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Neue Nationalzeitung · 1908-06-19 · Heft 25 (19.6.1908) · p. Seite 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 25 (19.6.1908)
Date
1908-06-19
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Seite 12. Neue National-Zeitung" Im Stein auf seinem Grabe Hess ich einen Baum ausbauen — mit cn-cni abgebrochenen Gipfel. Ta. ja, er hatte schon blühen sollen, und 4a kam ein Sturm und knickte ihn. — Xuchim, überlassei euch nicht der Trauer. Gottes Wille. Oh. Lesch, dieses Weh, das ist mein Licht und Warme im Winter und in der Finsternis . . . Leben und Leid kann man nicht vergessen . . . — Wie das Glück bricht . . . Hm, Glück bricht, aber bei Gott gilt das nur viel, wenn der Mensch nicht bricht ... Ich habe für mich und für andere gehabt, jetzt hab' ich nicht einmal für mich. Xu, was lässt sich tun ... Gott sei dank auch dafür. Was brauch ich denn? Eine Erdscholle werden auch Fremde mir hineinwerfen. In unseren Büchern steht: W' halach 1' fanecha zidkecha — Z' daka tazil mi-maweth. (Deine guten Taten werden dir vorangehen — was du Gutes getan, wird dich vom Tod erlösen.) Ja, ja. Diese Worte sind nicht umsonst bei uns auf dem schwarzen Leichentuche geschrieben .... Wenn ein Mensch nichts Gutes getan, ist er kein Mensch und nicht würdig des Lebens . . . — Vielleicht möchtet Ihr, Xuchim, was gemessen? Wartet, ich werde den Schankwirt herbeirufen. Xein, nein. Vergelt's Gott, ich hab keinen Hunger. Aber es ist mir, als hätte ich schon gegessen. Ein aufrichtiges Wort reicht für eine Tat . . . Der Bauer machte sich reisefertig. Sie hielten sich bei den Händen und es fiel ihnen schwer zu scheiden. — Xuchim, wann werden wir uns wiedersehen? Hm, weiss ich es , . . Es scheint, wenn ich mit meinem Sohne zusammenkomme. Ihr schaut nach dem euerigen aus und er wird kommen, und ich schaue nach dem meinigen die Augen aus dem Kopf und weiss, dass er nie zurückkehren wird. Euer Weg ist ein anderer, und der meine ein anderer. Bei euch ist noch Mittag und es geht langsam bergauf, bei mir ist schon Abend und es geht bergab, ja, ja, nu, Avas lässt sich machen . . . Gott sei auch dafür dank. — Und vielleicht möchtet Ihr zu mir in den Wagen steigen und fahr.n wohin Ihr braucht? Vergelt's Gott — ich kann nicht mehr fahren. Mir ist's so, als wäre ich gefahren . . . Er senkte düster das graue Haupt und starrte zu Boden. Plötzlich sprang er empor. Lesch, ha, ha, und mit welchen Pferden werden wir heute fahren? Vielleicht mit diesen weissen und zahmen, wie Kinder? Oder mit diesen grauen und raschen, wie der Sturmwind, oder vielleicht mit den schwarzen und feurigen, wie die Vipern? Er sank auf die Bank zurück und lachte und weinte, dass sein Kopf schier barst . . . ^eitschrtften-RuncIschau. Wir haben wiederholt erzählt, wie in Amerika grosso Hotels, ja selbst Zinshaus-Besitzer an Juden Cbikationen abzugeben sich weigern. Im Züricher ..Israelitischen Wochenblatt" unternimmt .Herr Alt-Konsul Frankenthal (New- Yorki einen Rechtfertigungsversuch. Die Art seiner breitspurigen Darlegungen mag folgender Passus illustrieren, in dem es Herr Fr. unternimmt, den amerikanischen Antisemitismus zu verteidigen. „Dem physischen Schmutz der Einwanderer älterer Generationen steht das persönliche arrogante Gebaren der jüngeren gegenüber. Betrachtet die Mehrzahl der russich-jüdischen Kinder, die als Emigranten mit ihren Eltern hier landeten, ein paar