Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1908)
- Date
- 1908-02-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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NSU5 WCiONAL-ZEiOJNG RERflUSG5B2R! Qrs.R.LANOlSU:: X. JÄHHGAfiG. WlEtf, 21. FeB^ÜÄt^ 1908. H*. 8. ©er GFOssFabbincF \^on f^an^reich. Von Prof. Dr. N. Slousch. (Paris.) Nach zwei Jahren der Unterbrechung tritt ein neues religiöses Oberhaupt an die Spitze der französischen Judenschaft. Allein die Machtbefugnisse desselben sind jetzt, im Zeitalter der Separation des Staates von der Kirche, nicht mehr dieselben wie im alten Regime. Einst waren die Rabbiner Funktionäre des Staates; der Kultus war eine Staatseinrichtung und der Grossrabbiner von Frankreich ein Vermittler zwischen dem Staat und dem Judentum. So haben die französischen Grossrabbiner _ bisher auch ihre Aufgabe aufgefasst. Die meisten, und in erster Linie der verstorbene Zadoc Kahn, haben zwar ihrer Aufgabe eine zweite, nicht minder wichtige hinzugefügt, indem sie das französische Judentum als einen Teil der gesamten Judenschaft aufgefasst und sich für alles Jüdische der ganzen Welt interessiert haben. Man weiss, welchen Anteil der verstorbene Zadoc Kahn an allen weltlichjüdischen Angelegenheiten genommen hat: sei es in Palästina, sei es betreffs der russischen und rumänischen Emigranten, sei es bezüglich der jüdischen Erziehung im Orient, jüdischer Kultur und Litteratur. Zadoc Kahn, ein Freund der jüdischen Massen, der russischen und rnmänisohen Juden, die sich in Paris niedergelassen haben, hat die grosse Bedeutung derselben für die Hebung des Judentums in Frankreich erfasst. Daher wird auch sein Andenken von Zehntausenden Juden, die nach Paris eingewandert sind und sich hier acolimatisierfc haben, stets gesegnet sein. Aliein die Separation hat dieser Aufgabe des Rabbiners als Vermittler zwischen Staat und Jaden- Alfred Levy Grossrabbiner von Frankreich, tum ein Ende gemacht. Sie hat ihm lediglich die Rolle eines geistlichen Oberhauptes, d. h. eines Vermittlers zwischen dem französischen Judentum und dem Weltjudentum, eines Bindegliedes zwischen den französischen und ausländischen Juden überlassen. Auf diesem Boden hat sich auch der Wahlkampf in Paris abgespielt. Man muss unseren Glaubensgenossen in Paris gerecht werden. Fast alle Intellektuellen, die Repräsentanten der Wohltätigkeit oder anderer jüdischer Institutionen haben es gut verstanden, dass es nicht angeht, das französische Judentum von der übrigen Welt zu trennen und dass die religiöse und historische Gemeinschaft ihre moralischen Kräfte aus der Solidarität und der Brüderlichkeit des Judentums schöpfen müsse. Diese hohen Repräsentanten des französischen Judentums waren darin einig mit den Empfindungen der jüdischen Massen. Tatsächlich haben sich zum ersten Male die russischen Juden als wichtiger Faktor im consistorialen Leben erwiesen. Hand in Hand mit den besten Repräsentanten des französischen Judentums sind sie für Israel LeVi, den Schwiegersohn Zadoc Kahns, eingetreten. Der vornehmste Repräsentant der jüdisohen Wissenschaft in Frankreich, Professor der rabbinischen Wissenschaften an der „Eoole des hautes etudes", mit einem weiten Blick auf die grossen Aufgaben des Judentums, war Israel Levi der geeignetste Kandidat der Intellektuellen und der dem Judentum vollständig ergebenen Massen. Allein mehrere sog. orthodoxe Gruppen unter den deutschen and elsässi-