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Neue Nationalzeitung · 1908-04-17 · Heft 16-17 (17.4.1908) · p. Seite 2

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 16-17 (17.4.1908)
Date
1908-04-17
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. „Neue National-Zeitung" Nr. 16/17. jorität von 19 gegen 9 Stimmen erlangt hat, so beweist dies erst recht, mit weich schlauer Berechnung und Hinterlist, aber auch mit welcher Konsequenz, die Antisemiten ap. der sukzessiven Aussclialtung der Juden aus dem Kreise der gleichberechtigten Staatsbürger arbeiten. Die Resolution Schmid fordert — wie sich manche trösten — noch keine Statuierung eines Perzentsatzes der jüdischen Mittelschüler nach Massgabe des Perzent ualverhältnisses der Juden an der Bevölkerung. Sie zielt aber darauf hin. Der russische Terzentsatz, das ist das Ideal des, Herrn Schmid und seiner Hintermänner. Die 13—14 Perzent jüdischer Schüler in den Mittelschulen sind ihnen zu viel; sie wollen den Perzentsatz herabdrücken auf 5 Perzent. Damit soll gegen die Juden ein Aus- 11 a h in s g e s e t z geschaffen werden: das erste. Dann können die weiteren umso leichter folgen. Die Annahme einer solchen, Resolution im Budgetausschuss ist sowohl für die parlamentarischen v erhältnisse unserer Monarchie, als auch für , die Erkenntnis unserer staatsbürgerlichen Lage höchst wertvoll. -Möge sie uns eine Warnung sein! Den Leisetretern erklären wir aber, dass die Resolution nicht genug uberschätzt werden kann. 1 Denn sie hat uns eklatant bewiesen, wessen die Antisemiten, die durch zwei Gesinnungsgenossen im Kronrate vertreten sind, den Juden gegenüber fähig ,sind und was alles bei uns möglich ist. Der Geist des Czarismus liält bei uns seinen Einzug, und er wird sogar willkommen geheissen. Unsere Pflicht ist es, ihm rechtzeitig mit den geeigneten Mitteln entgegenzutreten. , L. LHeJ^ehpf reihert und die feyna&QQ* im fytertuiti.*) Die Synagoge entstand sehr früh, in weiter Entfernung und völlig' unabhängig" von dem allmächtigen, das religiöse Leben beherrschenden Tempel zu Jerusalem. Sie entwickelte sich, da sie einem dringenden Bedürfnis der in den griechischen Ländern und Inseln angesammelten jüdischen Massen entsprungen, zu einer ungeahnt segensreichen Institution. Die ersten Synagogen begegnen uns schon in vormakkabäischer Zeit in A e g ypte n, wohin die Juden am frühesten, anfangs gezwungen, später freiwillig auswanderten, und wo sie unter der wohlwollenden Regierung der für Kunst und Wissenschaft begeisterten Ptolomäer griechische Kultur in sich aufnahmen. Insbesondere in dem gelehrten Alexandria entwickelte sich die ungemein stark angewachsene jüdische Gemeinde — zu Beginn der neuen Zeitrechnung zahlte die Stadt und Umgebung eine Million Juden — zu einem der hervorragendsten/ Zentren der griechischen Diaspora. Der Tempel war weit, und sie errichteten sich in der neuen Heimat Gotteshäuser. Und je entfernter sie von dem Tempel waren, desto unabhängiger entwickelten sie sich, desto mehr vergeistigte sich der Gottesdienst. Was sie aber als Palladium aus der alten Heini.it auf allen ihren Wanderungen *) Anm, der Redaktion. Ueber die Anfänge der hochbeücutsamen Institution der Synagoge wissen wir noch heute sehr wenig, und das Wenige, das eruiert wurde, steht auf recht schwanken Füssen. Wir waren daher eifrig bemüht, von fachmännischer Seite eine Darstellung derselben bringen zu können und hoffen auf den Beifall unserer Leser, die gewiss mit Interesse die hier verarbeiteten, ihnen sonst nicht leicht zugänglichen Geschichtsquellen verfolgen werden. mit sich führten, das waren ihre heiligen Schriften: Moses und die Propheten. Das Studium derselben bildete den Mittelpunkt ihres Gottesdienstes, der an jedem siebenten Tag, den sie in hergebrachter Weise streng feierten, abgehalten wuraVe. Und