Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 21 (22.5.1908)
- Date
- 1908-05-22
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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TSr. 21. sehe Gabe des Himmels, sondern, will auf seine eigene Kraft vertrauen. und geht zurück zur Dalila. Der dritte Teil, ,,S im son uadl) a I i I a", spielt wieder auf dem Hofe des Königs. I) dda erwartet Simson. Sie weiss, dass er kommen wird. „Doch er kehrt zurück: Er kehrt zurück! - Die Sehnsucht ist in ihm geblieben. Das Gut meine.- na-- kten Arme und der Duft meiner Haanblieber,, m ihm. Die rufen ihn zurück. Er wird kommen/ . Abimelech dampft ihre Erwartung des nahen den Liebesgemisses mit Simson mit den Worten, dass dieser kein ganzer Mann sei — und .deshalb kein Weib glücklich machen könne. Jede Sache in der Weit erfordert ihf-n gau-en Mann. Samuel .ist einer, er lebt mir dem Ddaokon an '< kotr unti an 'sein Volk. Simson ist bei a!Fm nur ha in. Seine Mission, Israel aus den Händen uer .de zu befreien, erfordert ade seine Kraft'-, s uvm he Liebtzum Weibe. Zwei Arien von M a ■«:::: g"be - . v der Welt: M ä n n e r der A r b e < t und M Hin1' r des C c n u s s e s. D a s ei a e o d e r d a s an de r o z u s e i n, darin liegt Stark--. Aber Snnsoa.s f 'nglück ist es, daser zwischen <ier Arbeit und lern Genüsse schwankt. Deshalb wird er nie glück! i« Ii sein uniso weniger das Weib, des er an sieh fesselt . . . Schließlich verlangt der König, i)a!na möge in der Liebesumormung Simson das (ieheimiFs .sei ner Kraft entl » ken. Sie aber will dm nm dann preisgeben. w<-z.n .-r de zum /weitenmak* j-nii iuschi n sollte. Simsor. erscheint. Sie erwartet endlic h die Befriedigung ihrer aufgepeü M-ht-u Smnedusl, der so lange zurückgedrängten, -rden '. b er i-- kraftlos. Emst -.«. ziv ■■! zr oe: -ih-ei. Kein Soherme — ..-r durftelern s..-ine Haoie be rühren. Jetzt habe er sich \ on A ar iosge.s igt, um ihretwillen. < ) Ire, mächt ig sinkt er nieder kür die Enttäuschung Fr Hoffnungen nimmt das Weib fürchterliche R r he. Sie ruft die A-inde herbei, verrat ihnen den Zustand Sim-ons. schneidet ihm das Haar ab. Simson wird gefc-vAt and geblendet. — Die schlichte Erzählung ier Bibel hat der Dichter mit dem Fouer der Leidenschaften erfüllt. Den Fall des Heros mo.Aierr er nicht mit dem sinnlichen Trieb, der ihc blind m die Fallstricke des Weibes jagt. - widern verlegt seine- Schuld m den Zwiespalt seine-.-. < 'iiar:• Fers, den Abimelech so trefflich auseinanderlegt. " ad doch schwebt über dem tragischen Verhängnis das ihn von seinem Volke und seinem G >Ue m dF Arme Dalilas fahrt, der reine, erlösende Akkord der Liebe, der in unserer Brust das Mitleid für den [leiden rege werden lasst, sein Schicksal dem ue-cn näher bringt Anfangs sucht er seine Liebe zur PhiFsterm mit seiner Seit dung in Einklang zu bring« n. ..Doch das Weib kann Farm nicht entscheiden. In gleicher Weise k-.nn ick für Gottes und des Volke-Sache kämpfen, ob an meiner Seite eine Daniierin, Jebusiteri;1. oder idnhsterm shtaft . . ." „Mein Volk! Das Leben und dte Kraft meiner Arme lind Muskeln geboren dir und deiner heiligen Sache, aber die Gefühle und Triebe meines Herzens und Leibesind mein . . . Hiegeht das öffentliche Leben und das Leben des einzelnen auseinander. Das erste gehört dem Vaterland und meinem Volke, das zweite einzig mir and nicht einmal mein Gott darf mir es verwehren4' . . . In diesem Punkte berührt der Dichter ein' Problem, das in der Gegenw art für die Juden interessant wird, wo die Treue zum Judentum in Kollision Seite Ü gerät mit dem Recht auf die freieste Entfaltung dor lndividualität, der gerade in Bezug auf die Liebe durch das jüdische Gesetz Schranken gelegt werden! Simsons Kraft ruht in dem ^suggestiven Vertrauen auf Gott. Sobald < r sich vom Ewigen abwendet, sehwindet -1Uch seine Starke. Diese Auffassung des Dichters deckt Mch mit der Bibel. Auch diese verbhabt nicht bei dein iiesor,, Moment der ungeschorenem Haare, sondern in allen Stellen, wo sich Simson zu filier neuen "Fu rüstet, heF.