Jahre die kostenlosen amerikanischen Schulen besuchten, durch ihre Eingebung und affenartige Nachahmung sich von ihrer Religion lossagten; die Landessprache gerade nicht in gewählten Ausdrücken, und allein mit der Zunge, sondern ebenfalls mit den Händen und allen Gliedern ihres Körpers jeden leinen, mit lauter schreiender Stimme sich in Alles hineinmischend, was sie nichts angeht; sich bei allen Gelegenheiten hervordrängend im Selbstbcwusstsein, dass sie Alles kennen, sich mangels ihrer Bildung in öffentlichen Lokalen so benehmen, dass sie sofort kraft ihrer Physiognomie als Juden doppelt erkannt werden, sich dem Wahn hingebend, wenn sie mit lauter Stimme und herausfordernden Blicken Schinkenbrot verlangen, sich als Amerikaner legitimiert zu haben. Das ist die sogenannte jüdische Chuzpe, tausendfach verstärkt durch die Freiheit, die in allen Sachen diesem Lande eigentümlich ist. dringt sie umsomehr zum Vorschein, da keine hindernde Hand vorhanden, dieselbe zu zügeln. Dieses allein genügt, um Antisemitismus zu erzeugen. Ich erkläre es heute als die Grundursache der sporadischen Ausbrüche hier." * * * Die Territorialisten-Sozialisten haben auf ihrer Partei - konferenz in Przemysl den Beschluss gefasst, ein Parteiblatt erscheinen zu lassen und dieser Beschluss ist nunmehr ausgeführt worden. Vor mir liegen 2 Nummern der „Freiheit", die sich würdig in die Reihe der bestehenden jüdischen Blätter einfügen. Hervorzuheben ist unter anderem der vortreffliche Artikel von G. Bade r, „Ein. Defizit in unserer Arbeit" betitelt. „In unserer Arbeit für die Verbreitung von Kultur und Bildung unter den jüdischen Massen", sagt der Verfasser, ,,glauben wir, dass wir mehr als genug geleistet haben. Dass dem aber nicht so ist, kann jeder unbefangene Beobachter leicht konstatieren!" Herr B. führt des weiteren zur Illustration „unsere" Bekämpfung der Chaiukah an und kommt zum Resume. dass diese, trotz unseres Bekämpfens, dreimal soviel von Galizien herausführt, als alle Hilfsvereine hineinbringen! . . . ..Wir müssen daher ernstlich an die Arbeit gehen, um dieses Eebel ganz zu entwurzeln!" Bemerkenswert ist die Aufnahme der „Freiheit" in der galizisch-jiddischen Presse! Während ..Der Sozialdemokrat" (Organ der jüdischen Sozialisten) und „Der jüdische Arbeiter" (Organ der Poale-Zionisten) von deren Entstehen keine Notiz nehmen, wird das neue Blatt im Lemberger „Tagblatt" ebenso wie die ganze sozialistisch-tcrritorialistische Partei scharf angegriffen. M. S. Pcpscnalnachriclücn. Samstag den 20. d. M. feiert der Chordirigent am I.eopoldstädter Tempel, Herr Julius Heimann, das Jubiläum seiner 50 jährigen ununterbrochenen Tätigkeit an der genannten Synagoge. Ileimann trat noch als Knabe unter dem berühmten Oberkantor Goldstein in den Chor der Synagoge ein, wirkte später daselbst als erster Bass und wurde auf Vorschlag des Chormeisters Professor fosef Sulzer im fahre lScn zum Chordirigenten ernannt. Vor 10 Jahren erhielt Heimann die Ehrenmedaille für 40jährige Dienste. Die geehrten Abonnenten, die sich aufs Land oder in die Kurorte begeben, können gegen Angabe ihrer genauen Adresse die Zeitung in ihren jeweiligen Aufenthaltsort nachgeschickt erhalten. wmmmmmaKmmmmmmmmmmmmmmmmmamm Mit Rücksicht aof das aktuelle Material erscheint der Artikel aber „Das Ende der törklsch-lsraelltlschen Kultusgemeinde In Wien" in der nächsten Nummer.

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