Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1908)
- Date
- 1908-01-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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NEUE tmONftL-ZBCüNG . jÜDISCRPOUCISCRS WOCRSNSC6R1FC R£«isusü5Be«: ors.^.LNN08u:: X. JAHRGANG. WIEN, 3. JÄNNER 1908. Nr. 1. König Oskar II. und sein jüdischer Seelsorger. (Von besonderer Seite.) Unser jüngst leider verstorbener König war nicht bloss ein Freund der Juden, sondern auch ein grosser Anhänger des Judentums. Sein Lieblingsthema bildete die Religionsfrage und der Mann, dem es vergönnt war, dem Monarchen in diesen Dingen als Berater und Vertrauensmann zur Seite zu stehen, war niemand anderer als unser Rabbiner, Professor Dr. Gottlieb Klein. Das Verhältnis, in dem der verblichene König zu Dr. K1 e i n stand, findet in der Gegenwart kaum seinesgleichen. Dr. Klein hielt im Schlosse vor dem König und einer Schär auservvählter Gäste Vorträge aus der Bibel und der jüdischen Geschichte; er hatte stets beim König unangemeldet Zutritt; seine Aufgabe war es, dem König von Fall zu Fall über die Fortschritte der Forschung auf theologischem und religionsphilosophischem Gebiete Bericht zu erstatten. Blieb Dr. Klein längere Zeit aus, so wurde er telephonisch aufs Schloss berufen. Nicht nur die Vorträge des Dr. K1 e i n, sondern auch seine wissenschaftlichen Arbeiten verfolgte König Oskar II. mit grossem Interesse. Er nahm die Widmung des Buches ..Schern Ha-Meforasch" (erschienen im Jahre 1892) an und beschäftigte sich eingehend mit einem andern Buche Dr. Kleins „Der Vater unser", worin der Verfasser den Nachweis Prof. Dr. führte, dass dieses Gebet den jü- Rabbiner von dischen Gebeten entnommen ist. Hiezu machte der König höchst eigenhändig seine Notizen. Als der König von einer amerikanischen Bibelgesellschaft eine prachtvoll gebundene kritische Bibelausgabe zum Geschenk erhielt, überliess er sie an Dr. Klein. Seine Wertschätzung für das Judentum übertrug der König auch auf dessen Anhänger. Die eingewanderten russischen Juden fanden in Schweden herzliche Gastfreundschaft. Der Wohlstand und die staatsbürgerlich gesicherte Stellung der 1700 schwedischen Juden können ihnen für ihre Zukunft als Vorbild dienen. Sie finden bei uns das einzige Land, in dem es keine — getauften Juden gibt. Wohl aber gibt es viele Mischehen. Durch die freundschaftlichen Beziehungen des Königs zu Dr. Klein haben überhaupt die Juden in Schweden an Ansehen gewonnen, jede der zahlreichen Auszeichnungen des Dr. Klein wurde von der öffentlichen Meinung als eine Auszeichnung der gesamten Judenschaft angesehen. Rabbiner Dr. Klein selbst stammt aus Ungarn. Dort wurde er im Jahre 1853 in Hamana geboren. Seine ersten Studien legte er an den Jeschiwahs von Grosswardein, Pressburg und Eisenstadt zurück, von wo er sich zu Geiger nach Berlin begab. Im Jahre 1883 erhielt er das Rabbinat in Stockholm. Er gewann bald die Gunst des Königs und dies erleichterte ihm seine Position gegenüber der eigenen Gemeinde. Heute ist er Ritter des Wasa- und Stern-Ordens und führt den Titel eines Professors. Wie wir vernehmen, wird Prof. Dr. G. Klein demnächst über den König eine Schrift veröffentlichen. Stockholm, den 25. Dezember. G. Klein Stockholm