Mannheim
Compact Memory

Neue Nationalzeitung · 1908-07-17 · Heft 29 (17.7.1908) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 29 (17.7.1908)
Date
1908-07-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2425679-2425722-2425751--0909-2427228
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

JUOßGRPQUClSCfiE WOCRSNSCRRIFC rshausöbber: ors.R.L^NO^a:: X. JRflt*GRfiG* WlSft 17. JUUIi 190& Vl^r IQ 4wl 3». Die polnische Vol&spaiftef — antisemitische Eine neue Gefahr für die galizischea Juden. I6h: Herr Stapinski! Was ist denn mit Ihnen geschehen? Sie sind unter 'die Artisemiten gegangen? Stäpfnsfci: Nun ja, wenn mich der „Wschod" so angreift! Ich: Das ist ja doch nur die Antwort auf Ihre antisemitische Rede im Polenklub. Stapinski: Habe ich denn nicht im Hause gegen die Resolution Schmidt gestimmt? Ich: Aber die meisten Ihrer Leute sind fortgegangen! (Aus einem Couloir-Gespräch am 8. Juli 1908.) Den Lesern dieses Blattes ist die Person des Abgeordneten Jan Stapinski, des Führers einer polnischen Bauernpartei, die sich ,,Polnische Volkspartei" nennt, nicht unbekannt. Gerade vor einem Jahre, am 5. Juli 1907, haben wir-ein Interview mit Herrn Stapinski veröffentlicht, um demselben als Führer einer grossen Partei Gelegenheit zu geben, zur Judenfrage in Galizien Stellung zu nehmen. Das Interview stand im auffallenden Gegensatze zu dem anderen Interview mit dem derzeitigen Obmann des Polenklubs, Prof. Glombinski. Denn Herr Stapinski sprach darin den Juden, speziell den nationalen Juden, seine Sympathien aus; er anerkannte, dass sie für ihr Volk wirken und freute sich, in ihnen Bundesgenossen gegen die Wahlkorruption gefunden zu haben. Der Führer der Volkspartei, der für dieselbe schon damals zwei Dezennien agitiert hatte fund dadurch gewiss in die Lage gekommen ijst, die Lage und die Verhältnisse des Biuernstandes, aus dem er ja übrigens selbst hervorgegangen ist, zu [kennen, hat damals folgenden Kardinalsatz ausgesprochen: „Wir sind eine Agrarpartei; die Juden ein Handelsstand .... Wenn auch die Juden in Galizien dem Handelsstande, wir aber dem Bauernstande angehören, so könnten wir ja schliesslich: {auch zusammen im Interesse des Landes wirken," Das sagte Herr Stapinski vor einem Jahre. Er stand damals mit seiner Partei ausserhalb des Polenklubs, war kühn, unverdrossen, kampflustig, und bereit, sich mit allen Gegnern des Polenklubs zu verbinden Inzwischen ist er aber mit seinen 17 Mann in den Polenklub eingetreten, die nationale Solidarität liess ihn alle Verfolgungen, denen seine Partei ausgesetzt war, vergessen; die Polen-Verfolgungen in Preussen und die dadurch geförderte grosspolnische Idee waren der Kitt, der den Polenklub mit den Bauern in Verbindung brachte. Die Bauern sind in der Laube; sie sind lahmgelegt. Jetzt können sie nicht mehr wettern gegen die Schlachta und Grossgrundbesitzer, die an allem Elend der Bauern Schuld sein sollen. Denn aus den Händen dieser Schlachta empfangen sie jetzt Konzessionen und Sinekuren für sich und ihre Anhänger. Sie haben mit Hilfe der Schlachta die Konzession zur Errichtung einer Feuer- Versicherungs - Gesellschaft „Wisla" erhalten; sie haben als Preis für die unterlassene Kandidaten-Aufstellung in Mielec eine neukreierte Sektionsratsstelle im galizischen I^mdsmanns-Ministerium mit ihrem Gönner Grafen Lasocki besetzen dürfen. Der unruhige, stets unzufriedene Geist der Masuren muss sich aber austoben. Zudem herrscht in den breitesten Bauemschichten eine Unzufriedenheit, ein stiller Groll gegen Stapinski wegen seines Eintrittes in den Polenklub. Da zeigt sich Herr Stapinski als kluger Taktiker und würdiger Klubgenosse des — Pater Stojalowski. Die Bauern werden gegen die Juden losgelassen. Derselbe Stapinski, der wiederholt öffentlich die Juden seiner Freundschaft versicherte, der _ seinen ersten Wahlkampf im Jahre 1898 gegen die antisemitischen Schlagworte Stojalowskis führte und mit Erfolg ausfocht, tritt mit einemmal offen und unverblümt als ein gewissenloser antisemitischer Hetzer auf. Ist das vielleicht eine neue Ueberzeugung des Herrn Stapinski"? Wir wissen ja, dass-es nur die bekannte Taktik aller im Dienste des Adels und! des Grossgnmdbesitzes stehenden Agitatoren ist, ■

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.