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Neue Nationalzeitung · 1908-01-03 · Heft 1 (3.1.1908) · p. Seite 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 1 (3.1.1908)
Date
1908-01-03
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 ..Neue .National-Zeitiurg" Nr. 1 — So mache sie lieber nicht fertig! Chaim wurde wiederum wie von einer Nadel gestochen. — Ah, ah, Malke, was redest du * heute! Wenn ich nicht gleich fertig mache, wird die Apothekerin sich schlafen legen. — Mag sie schlafen gehen. — Und wer wird mich bezahlen, wenn sie schlafen geht? Aj, Malke, du redest heute sehr schlecht. Woher werden wir morgen Holz, Erdäpfeln, Brot nehmen, wenn sie schlafen gehen und mir nichts bezahlen wird? Und wenn sie heute nicht zahlt, wird sie vielleicht auch morgen dazu keine Lust haben, wie jene Frau von der Juwolskagasse, die weiss Gott wie lange warten liess, weil die Arbeit eine Woche später abgeliefert wurde. Der traurige, monotone Ton dieser Auseinandersetzung übte auf Malke einen gewissen Eindruck aus. Sie trocknete sich die nassen, roten Hände, schob einige Haarsträhne unter das locker gewordene Kopftuch und schwer seufzend, näherte sie sich dem Ofen. In dieser kleinen, zweifenstrigen Souterrainstube mit der niedrigen Decke voll Spinnweb, nahm der Ofen einen Ehrenplatz ein und ragte majestätisch in die Mitte hinein. Zwischen seiner Rückwand und der Wand der Wohnung befand sich ein schmaler, dunkler sackartiger Raum, die Äufbewahrungsstätte all dessen, was das Elend im Verein mit Raummangel und Unsauberkeit hervorbringt. Dort, auf einem Haufen Fetzen lag der schmächtige dreizehnjährige Leiser, der Miternährer der Familie. Im Zwielicht, auf den dunklen Hintergrund der Hadern, hob sich sein bleiches und längliches Gesicht undeutlich ab; es war dem Schattenriss des durch Nebel hindurchschimmernden Vollmondes nicht unähnlich. Die Mutter blieb, über ihn gebeugt, einen Moment stehen, als täte es ihr leid, ihn zu wecken, schliesslich rief sie ihn leise an. Bei diesem Flüstern schlug der Jungling die grossen, verwunderten Augen auf und erhob sich so schnell und ruhig als hätte er garnicht geschlafen. — Geh, der Vater ruft — fügte sie hiezu. Er warf sich einen langen Rock, der ihm in der Nacht als Decke diente, um und bald darauf sass er schon neben dem Vater, langsam und ununterbrochen seine langen Faden ausziehend, als sässe er hier schon seit frühmorgens. Chaim erteilte ihm Weisungen, sich aber bemühend, ihn dabei nicht anzublicken. Allmählich verstummte das Tagesgeräusch in der Stube. Die Kinder wurden eins nach dem andern, hinter den Ofen aufs Bett, auf den Fussboden, jedes auf seine Sehlafstätte getragen. (Fortsetzung folgt.) GEMGINJÖ5ünö VSReiNSNÄlfiRiWWW Wien. Der humanitäre Frauen verein „Krankenpflege" veranstaltet am 5. Jänner 1908 im Festsaale des Hotel Continental, II., Praterstrasse 7 eine Wo h 1tätigkeits-Akademie mit darauffolgendem Tanzkränzchen. Die Mitwirkung hervorragender Kunstkräfte ist bereits gesichert Das Reinerträgnis fliesst dem Fonde für arme Wöchnerinnen zu. Karten sind zu haben: bei sämtlichen Komiteemitgliedern und im Vereinslokale, II., Obere Donaustrasse 47 «Cafe Augartenbrücke). Ein Sammelwerk über die Juden in der österreichischen Armee. Mit dem Sammeln von Material für ein grösserrü Werk beschäftigt, welches den Anteil der jüdischen Soldaten an den hervorragenden Taten der österr.