Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 22 (29.5.1908)
- Date
- 1908-05-29
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12. „Neue NationahZohnrig''' Nr. 22. einem Pogntm? . . . Unsere beiden Brüder berieten sich miteinander und stellten sich dumm, als ob sie kein Wort russisch verstünden. Statt zu antworten, uoher sie kamen, zeigten sie mit der Hand auf den Kessel mit dem schmackhaften Gericht, das darin kochte; dabei lief ihnen das Wasser im Munde zusammen, als ob sie sagen wollten : „Wir sind hungrig, wir möchten essen, und ihr verdreht uns den Kopf mit Fragen, die wir nicht \ erstehen." Die Kosaken schienen verstanden zu haben, dass die Juden hungrig waren, sie Hessen die Frage ,,skuda\\o" für ein anderes Mal und rüsteten sich, die Sitte der Gastfreundschaft zu üben, aber sie taten es nach Kosakenart. Und zwar wie? Sie machten sieh vorher über die langen jüdischen Köcke und über die gekräuselten Schläfenlöckchen lustig, bestanden darauf, dass der eine Izchok und der andere Chaim hiesse, und nahmen sich vor, sie mit Grütze und Schweinefleisch zu bewirten; denn es war ein Spass und zugleich auch ein Verdienst, einen Juden mit Schweinefleisch zu füttern. Kurz, sie beschlossen, dass jeder von ihnen einen Juden übernehme; der eine übernahm Izchok, der andere Chaim. Man setzte sich auf die Erde; den Juden stellten sie eine Schüssel mit heisser, fetter Grütze hin, gaben ihnen zwei hölzerne Löffel in die Hände und kommandierten nach Kosakenart: „Jeschtc, sehidi(Ksst, Juden! i In unserer Sprache heisst das: „Kommt essen, jüdische Kinder! Lasst es Euch gut schmecken!" Aber nach dem Ton, in welchem die. Worte „Jcschie, Mtin.di" gesprochen wurden, war. n .-ie folgcndc-ma-scu zu verstehen: „Ihr werdet c^sen, ob Ihr \,olk oAr nicht!" Dabei ist nicht ,-.n vergessen, dasdie beiden Brüder lothungrig waren, dass cie '. or I Iunge; vergingen. Einen Augenblick sassen sie regungslos da, obgleich der Duft der heilen, feiten Grütze ihnen in die Nase stieg und ihre Magen wie von Zangen bearbeitet wurden. Offenbar merkten die Kosaken, dass die luden die schwer zu entscheidende .Aufgabe noch nicht gelöst hatten: sie begriffen, uorm das Hindernis bestand; nun kommandierten sie zum letzten Mal, mit solcher Stimme, da^s das Merz der Juden erbebte. Da sagte der ältere zu dem jüngeren : „Weisst Du, was ich Dir sagen werde. Schneier?" „Was denn. Meier?" „Was? . . . Wir müssen anfangen zu e<-en, denn hier ist unser Leben auf dem Spiel." Darauf begannen ie, ernstlich mit den Löffeln zu arbeiten, verschlangen die heisse Grütze, wie am Freitag abend die Nudein, verbrühreu sieh die Lippen und die Zunge und schluckten wie Gänse: dabei vergassen sie ganz und gar, dass sie sich als Gäste zu benehmen hatten und dass das E.-scn nicht rituell war. Ich fürchte, die Grü /e mundete ihnen, wie ein Paradiesgericht, denn ihr hastiges Zugreifen und Schlingen waren ganz unnatürlich: selbst die Kosaken wunderten sich darüber und begannen, in ihrer Sprache zu reden: „Was sagst Du, Wanjuscha, zu Deinem Chaim, wie hastig er zugreift?" „Nein, Pawluscha, Du irrst Dich, Dein Izchok verschlingt das ganze Essen." Die beiden Brüder tuen .so, als verstünden sie nichts und arbeiten mit den Löffeln, was das Zeug Iiielt. \ „Wanjuscha. sage Deinem Chaim, er so!! nicht so hastig zugreifen! Wenn ich. nach ihm greife, holt ihn der Teufel!" „Versuch' nur einmal, ineinen Chaim a '.