Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 24 (12.6.1908)
- Date
- 1908-06-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2425679-2425722-2425746--0844-2427158- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
nsue NflCiONftL-ZEIDüNG rer«üsü23er: ors.^.LNNONü:: X. JAtfHCANG. WIEN, 12. JUfll 1908. Nf. 24. ©er> ©berrabbinei3 und sein ^erstand od fr Der Frieden in der Gemeinde. Ein in o <1 ** in e s löc h a u s p i e 1< (Fortsetzung.) Greis: „Eine einmalige Xaehjjidv.gk.it!" : kann nur jemand sprechen, der nicht die leises Kenntnis von den großen Aufgaben einer f ü wie es die Repraehischeu (Dmm i sprechen, der da enrs'xmd vernfüch; ■ der \'•<•)rstandssii:>imr enden Körperschaft hat, sentanz einer ersten östcrri ist. So kamt mir jemand glaubt, ein Sit/ im Kuhnlediglich zu fleissigem Besu-. Ii; gen, zu klingenden, wenn auch nichtssagenden Reden, die zum Feie-'er hinaus gehalten werden, zur Anerkennung der Leistungen der ein/einen Sektionen, zu gegenseitiger ., Anstrudekiag"', um den Yolksausdruek zu gebrau "hen: der da meint, alles übrige sonst gelten Jas>en zu müssen, wie es — dem Oberrabbiner gefa!11. J. Vorst.-M.: Sind daalle 1'feile, die Sie in Ihrem Köcher haben? Greis: O, ich habe deren noch mehr ads genug. Und wie war es letzthin mit dem Prediget".schub? Durfte da etwa ein noch so tüchtiger, noch so begabter Rabbiner hoffen, auch nur zur Probeprodigt berufen zu werden, wenn nicht von vornherein von ihm vorausgesetzt werden konnte, dass e.r auf das Programm des Oberrabbiners schwören werde, wenn zu vermuten war, dass er ein selbständiger, seine eigenen Wege wandelnder Seelsorger sein und somit den „Frieden der Gemeinde" stören könnte? Und sagen Sie selbst, hätte der Kaltusvorstand, selbst in seiner dermaligen absonderlichen Zusammensetzung, sofern ihm völlig freie Hand gelassen worden wäre, in Wirklichkeit diese lund keine anderen Rabbiner gewählt, die, so brav sie sonst sein mögen, den Ansprüchen, die man an einen Rabbiner der Kultusgemeinde von Wien zu stellen gewohnt war, nicht ganz genügen könne;:? Oder waren diese in Wirklichkeit die besten und würdigsten Rabbiner, die überhaupt zu haben, waren; Das werden do< h sclb-t Sie. der Kuitusvorsteher, nicht behaupten wollen, da es doch solche Rabbiner zu Dutzenden gibt und;u der kleinsten Gemeinde verdienstvollere anzutreffen sind. Und dennoch wurden diese und keine and Ten berufen. Und warum: Ganz -offenbar, weil bi : diesen die Voraussetzungen, die dermalen in Wien b •< der Anstellung eines Rabbinermassgebend, wie b am bei anderen, vorhanden waren. Ich weiss, Sie v.erden mir entgegenhalten, dass der Vorstand — zu seiner Deckung na eh aussen hin — einige Dutzende ...'Experten" aus der Mbtc der Gemeinde zu Rate gez./gf n hat. Aber war er an da.s Urteil derselben gebunden? Und zudem, wer hat die Auswahl di-ser ..Fxperten" vorgenommen? Der Vorstand und ^eine Organe! Lud man brauchte nur die Liste der Ausgewählten durchzugehen, um sofort herauszufinden, dass hauptsächlich Leute von waschechter Gesinnung für dieses Richteramt ausersehen wurde", b Do auch in dieser heiligen Sache, wo es galt, die i-dflichste Auswahl von Zukunftsrabbinern, von g istlichen Führern für die heranwachsende. Genera'b.on zu treffen, deren vornehmste Eigenschaften < harakterfestigkeit und Begabung sein sollten, drückte der Schatten des Oberrabbiners schwer auf den Willen und die Entsehliessung des Kultusvorstandes. Die Wahl fiel ganz nach Wunsch und Willen des Oberrabbiners aus : dies e neu engagierten jungen Rabbiner, denen wahrlich die Zukunft nicht gehört, werden sicherlich den ,,Frieden in der Gemeinde" nicht stören! Sie werden freilich auch nicht die Gemeinde verjüngen, sie nicht aus dem tiefen Schlaf, in den Oberrabbiner und Kultusvor-