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Neue Nationalzeitung · 1908-04-10 · Heft 15 (10.4.1908) · page 1

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 15 (10.4.1908)
Date
1908-04-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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NftCiONftL-ZEiCüNG JUDISCRPOUCISCRB DfS.R. LANDAU!! X. JAHRGANG. WlBfl, 10. ÄPftfli 1908. fttt. 15. «Jüdische f)o!iti!<. (Schluss.) Es wird noch genug erwachsene Männer geben, die nur ihre Achseln zucken, wenn von! jüdischer Politik gesprochen wird. Sie sind eben auf der politischen Sandbank des seichten Assirtiilantentums stecken geblieben. Ihr Ideal bildet jene Parlamentssession, da das Kolo Polskie, der Cesky- Klub, der deutsch-österreichische Klub und das rechte Zentruni „ihre" Juden hatten. Und wenn es auch heute weder im Tschechenklub noch in einer deutschen Parlaments-Verbindung einen jüdischen Abgeordneten gibt, wenn auch heute alle parlamentarischen Parteien, so sehr sie sich gegenseitig bekämpfen mögen, darin einig sind, dass sie sich iin jütischen Fragen gar r.icbt exponieren, sondern lieber jedes Unrecht totschweigen, wenn es Juden betrifft — so vermag dies alles die Gegner /einer jüdischen Politik nicht zu überzeugen. Diese Leute sind Kinder ihrer Zeit r.nd ihrer Erziehung ge - blieben; sie haben den Geist der neuen Zeit und die Evolution in ihrem Volke nicht verstanden. Als sie nun mit ihrer nichtjüdischen Politik im öffentlichen Leben Schiffbruch erlitten, da haben sie sich dort zurückgezogen, wo sie erst recht am wenigsten zu suchen hatten: auf die jüdischen Gemeinden. Mit ihnen mag ich nicht rechten. Die Politik war ihnen nie Selbstzweck, nie ein'Gebiet selbstloser ide~eller Betätigung, sondern eine Leiter zur Karriere; ihr Judentum! durfte sie njicht behindern, sondern sollte sie fördern. Es ist kein Zufall, dass die jüdischen Mandatare aus jenen alten Zeiten neben Ehren auch Kapital zu sammeln verstanden; sie haben sich für die Juden weder psychisch!" (noch physisch wehgetan. Sie opferten höchsten einige Gulden für wohltätige Zwecke, aber nie ihre Person oder auch nur ihr Prestige. Wir werden also auf sie alle, die politisch' farbenblind sind, verzichten müssen. Wir werden sie, die von einem „selbstge wollten Ghetto" faseln, nicht mehr überzeugen. Sie sind ohnehin isoliert; sie gehören bereits der Geschichte an und füllen darin ein trauriges Kapitel der feigen Entwürdigung nach aussen und der hochmütigen Bevormundung nach innen. Die Zeiten dieser politischen Faiseure sind zu Ende. Das Volk selbst tritt auf den Plan. Es will leben, sich frei entwickeln, es stürmt voran, um, alle Hemmnisse niederreissend, einen Platz an der Tafel der Völker zu erobern. Der Wille des Volkes, sein natürliches Streben nach Befriedigung aller seiner kulturellen Bedürfnisse, sein Drang nach Freiheit und Gleichheit — das sind flammende Zeichen auf dem politischen Wege, den wir einzuschlagen haben. Dieser Weg muss von dem bisherigen abweichen. Nicht das Wohl einiger Individuen oder die Erhöhung ihres Glanzes, nicht eine erbärmliche Bettlerrolle in den Vorzimmern der anderen Völker oder der Regierung, sondern das Wohl unseres jüdischen Volkes, das Wohl unserer jüdischen Volksgenossen nach jeder Richtung muss uns als Endziel vorschweben. Wir müssen alle öffentlichen Fragen nicht vom Standpunkte des abstrakten „Gemeinwohles", denn es gibt kein Gemeinwohl, das vom Wrohl der einzelnen Bürger losgelöst wäre, sondern lediglich vom Standpunkte u ns e r e s Volkswohles betrachten; wir müssen es nachdrücklichst kundgeben, dass wir es endlich satt haben, um die Gunst der anderen Völker zu buhlen und die gehorsamen Kammerknechtc jeder Regierung zu sein. Wenn dies alles geschieht, dann hat auch die jüdische Politik ihre Probe bestanden. Wir sind schon auf dem Wege, nur müssen wir ihn uns selbst weiter bahnen. Es kommt dabei am allerwenigsten auf die Nomenklatur ain. Die einen nennen diese Politik jüdisch-national, die anderen jüdisch-volklich, andere gar, die für den nationalen Gedanken noch

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