Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 6 (7.2.1908)
- Date
- 1908-02-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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NQUC TONßL-ZEiCüNG JUDlSCRPOUClSCRg WOCRSNSCRRIFC rerausöbber: ors.R,LNNö«u:: x. jÄHHGÄno. WIEN, 7. FEBftUAH 1908- Tiv. 6. Jßin jüdischer fftirsorgedefein. Der moderne Antisemitismus bedient sich auch moderner Waffen. Das muss man ihm zugestehen. Die Fortschritte jv-on Wissenschaft und Technik stellt er sofort in seinen Dienst. Mit allen; Mitteln der Entstellung, Verdrehung und Verallgemeinerung zieht er daraus Schlüsse für seine niedrigen Zwecke. Auch die Statistik, d>e trockene, nüchterne Sprache der Ziffern, hat im Arsenal des Antisemitismus ihren unwürdigen Platz gefunden. Hier wird sie nach allen Regeln der antisemitischen Strategik prostituiert. Wo immer sich aus ihr auf die Moral, die Arbeitswilligkeit und die politische Betätigung der Juden auch nur im entferntesten Masse ungünstige Schlüsse ziehen lassen, wird sie gleich als Schild ergriffen, hinter welchem aus dem Verborgenen die giftigsten Pfeile gegen .die Juden gerichtet werden. Ein sehr ergiebiges Feld für diese Kampfes weise bildet für die Antisemiten die Kriminal - Statistik. Dieselbe ist in den meisten Staaten, darunter auch in Deutschland und Oesterreich konfes^ sionell gegliedert. Man erfährt also ganz genau, wieviel Personen die Juden zur Gesamtzahl der Verbrecher in einem Staate, und wieviel sie zu jeder einzelnen Deliktsart beitragen. Die Kriminalstatistik berechnet, wieviel von den Personen, die ein bestimmtes Delikt begangen haben, der einen, und wieviel der zweiten Konfession angehören. Sie gibt uns den Masstab zur Berechnung, weicher Verbrechensart die eine, welcher die andere Konfession mehr zuneigt. Es ist zwar sehr merkwürdig, dass es die österreichische Regierung, im Gegensatze zu Deutschland bisher nicht nötig gefunden hat, auch die Berufsstatistik konfessionell zu gliedern, damit das Interesse der einzelnen Konfessionen für bestimmte Berufe aufgeklärt, toder die Arbeitswilligkeit der einzelnen Konfessionen nachgewiesen, oder gar die Zugehörigkeit zu einzelnen sozialen Schichten nach der Konfession erwiesen werde. Die Regierung hat das lediglich der privaten Initiative überlassen. Dafür machen nun die Antisemiten von der Kriminalstatistik einen umso intensiveren Gebrauch undj jeder neue Band bringt uns alte Schlag wo rte und nette Verdächtigungen in den antisemitischen Blättern. Man kennt sie beide genau. Was ist von jüdischer Seite dagegen geschehen? . . . Man hat diese Kommentare bekämpft, man hat sie widerlegt. Man hat den Verbrechen aus Gewinnsucht, die auf jüdischer Seite überwiegen, das Verbrechen ,aus Brutalität auf der gegnerischen, entgegengestellt. Die Verbrechen aus Gewinnsucht, die auf jüdischer Seite überwiegen, wurden nicht als ein Ausfluss der Rasse oder Konfession, sondern der Berufstätigkeit, und zwar des Handels und Gewerbes hingestellt. Viel Geld und Arbeit wurde auf diesen Kampf vergeudet, der am Schreibtische geführt wurde, und der mit dem wirklichen Leben; nichts zu tun hatte. Es war lediglich ein; Kampf nach aussen, eine Abwehr, aber kein Kampf nach innen, im wirklichieii Volksinteresse. Während sich die jüdischen Wortführer darüber ereiferten, ob die Juden zu einem bestimmten Delikt i°o mehr ,oder weniger beistellen, fiel es ihnen, nicht einen Augenblick ein, zu erklären: „Unter den jüdischen Verbrechern, die auf unser Konto gehen, gibt es ja so viele Rückfällige. Tun wir etwas, um diese Rückfälligkeit zu verhindern, oder zu vermindern? Leisten wir etwas für diese Verbrecher, wenn sie ihre Strafe abgebüsst haben? Denn sie sind ja unsere Brüder, unser Fleisch und Blut! . . . So vermissen wir bisher jedes Interesse von berufener Seite, von Seiten jüdischer Gemeinden und der jüdischen Presse, für jene Ausgestossenen der Gesellschaft, von denen die meisten doch nur unglückliche Menschen sind, weil sie ihre Tat entweder aus Not oder aus angeerbter Degeneration begangen haben. Es beweist dies hoch mehr, dass den besitzenden Klassen innerhalb des Judentums,