Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1908)
- Date
- 1908-06-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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N£U£ CiONAL-ZEiOJNG ors.R.LHNO^u:: 7t. iJRHHORHO. WIEJSI, 19. JUNI 1908. Hf. 25. ©ep ©bewabbitiei8 und sein ^OFstand oder ©er Frieden in der Gemeinde. H i n sehr modernes Sohauspiel. fSchluss.) J. Vorst.-M.: Wer anders als der dermalige Kultusvorstand von Wien? Greis: Xein, und zehnmal nein! Das hat Flieger und die Fuegerci bewirkt. Das hat der Antisemitismus zuwege gebracht, der die ,,Assimilantcn" aus der christlichen Gesellschaft auswies und sie in die Gemeinde zurückdrängte, der sie zwang, jüdische Vereine zu bilden, um doch irgendwo unangefeindet gesellschaftlich verkehren zu, können. Das ist die Frucht des erwachten Nationalismus; einer Strömung, von der ich freilich noch nicht weiss, wohin sie führen wird, die aber jedenfalls das gr >sse Verdienst hat, eine Bewegung überhaupt in dem bereits völlig crMnrrtcn Judentum hervorgebracht zu haben. Und diese Bewegung nehmen Sie als Verdienst eines von seinem Oberrabbiner souverän beherrschten Kulrusvorstandes in Anspruch, welche beide von allem Anfang die entschieden^en, oder vielmehr unentschiedensten Gegner dieser scharfen Strömung schon aus dem Grunde waren, weil sie von ihr „eme Störung des Friedens in der Gemeinde" besorgten? Wie, haben Sie wirklich ein so kurzes Gedächtnis? Erinnern Sie sich nicht mehr, wie der Oberrabbincr. als der Zionismus vorerst noch schüchtern sein Haupt zu erheben versuchte, gegen ihn eine Athletenstellung annahm, sich in Fechterpositur vor ihm aufpflanzte, die Aermel aufschürzend und die Fäuste zeigend, wie er dies bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit zu tun liebt, um an die strotzende Fülle seiner Kraft glauben zu machen, sich dabei berühmend, er sei der „Sohn eines Kazzef"? Erinnern Sie sich nicht mehr, welchen Mut er da dem eben erst geborenen Säugling gegenüber entwickelte? Wie.war es aber, als er gleich darauf in zionistischen Versammlungen herzhaft gepackt und gerüttelt, als er sogar in unnachahmlicher naturalistischer Zeichnung auf die Bühne gebracht wurde. Da w urde der Oberrabbiner stille und immer stiller, und machte schliesslich gute Miene zum bösen Spiel, ja er schmunzelte endlich sogar bei sich, lispelnd: gam su letoba, auch diese Bewegung ist zum Heil, denn auch sie treibt das Wasser auf die Mühle des Rabbiners. Und von da ab Hessen sich er und alle die genügsam bekannten „Protestrabbiner'' den Zionismus und den Nationalismus gern gefallen, denn diese waren es, die ihnen die Synagogen und die jüdischen Vereinsversammlungen füllten. Dieselbe Stellung aber, die ursprünglich der Oberrabbincr gegen den Zionismus einnahm, beobachten'auch sein Schatten: der Kuitusx orstand, und auch er liess sich wie dieser v.ui der neuen Bewegung schieben. Und da wollen Sie es wagen, diesen so geschobenen Kultusvorstand zum Initiator dieser ganzen von ihm von Anfang perhorreszierten Bewegung zu machen. Das ist ja, mit Verlaub, eine Gcschichtsfälschung, das heisst sich mit fremden Federn schmücken, aus der hilflosen Not eine Tugend machen! Der Diener steckt den Kopf zur Tür herein und meldet <i,is Ki>'h<inen des Olx-rntbhirier-c .in. l):-r ]un;jv Y. »rsteher lvuielit einen Freudensprung;.'; J. Vorst.-M.: Na, jetzt wird es sich zeigen, ob Sie auch dem Oberrabbiner gegenüber den Mut und die Verwegenheit behaupten werden, die Sic bis jetzt an den Tag gelegt? Greis: Warum nicht? Ich habe nicht das Mandat eines Vorstehers zu verlieren und strebe auch ein solches nicht an. Und es wäre kläglich um mich bestellt, wenn ich auf meine letzten Tage, den Freimut, der mich in jungen fahren so tief geschädigt, verleugnen würde. Er komme nur.