser Sabbat. Zu ihr sollt ihr beten, ihr sollt ihr heute dienen. Preiset und lobet ihren Namen! Sie kann euch heute erheben in die Heiligkeit. Die Kabbalisten, einen Tanz vor Sarab aufführend. Dein Aug1 ist schwarz, es glänzt dein Haar. Du hast deinen Mann erschaut und zogest ihn in dein Netz, .Aufsteigen wollt er in die Himmel. Er hat sich gesehnt nach Gottes Tochter, Wenden wollte er sich von uns — Da hat ihn dein Auge gefangen, ■Es hat ihn umstrickt dein Haar, Du hast ihn zur Erde gezogen, Sei gelobt! Gelobt! Gelobt! . . . Sarah, vor ihm niederknieend. Du hast gesprochen, und also ist es geschehen. Sei gepriesen! Deine Furcht ist auf die Völker ringsum gefallen. Die Festung, in der sie dich gefangen halten, haben sie dir zum Palast gemacht. Deine Wächter, die Häscher und Henkersknechte wälzen sich vor dir auf den Knieen und beten dich an. Das Volk zieht dir nach und haart an der Festung Toren. Dein Lob ist über die Erde gekommen, und dein Ruhm breitet sich aus über die W*lt. Vom Morgenland, vom Abendland ist ihr Gebet vor dich gekommen, sie warten auf dich und glauben an dich. *) Diese im Verlage von S. Fische r, Berlin, jüngst erschienene Tragödie ist eine Uebersetzung aus dem jiddischen 'Original, mit dem sie gleichzeitig erschien. Sie hat bereits in der gesamten jiddischen Presse Russlands eine eingehende, wenn auch nicht ganz schmeichelhafte Würdigung gefunden. Man ver« misst in diesem Theaterstück das Dramatische; der Namensträger ist ein träumerischer Jüngling, aber kein Held, wie er sein sollte. Der geistige Zusammenbruch Sabbatai Zewis und sein Uebertritt zum Mohammedanismus ist psychologisch ganz unzulänglich dargestellt. Andererseits aber findet sich in dieser Tragödie eine ganze Fülle schöner Gedanken, eine reizende blumenreiche Sprache, die an Mapu erinnert. Im obigen Bild hat Sabbatai Zewi bereits, indem er sich statt der Thora dem Weibe (Sarah) ergab, seine Erlöser-Mission verwirkt. Er wird erfüllt von Hochmut vor dem — Falle. A n m. d. Red. Sabbatai Zewi, sie bei der Hand nehmend. Was ist dein Wunsch, o meine Königin, sag' und wenn es das halbe Königreich sein sollte . . . Sarah. Es naht das Jahr fünftausendvierhundertacht, das von Gott ist und verkündet in seinem heiligen Sohar. D -in Königreich ist nah, nah deine H rrschaft. Du wirst kommen über sie wie ein Wind und wirst sie verzehren in deinem Wolkenmantel. Könige, sammelt euch unter seinem Berge, Gott will das Königreich verteilen. Sabbatai Zewi erhebt sich : alle verneigen sich vor ihm. Ich Salomo, der Sohn von David, dem Sohne Isais, der salbte König, der Gott von Israel, regierend in den Himmeln oben und auf d»r Erde unten, der furchtbar Erhabene und Erhöhte über die Könige der Erde, dessen ewiger Sitz ist die heilighochgebaute Stadt Jeruscliolajim, auserwählt zur Residenz der ganzen Welt, da herannaht das Jahr fünftausendvierhundeitacht, von mir ausersehen, dass ich die Regierung der Erde in meine Hände nehme und die Welt erlöse von fremder göttlicher und königlicher Macht und sie nehme unter meinen Schutz und meine Gnade — verteile die Königreiche der Welt unter meine Erwählten. Josef, des Königs-Messias Bruder salbe ich zum König über die neunzehn Könige des jüdischen Landes. Sein ewiger Sitz sei die Festung Schimron, auserwählt zur Residenz übet die Könige von Israel, und auf sein Haupt setze ich die grosse, goldene Krone. Nathan Asossi stösst ins Horn. Alle schreien: Es lebe der König von Israel! Eli, des Königs-Messias zweitem Bruder, gebe ich die Seele von Jechessiahu, dem Könige, und bestimme, dass er regiere über die Könige von Judäa. Nathan Asossi stösst ins Horn. Alte rufen : Es lebe der König über die Könige von Judäa! Mosche, mein ältester Lehrer aus der Stadt Ismtr, ich kröne dich zum Könige über die Stämme Rüuben und Simon, die da wohnen auf jener Seite des Jordans. Nathan stösst ins Horn, alle rufen: Es lebe der König über die Stämme Reiben und Simon! Die Türwächter treten zu, zu Sabbatais Füssen fallend. Heiliger Könip, deine Gnade ruhe auf uns, Gottes Prophet, von Gott zu dir geschickt, klopft an die Pforten, Gottes Wort dir zu künden. Sabbatai Zewi, halb erschrocken. Ein Prophet von Gott? Mit Gottes Wort im Munde? Die Türwächter. Von weither ist er zu dir gekommen. Er hat deine Herrschaft unter den Völkern verkündet. Jetzt steht er hinter deiner Tür, Gottes Wort auf seiner Zunge, von Gott zu dir gesandt. Sabbatai Zewi. Ich will keine Verkündigung hören von fremden Göttern. Ich habe das Band zerissen Der Himmel, der Himmel — Gott, die Erde, die Erde — dem Menschen. Meine Zeit ist da, mein Königreich ist gekommen, ich mag sein Wort nicht hören. Die Wächter ab. Sarah. Andere Propheten hast du dir erwählt, auf Nathan weisend. Ihm hast du das Prophetenamt gegeben, keine Propheten kennst du sonst. Nathan Asossi. Wir kennen keinen andern Gott ausser dir, sein Wort und seine Macht ist auf dich überliefert, deine Zeit ist da, dein Königreich ist gekommen, geh und herrsche! Mit dir ist die Macht, mit dir das Wort

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