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Neue Nationalzeitung · 1908-04-03 · Heft 14 (3.4.1908) · p. Seite 11

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 14 (3.4.1908)
Date
1908-04-03
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. U. Seite 11. Feuilleton. BRUNO LESSING : DanoschefsltY's Webling. (Aus dem Englischen übersetzt von Ida P o 11 a k.) (Fortsetzung.) Jamoschefsky kratzte sich lange und nachdenklich das Kinn und schüttelte dann traurig den Kopf. , Ja, ich glaub', Se hab'n recht. Wos kost' der Wagen?" „Ungefähr zehn Dollars." ..Zehn Dollars? Zehn Teufel! Glaub'n Se, ich bin ä Millionär? Warum nehmen Se kau Wagen um drei Dollars?" „Wos immer ich tu', Herr Janoschefsky, tu' ich nobel. Zehn Dollars für den Wagen oder kein Hofmachen für den Scheff. Damit basta!" Und so blieb Janoschefsky nichts anderes übrig, als schweren Herzens zehn Dollars aus seiner Kasse herauszuziehen — eine Operation, die ihn mehr schmerzte, als wenn er sich einen Zahn hätte ziehen lassen. Während Leibovi;;- und die Witwe Schifrin im Parke herumfuhren, hatte Janoschefsky eine zweite und noch peinlichere Auseinandersetzung mit seiner Tochter Eva. „W'rum glaubst de eigentlich, dass es so rückt iss, wenn ich noch ä Mal heirat'?" frag Eva sah ihn gross an. Dann fragte sie: . mir, wen willst Du heiraten?" Ihr Vater zögerte. Besser, dachte er, sie der Witwe versichern, als sich lächerlich m' falls seine Werbung verschmäht werden sollte. ,. mand' im besonderen," sagte er, „nur so im meinen". Eva lachte fröhlich. „Wenn du nur so im allgemeinen heiraten willst, Papa, dann ist ja alles gut und ich will auf der Hochzeit tamzen. Aber ich möchte keine andere Frau an Mama's Stelle sehen; du wärst auch übel daran." ..Aber du red'st so Vn Unsinn, Eva", wendete er ein. „Ich bin gar ka so alter Mann. Und wenn ich ä Frau mit viel Geld heirat' —" „So! Das ist 's ja gerade. Wenn du mir ieine Stiefmutter ins Haus bringst, kümmere ich mich nicht darum, wie viel Geld sie hat, ich will ihr 'das Leben so sauer wie möglich machen." Janoschefsky seufzte und begab sich in sein Lieblings-Cafe. Er liebte seine Tochter sehr, fürchtete sich aber auch vor ihr, denn Eva hatte Unendlich viel Verstand und einen sehr entschiedenen Charakter. Aber — nach dem dritten Glase — fühlte er, dass Eva unmöglich das Dilemma verstehen könne, in dem er sich befand, und er wollte sich auch nicht zu einer Erklärung herbeilassen — noch ein Glas — sondern er wollte ruhig ankündigen, dass er beabsichtige — noch eines — unbedingt zu heiraten — ein weiteres Glas — und zwar, wen ter wolle. „Also, wie steht 's?4 fragte er Leibovitz am nächsten Morgen. Der Angestellte kam, nebenbei bemerkt, beinahe eine Stunde zu spät. „Warten Se!" antwortete Leibovitz mit einem rätselhaften Lächeln. „Warten Se! Se hab'n nix and'res zu tun, als nix ze sag'n und zu warten." „Aber wos hat sie über mich gesagt? Hat se mich gern?" Leibovitz legte mit grosser Umständlichkeit seinen Rock ab und zündete sich eine Zigarre an, ehe er antwortete. „Na," sagte er langsam, ,,me kann nicht sag'n; dass se g'rad vernarrt iss in Sie, aber sie sagt, sie hat schon ärgere Männer geseh'n als Sie. Aber geb'n Se m'r Zeit. Geb'n Se m'r Zeit und alles wird noch in de schönste Ordnung kommen. Sag'n Se, war das Akzept bei der Wechselbank oder bei Schifrin selber zahlbar gemac ht?" „Ach Gott! Sc hab'n doch nicht mit ihr über den Wechsel gesprochen, was?" „Oh, nein." antwortete Leibovitz leich'hin. ..Ich hab' nur zu meiner eigen -n, persönlichen Inf >rma tion gefragt." „Dann geht es Sie nix an", antwortete >ein Chef. Leibovitz wendete sieh mit einem v.uidcrbaren Lächeln auf den Lippen seinen Büchern zu einem Lächeln, das den ganzen Tag und den ganzen nächsten und noch ein paar weitere Tage anhielt Jeden Morgen fragte ihn sein Chef, was für Fortschritte er in seiner stellvertretenden Werbung ge macht habe und Leibovitz berichtete langsam und »ärlich. Endlich verlor Janoschefsky die Geduld. ,,Nächste Woche iss der Wechsel fällig. Ich -h' heut' Abend zu ihr hin und will selber mit ihr d'n." „Nein, tun Se das nicht", rief Leibovitz in berztem Tone aus. „Alles war' ruiniert. Sie hat gesagt, sie hasst Männer, die eilen und sich eine Zeit nehmen." „Liegt m'r nix dr'an. Ich geh' selber, heut' Abend. Ich heirat' se oder ich heirat' se nix. Aber ich will wissen, wie ich d'r.tn bin." „Ich hab' geglaubt," sagte Leibovitz listig, „dass Sie eine Frau nicht wegen 'en Wechsel heiraten mechten." Janoschefsky runzelte die Stirn. „Do irren Se sich. Und ich glaub', dass Sie ä Narr sind •— und do hab' ich recht." Janoschefsky war entzückt, Eva nicht anwesend zu finden, als er am Nachmittag nach Hause Team. Er wollte sich mit ungewohnter Sorgfalt ankleiden und wünschte nicht, deshilb befragt zu werden. Er wählte die verführerischeste Kravatte, die er finden konnte. Eine halbe Stunde lang putzte er?\q< ken aus seinen Kleidern und bürstete seinen Zylinderhut mit unendlicher Sorgfalt. Finem Stiefelputzer bezahlte er sogar die doppelre Gebühr, weil er seine Schuhe so blank wichste, dass sie beinahe sein Gesicht wiederspiegelten. Dann begab er sich in das Haus der WTitwe Schifrin. „Sie ist ausgegangen", informierte ihn das Dienstmädchen. „Wohin?" „Ich weiss nicht, wohin. Sie ging mit Herrn Leibovitz fort, um zu heiraten." Ein ganzes Sonnensystem explodierte in Janoschefsky's Gehirn und flammende Welten und feurige Kometen erfüllten sein geistiges Universum.

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