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Neue Nationalzeitung · 1908-03-06 · Heft 10 (6.3.1908) · page 1

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 10 (6.3.1908)
Date
1908-03-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Das kopflose Ein Obmann wird gesucht. Ein Königreich für einen Obmann. Welch' verlockende Einladung! Und doch folgt niemand diesem Lockruf. Es hilft kein Bitten und kein Flehen. Weder ein 'Appell an persönliche Ambitionen, noch der Glanz einer Parteiführer-Rolle vermag die Vernunft selbst der Strebsamsten zu blende:?. Demi der Obmann hat auch Erbe zu sein; Erbe einer bankerotten Verla« senschaft. Die zionistische od?r, wie sie sich auch nennt, jüdisch-nationale Partei in Wien hat vollständig Bankerott gemacht. Sie ist aus Mangel an geistigem Vermögen zusammengebrochen. Ihr Geschäft ist ja nie gut gegangen. Sie hat viel Lärm geschlagen und Reklame gemacht; sie hat eine masslose Schuldenlast angehäuft durch die leichtfertigsten Verspre - chungen alle Bevölkerungsklassen; sie hat sich dem Erstbesten hingegeben, wenn er nur dafür bezahlt hat. Jene Kleinarbeit, jene rastlose Tätigkeit sowohl des Kaufmannes als jeder Partei, die darauf hinzielt, idas Vertrauen des Publikums zu gewinnen, wurde souverän ausser Acht gelassen; es fehlte jene Solidität der Taktik Und Klarheit der Grundsätze, die im öffentlichen Leben nun einmal Bürgschaften (des Erfolges sind. Die zionistische Idee hat in Wien bisher »die weiteren Bevölkerungsschichten nicht erobert; die national gesinnte Judenschaft in Wien ist über die Anfänge der Organisation noch nicht hinaus. Beide Richtungen weisen in Wien einen erschreckenden .Rückgang auf; che Scharen ihrer Anhänger lichten sich immer mehr und die noch vibr wenigen Jahren 'an der Spitze standen!, lehnen jede Verbindung mit der „Partei" ab (Doktor Kahn, Marpiorek). Wer noch an Ansehen oder Autorität etwas zu verlieren hat, schämt sich heute in Wien als Führer der Zionisten zu gelten. So erklärt es sich, dass kein Nachfolger für die Stelle des Herrn Dr. Schal it zu finden ist, da der zum Zwecke der Wahl für den i. März 1. J. einberufene Distriktstag resultatlos auseinanderging. jL^anclcsl<oniitc. Die Kahalmänner und Assimilanten mögen sich darüber freuen. Sie sind im Besitze der Macht, die Gemeinde und alle ihre Einrichtungen, Schule und Rabbinat, sind ilm 311 ausgeliefert. Die einzige Partei, die den Elatifund die Berechtigung hätte, jhre Stelle einzunehmen, ist ihnen nicht mehr gefährlich. Wer aber ein Freund des Zionismus und ein Anhänger der jüdisch-nationalen Volksbewegung ist, der wird diese traurige Wendung tief beklagen. Und er wird sich die Frage auferlegen: Darf es geduldet werden, dass in Wien einige politisch ganz unreife junge Leute, die weder in Bezug auf ideelle Gesinnung noch auf Reinheit ihrer Ziele irgendwie die Probe bestanden haben, die jüdische Volksidee monopolisieren, Anathemen verteilen, und wie politische Wegelagerer jeden überfallen, der nicht zu ihrer Gesellschaft gehört? Denn, wohlgemerkt, diese Leute haben einem Assimilanten noch nie weh getan. Sie haben alle Auswüchse assimilatorischer Kahalwirtschaften (die blutschänderische Eheschliessung) nur oberflächlich gestreift, oder aber (die Christenehe im Hause des Kultusvorsteher Rappaport) ganz totgeschwiegen. Das beweist, wie dieser Kampf gar nicht prinzipiell, gar nicht programatisch ist, dass es sich diesen paar Leuten nicht lim ihre "„Grundsätze", sondern um ihre — "Personellen handelt. Nicht denjenigen betrachten sie als Feind, der den Zionismus bekämpft oder den jüdischen Volkscharakter negiert, Sondern jwer ihnen entgegen tritt, wer den Mut hat, ihnen offen zu sagen, dass sie die schönsten Ideale des jüdischen Volkes in den Morast zerren, in dem sie stecken. Ich habe diesen Mut gehabt, und mein Pflichtbewfusstsejn hat mir ihn eingeflösst. Hatte 1 denn sonst diese Zeitung überhaupt einen; Zweck? ' Ist denn eine jüdische Zeitung nur dazu da, um Neuigkeiten und Unterhaltungslektüre zu servieren, um mit dem Strome zu schwimmen und „nirgends anzu-

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