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Neue Nationalzeitung · 1908-05-01 · Heft 18 (1.5.1908) · p. Seite 10

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 18 (1.5.1908)
Date
1908-05-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. „Neue HatTortal-Zeituing" Kr. Ig. kleines Kind, hast du diesen grossen Teppich gewebt?" fragt eine Mutter ihr Töchterlein. „Ja, ich und meine Kameradinnen", antwortete das Töchterlein stolz, und zwei blaue Augen, so hell wie der heutige palästinensische Himmel, schauen unschuldig zur Mutter empor. In diesem Zimmer finden wir auch unsere „Aristokratie", welche französisch oder russisch spricht und auf diese Sprachen stolz ist. Und sie flattern herum die koketten „Französinnen" und Kussinnen" auf den jüdischen Tcppichen, mustern mit ihren Augen die hebräischen Buchstaben, die ihnen unverständlich sind und beschliessen dennoch, hier einen Teppich zu kaufen und nur einen solchen, in welchem mehrere stilisierte hebräische Buchstaben gewirkt sind. Manche bestellen sogar hebräische Monogramme. Die Macht der hebräischen Sprache! Wieder wandert mein Blick von einem Teppich zum anderen, von einer Zeichnung zur anderen und das Herz wird von Freude, Stolz und Hoffnungen überfüllt. Nicht gross ist die Zahl der Arbeiterinnen; sie beträgt kaum 50 Mädchen. Sie ist aber genügend, um zu beweisen, dass wir arbeiten wollen und auch arbeiten. Nicht Almosen, sondern Arbeit wollen wir, Arbeit, von der wir uns ernähren sollen. Die Chalukah überlassen wir den Alten, Kranken und Unglücklichen. Vergrössert unseren Bezalel und verbreitet seine Industrien, die der Welt zeigen werden, dass auch wir Geschmack besitzen, dass wir in Unsere Arbeit unseren Geist und unsere Gefühle einflössen! J.K. f&ORRSSPONDSNZGN ©«ötcppcidi-ön^wn. Eine hohe Auszeichnung. Wien. Dem Professor fies Handels- und WYHiselivHites an der Wiener ( ni\ ersitiit. Hofrat Dr. Karl Samuel „<r ü nhut, wurde vom Kaiser das Konnnandeurkreuz des I.eo|w>ld- Ordens verliehen. Hof'iat C, r ü n h u t isf der Srhwa.nvr unseres verehrten Mitarbeiters Dr. Moriz F r i e d 1 ä n d e r. Deutsches Reich. Zur Brandkatastrophe in Konstantinopel. Berlin. Der Hilfsverein der deutschen Juden erhält über das Fortschreiten des Hilfswerks zu Gunsten der Abgebrannten in Haskoi folgenden Berieht, der von dem Leiter seiner Schulen Herr Dr. [Marcus und von dem Vorsitzenden des Alliance-Komitees Herrn Fernandez unterzeichnet ist. Jüngst hat eine Sitzung des Hilfskomitees in Konstantinopel stattgefunden, auf der das Programm, nach dem die Hilfe in praktischer Weise zu leisten sei, festgesetzt wurde. Nachdem man zur Kenntnis genommen hatte, dass für das Hilfswerk zur Zeit 2500 türkische Pfund vorhanden seien, wurde beschlossen, vor allen Dingen dafür zu sorgen, die obdachlosen Familien vorläufig für die nächsten zwei Monate in provisorischen Unterkunftsräumen »nterzubringen. Mit dieser Arbeit hatte man bereits in den ersten Tagen nach dem Brandunglück begonnen. An die 400 Familien, die in den Synagogen und Schulen einen Unterschlupf gefunden haben, sind bereits in dieser Weise provisorisch um ergebracht, und auch für die Unterbringung der übrigen wird bald gesorgt sein. Weiter soll eine Summe dazu verwendet werden, um Kleidungsstücke der verschiedensten Art für die vom Unglück Betroffenen anzukaufen. Zwar sind Nahrungsmittel und Kleider in sehr grosser Anzahl dem Komitee von wohltätiger Seite zur Verfügung gestellt worden, aber