-ung. Armee erschöpfend darstellen soll, wäre ich für einschlägige Beiträge, Schilderungen selbst mitgemachter kriegerischer Affairen usw. recht dankbar. Ich lege spezielles Gewicht auf Vorfälle, an denen sich jüdische Offiziere und Soldaten des Mannschaftsstandes — welche in den vielen Feldzügen und Schlachten in den Reihen der österr -ungar. Armee mitgekämpft haben — mit besonderer Bravour beteiligten und hiefür mit Tapferkeitsmedaillen oder sonstigen Orden decoriert wurden. Das durch mich bereits gesammelte Material soll den Beweis liefern, dass die jüdischen Soldaten in sehr vielen Fällen Hervorragendes geleistet haben und wird dieses Buch den in manchen Kreisen eingewurzelten ' Begriffen von der angeblichen Minderwertigkeit jüdischen Soldatenmaterials die Spitze abbrechen. Seitens massgebender, an der Spitze der österreichischen Judenheit stehendenPersonen wird der bedeutende apologetische Wert dieser Arbeit auch richtig gewürdigt und die höchsten Militärbehörden bekunden für dieselbe, als erzieherisches Mittel* reges Interesse. Ich hege die Hoffnung, dass ich von allen Seiten der Monarchie mit genauem und erschöpfendem Material unterstützt werde und entrichte im Vorhinein jedem Einsender meinen ergebensten Dank. Hochachtungsvoll Moritz Frühling Wien, I., Sterngasse 2. Zeitsd)riften-Rundsd)au. Die Krisis in Amerika. Die „Jewish Gazette* in New-York bringt in ihrer letzten Nummer an leitender Stelle eine rührende Darstellung der Krisen, welche gegenwärtig der Wohltätigkeitsverband der grössten Stadt der Welt durchzumachen hat. Über die Ursachen dieser Krisis äußert sich das Blatt in nachstehender Weise: ^Obwohl die Krisis der jüdischen Wohltätigkeit mit der allgemeinen Finanzkrise gleichzeitig eingetroffen ist, so haben beide dennoch nichts gemeinsames. Die Ursachen der allgemeinen Krisis haben die jüdische Wohltätigkeit nicht in Verwirrung gebracht, und die Mittel, durch welche die Finanzkrisis geheilt wird, können die Krisis der Wohltätigkeit nicht beeinflussen. Die allgemeine Krisis kommt von der Tasche; die Wohltätigkeitskrisis kommt vom Herzen. Jener kann geholfen werden durch Geld und Kredit, dieser nur durch Geist und Liebe. Die allgemeine Krisis wird einige Leute reich und einige arm machen; unsere Krisis wird niemanden reich, uns alle aber ärmer an Mut, Hoffnung und Stolz machen. Die allgemeine Krisis ist nur finanzieller Natur; die unsere aber eine nationale, moralische und religiöse . . . Das jüdische Herz wird schwach; schwächer und schwächer wird das Band, die Liebe des einen Juden zum andern und gegenüber dem allgemeinen jüdischen Wohl .... Bei dieser Krisis handelt es sich nicht mehr darum, wie in diesem Jahre die Kassen zu füllen sind; es handelt sich um die Zukunft der jüdischen Wohltätigkeit in Amerika . . ." Briefkasten der Redaktion. R. S. in B. Die von Ihnen erwähnte Annonce war in unserem Blatte nicht enthalten. Die erwähnte Stiftung bringt anlässlich des Kaiser-Jubtläums 100 000 Kronen zur Verteilung, Gesuche sind zu richten bis 31. Jänner 1908. R. S. in Gaya. Zur Erzeung von Sodawasser benötigen Sie keine Konzession. Wohl aber müssen Sie bei der Bezirkshauptmannschaft wegen Genehmigung der Betriebsanlage einschreiten. (Hierüber ausführlich im § 25 der Gewerbeordnung.) Briefkasten der Administration. Auf mehrere Reklamationen. Wir haben iu der Nr. E4 ausdrücklich angegeben, dass die Nummer vom 27. Dezember wegen der mit den Weihnachtsfeiertagen verbundenen technischen Schwierigkeiten nicht erscheinen wird. A. K. in Sototwina. Sie haben lediglich das Abonnement für die Zeit vom 20 Oktober 1907 bis 2. Jänner 1908 mit den gesandten 3 Kronen bezahlt.

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