als sie die Sprache, in der Moses und die Propheten redeten, nicht mehr verstanden, da ihre Muttersprache die griechische geworden, da übertrugen sie die heiligen Schriften ins Griechische, das auch die Sprache ihres Gottesdienstes war. Als der Enkel des Siraciden nach Aegypten kam, fand er daselbst bei den Juden eine bedeutende griechische Bildung vor. Das Gesetz und die Propheten und die übrigen biblischen Schriften waren bereits ins Griechische übersetzt. Dies veranlasste ihn, das von seinem Grossvater — einem judäischen Lehrer aus dem Anfang des zweiten vorchristlichen Jahrhunderts — in hebräischer Sprache verfasste religiöse Spruchbuch ins Griechische zu übertragen, um es der ägyptischen Diaspora zugänglich zu machen. Die Synagoge, die ursprünglich lediglich einen Ersatz für die infolge der grossen Entfernung schier unmöglich gewordene Teilnahme an dem Tempelkultus zu Jerusalem bieten; sollte, machte diesen allmählig überflüssig. Man Hess in der Diaspora schliesslich den Tempel als den allen Juden heiligen Mittelpunkt der Nation gelten und hielt ihn als solchen in Ehren. „Sie halten/' — sagt Philo von den Juden der griechischen Diaspora — „zwar die heilige Stadt, in der der Tempel des höchsten Gottes sich befindet, für die Metropole, aber das Land, wo sie seit der Väter und Urväter Zeit wohnen, betrachten sie als ihr Vaterland." (In Flacc. II, 425.) Der Tempel von Jerusalem war ihnen als nationaler Mittelpunkt heilig. Sie sandten Geldmittel und Weihegeschenkq dahin, wenn sie auch — wie wir dies zum mindesten von einigen der hervorragendsten jüdischen Sekten bestimmt wissen — infolge einer geläuterten Gottesverehrung, die ja schon in der jeder Mittel, auf die Sinne zu wirken, entbehrenden Synagoge zum Ausdruck gelangte, den Opferkultus missbilligten, ihn als eine niedrige 'Stufe des Gottesdienstes bezeichnend, und „höhere Reinigungen" an dessen Stelle einführten, Die Synagoge hat das Verdienst, den Gottesdienst von Anbeginn unabhängig vom Tempel zu Jerusalem gemacht und ihn vergeistigt zu haben. Sie entstand in den Zentren griechischer Kultur, an deren Brüsten die Diasporajuden in durstigen Zügen sogen. Von einem Philo rühmt der Kirchengeschichtsschreiber Eusebius (Hist. Eccl. II, 4), dass er ein Mann war, „der bei den meisten nicht nur von uns, sondern auch von denen, die aus den heidnischen Schulen hervorgegangen, in höchstem Ansehen steht. Seinem Herkommen nach war er ein Hebräer, stand aber keinem unter denjenigen, die die ansehnlichsten Würden zu Alex-xndria bekleideten, in etwas nach, Wie ungemein Viel er in der Theologie und den Religions^ Wissenschaften geleistet, hat er jedem durch die Tat seihst bewiesen. Was er aber in der Philosophie und in allen Zweigen hellenischer Wissenschaft war, bedarf keiner weiteren Wrorte, da er in der platonischen und pythagoräischen Philosophie, die hauptsächlich Gegenstand seines Studiums bildeten, alle seine Zeitgenossen hinter sich gelassen haben soll." Was Wunder, dass diese griechischen Juden auch ihren Gottesdienst, der ja den eigentlichen Inhalt ihres Seelenleben^ ausmachte, auf ein höheres Niveau gehoben hatten? So wurde die Synagoge in der hellenischen und hellenisierten Welt die Erzieherin der Diaspora und gewann, wie geschichtlich feststeht, grossen Anhang im Heidentum selbst. Die Emigration tius Judäa nach den griechischen Lärt dem hatte schon mit Alexander dem Grossen begonnen und unter den ersten Ptolomäern bereits eine so ungeahnte Ausdehnung gewonnen, dass bald darauf das Gros des Judentums nicht mehr in Palästina, sondern in den griechischen Ländern und Inseln angesiedelt war. Schon um die Mitte des zweiten vorchristlichen Jahrhunderts singt die jüdische Sibylle von ihrem Volke: „Jegliches Land und jegliches Meer ist von dir erfüllt"j

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