die Geschenke reichen bei der Grösse des Unglücks doch nicht aus. f Dann sind noch weitere 170 türkische Pfund den gesammelten Fonds entnommen worden, um Mazzes für die ()sterfeiertage zu kaufen. Des weiteren muss den Handwerkern Handwerkszeug, das sie1 beim Brande verloren haben, geliefert werden und den kleinen Händlern und Budenbesitzern müssen die nötigen Mittel zur Verfügung gestellt werden, damit sie ihre Arbeit wieder aufnehmen können. Was nach der Durchführung dieser praktischen Arbeiten von dem Hilfsfonds noch übrig bleibt, wird dazu verwendet werden, um für die unglücklichen Abgebrannten für einige Monate die Miete zu zahlen. Der Rest der Summe, der dann hoch übrigbleibt, würde dazu benihzt werden, um einige kleine Hänser aufzubauen. Der Hilfsverein hat nunmehr, nachdem der Umfang des Schadens und der genaue Plan für das Hilfswerk festgestellt ist, weitere 10.000 Francs zugunsten der Geschädigten überwiesen. Schweiz. Die Misrachisten und die Sabbatruhe. Zürich. Es ist bereits in Ihrem Blatte davon die Rede gewesen, dass wegen Verletzung der Sabbatruhe im Kölner Bureau des Nationalfonds eine Aufregung unter den Misrachisten herrscht, weswegen sich Herr Präsident Wolfsohn veranlasst gesehen hat, die Abstellung dieser Misstände zu versprechen. Wie es scheint, lassen die Zustände nach dieser Richtung noch immer zu wünschen übrig. Die Führer der Misrachisten in der Schweiz, die Herren Ch. Eis (Zürich) und Jakob Braun (Basel) erlassen nachstehende Kundgebung: „Nach Fühlungnahme mit unseren Gesinnungsgenossen in der Schweiz und den reichsländischen Nachbargemeinden sehen wir uns verpflichtet, unsere Stellungnahme zu den jüngst bekannt gewordenen traurigen Vorgängen in den offiziellen Aemtern unserer Organisation öffentlich kund zu tun. Wir linden es empörend, und tief t eschämend, dass eine Erörterung über eine bisher Gott sei Dank unerhörte offizielle Missachtung eines Grundgesetzes des Judentums in der zionistischen Bewegung notwendig geworden ist. — Ist denn die jüdische Selbstwürde und der Respekt vor den heiligsten Institutionen des Judentums in unserem Volksleben schon so tief gesunken, dass die Vertretung einer die nationalen Werte besonders betonenden Organisation, als welche die zionistische doch gelten will, sich erkühnen dürfte, bewusst und absichtlich sich über die Sabbathheiligung hinwegzusetzen, ohne dass ein Sturm der Entrüstung die Schuldigen von der Oberfläche unseres öffentlichen Lebens hinwegfegt? — Welches Volk auf Erden würde es sich gefallen lassen, dass seine öffentliche Presse, seine eigenen Organe und seine von ihm besoldeten Beamten die Jahrtausende alten Volksideale, das Gottesgesetz, alles das. was ihm in den Irrgängen seiner Leidensgeschichte Licht und Leben war und bis in alle Ewigkeit bleiben wird, so unzweideutig öffentlich verhöhne?! — Dem jüdischen Volke gegenüber ist das engere A. C. bezw. der Präsident der zionistischen Organisation, Herr David Wolfsohn, verantwortlich. Wir erheben gegen das A. C. und dessen Präsidenten vor aller Welt die Anklage des Wortbruchs. Solange auch nur ein thoratreuer Jude der zionistischen Organisation angehört, ist Herr Wolfsohn ihm für diesen Wortbruch und die daraus sich unvermeidlich ergebende arge Schädigung der zionistischen Interessen Rechenschaft schuldig! Warum ist Heir Sokolow, oder wer sonst dieses Attentat gegen unseren Sabbath gewagt hat, noch nicht seines Amtes

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