-t es ,,Fnd es kam über dm der < Fi o des Ew igen, "benso als er erwaein. um zum '•> ce-nie.ale die Philister zu verscheuchen. Er aber wus-'e nicht, dass der Ewige von ihm gewichen." Der Prophet Samuel, den der Dichtin in die Dichtung 'nführt,'schreitet mit mächtigem Patk >s dureh emiv, Szenen ^r-m Auftreten, ist zw ar unhjsf >i ise|>, -r -oa koi je rt 'die Stdnme des mahnenden Gewissnis. die den Helden auf den richtigen \\v._,- reift, iber v.»u dem Schrei der Liebe über- 'öm -so hl z.tmi.h-i muss voi Haida v%e;chen. Sie ist das " ' )'!weil) leren jeder Nerv noch einem gro -seit '■■') i freien ."<«' m;;e chreit. Sie -zerwirft die Licbesain i-i_;e .je-, :,( h\- jchiichcn Königs und sieht mutig ziem iAde^sross -nt gegen, vor dem sie die Ankunft Simsons rettet, f n ihren Träumen lebte der Maina dessen ..iebesu: rosse sich wie ein brausender Wildbach über -fem. -z•■ •«. -M die Glut, die sie erfüllt, örlle.n. und sollte sie .ciz: a.t Grunde gehen dies.« Leidensciiafthehk m :h:vs Wesens offenbarder Dichter in der Sprache. Zeigt diese son-z v:iKd :cge;Tn den bib'lische-ii Fr :-. > ieuchten die W'Ti.- :c,;ce, in der malten liejss.-.: Forhentracht des On-nr- Die Rede feien eit ihren Lippea formiu he )rgien So m k-m Monolog, als sie zum zw;e[ieimi,d Mit"-" . -rwartet. (Sie (äst ihre Haare) ,,Her, ihr schw arzee.. leucliteudeu Natt'-n,, umschlinget ihn .0! meiner Fmiavmung, peitschet seine Gliedei nie .' iammen erwecket ihn aus Stumpfheit und dVagh-a. all -uer (oft sprü/.at in die- Poren seines Leibe- und machet *lvn tri uken bis zur Fr-'-hüpfung! Un<l ihr, meine Arme, umschlicsset ihn udi Demantriegei.u, dass kein Pi >phei mein' ihn '.veglo*"ke : von den Fis^fMi meiner Brust. w<; er -in>cid,den muss wie 'in Kind, (-mgewieej durch d.en Rhythmus des mütterlichen Busens . . Entfesselt --ue'n, ihr Stürme, ihr lang .airuckgedra;igten Leidenschaften, ihr Hündinnen, die AbimeFch mehr ».-rwecken kotmte, h(-uiet in senil- Traume-, da>s '-r '.usm -,un;l fühle, wen er!ii:!sc}ili.ngt . . . .' ';>.! In, mem Mund, allen Honig e r Biene/: von Sor >o. di'-n Hauch der Rosen von Jen zo attne ihm i,n.s Antlit/, dos- --r ■ or .mir niedersinke wie ein Konig memo- Troume, der sich gern seine/ Konigin ergdn, die ihn so lange erwartet." Wie leidenschaftlich ihre Fiebe ist, .so furchtbar iO auch ihre Rache. Mitleidslos lasst sie den, dem ihr ganzes Sehnen ^olt, zu (»runde gehen. Die drei Bilder, welche die Person des Helden zu einem Ganzen verbind'>n, werden sonst von keiner dramatischen YArknüptu.eg zusammengehalten. Der erste und der dritte Ted sind durch ihren speziellen Aufbau recht bühnemvrks im. wahrend beim zweiten F' -ii die Lyrik einen \ rel zu weiten Raum gewinnt und nclu einmal die Musik, die stellenweise die Rede stimmungsvoll begleitet and dem Bilde einen melodramatischen Charakter verleiht, kann über die Langen hinweghelfen. Einen jüdischen Zug weist diese Dichtung nicht auf. Wie auch Weininger Simson neben Josua als den unjüdischesten Mann im alten Israel bezeichnet. „Neue National-Zeitung"