• ren, dann zermalme ich Deinen Izchok zu Staub." Ohne lange zu überlegen, riss Paw luscha Wan juschas Juden den Löffel aus der Hand und versetzte ihm einen Sc itenhieb, dass er sich drei Mal überschlug. Das verdross Wanjuscha natürlich ehr, er sprang auf und schlug I'awluschas Juden mit der Faust vor die Zähne, dass seine Augen Funken sprühten. Darob emrü>tei, ersetzte Pa-,rjuscha;;•■ juschas Juden drei flamm.-nd f mrig 1; ' . .. Wanjuscha rielr ete neu auf und "ie . :ni. ,> :•• brannten Antlitz : „Dafür, dass Du nvinen luden schlag.-; , ■ ich Deinen Juden braun und blau schlagen." Wanjuscha und I'awluseha nahmen sich ihn ■• Juden für das ihnen zugefügte Unrecht an und prügelten und schlugen sie harmungslos, -o da s dabischen christliche Ko>; ihnen schlecht h- '. Fm Glück, dass die luden i 1;;"<n!e in IL '■ ■ \<hmen und davonliefen. . . . Wie aus einem böv-n V a'un . >ac , \ : u sie atemlos, wohin dC A r; r; i führ, v. oVje Vi umzuschauen, ans Aar; . : ■ A. A Ah , e;-f..!.^i würden. Sie liefen und .1 :u e.-.Aieh u-arman -ie müde, ihre Schrine wmale-' 'ang-au; , s;e hieben einen Augenblick an it :d ■ :e; siel: i-V.ev. je;. : erst gewannen sie allmüüAm daiiev. üa>\m <;. u iedv : und erinnerten sich, •■ < .• . dl;: ■ ':• 1 »wri )iei Kapitel: ersten.- ' a '■ o..- u,a I uA ■ . e A;ens Schweinefleisch u :' m! ■] A ,eu u .;! erwischt. Sie beganu.au i . .. i-- a- -. 'A . a ■■ gewöhnlicll miuauaa-rr ' a .;-.ai; ..Weihst Du.; A . Uchneier?" „Was denn. M' aer?' „V as? . . .!■ ii; 1 ■ u' i -' 'm -;.;. i;. i A!: u . Sc bs ein A.- ■! UU 'e-;aU . .1;- - I ... schi.jgt n w eiale. . . . Alle treten iur das l meclu ein, da.s uns zugefügt w ird. . . . uii ie;ler niuuni sieh de> j ie1: an tu, I \ r A '] . ' 1. " J3rie frästen iUv f\'viä;»!{!K: Alfred S. Hessen!>,aa »ar ■ . i- , :. Die Eipi'ossiin^.'ii. w. ]t 'i :l -■• Ii ,U n ' in,- -'i'; ii U.;i<'ia:~ in Wien ausüben, sind im* her -us »n ante;- t S -it-- r.-.iej- '• ii» worden. Deswegen dürfen Sanoch nebt v<>n einem „iudi .c.-,e:- Antisemitismus"' >| .rechen. Answi.ifi n;; eiia;a ai :■:'(■>■ Partei. - L F. in Brody. i>ie ,.Kia / ■" i.a an;•••> W i-s a~ bereits ins Deutsche über>.-t/! u-.»rd«'n. -loch '-rs-aiieii di-.- I >.-,• seu-un.u' iiiciU in Uu-.-hf .rni. Wi-a ' -n e- Urei ee -n I-eipzi;1;. •- Statistik in Beriai. I-.s uvn i;';t i»i .ee.a . IIa dapest. - Leo S in Brzesko. Wen a a Si aei an a De b liandliin,u l';»!i|.ela'.er in 15 «ain. X a. ■ l'.a >!■■ ', Prof. K. Sie schein n I n Herrn ni U zu na a. jetzt gan/ Bücherwunn. Kür eine positive Aiabeii nia; /e gebrauchen. Schade! In der nächsten Nummer beginnen wir mit ^ti Veroffeutlichung einer iidchsl aktueileu Artikelserie: „Der Oberra^blner und sein Vorstand1. Formell und inhaltlich wird diese Arbeit zn den besten publizistischen Lei£tun$e!i gehören, welche die Jüdische Jooruaüstik seit vielen J.".hieu aufzuweisen hat. Deberdies erscheinen :n den nächsten Mummern ein Essay von Rüben Brainin über Maximilian Hardeu, deu jetzt ^rd^steu Schriftsteller Deutschlands, und die bere ts erviäLeie Novelle von Anton Tschechoff: „Rotschilds Geige."