Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 54 (20.12.1907)
- Date
- 1907-12-20
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 „Neue National-Zeituii g* Nr. 54 Roth: fbei Grünfeld) Vater . . Es ist nur Untersuchungshaft. Bald kömmt - Ihr wieder heraus/ gereinigt, in voller Unschuld. ' . J j •,? Grrünfeld: (mit dem Rücken gegen den Bürgermeister) Ich bin frei. Ich lass' mich nicht binden! Roth: Ich übernehme die Verteidigung . . . . Kann zu Euch kommen, so oft ich will . . . so oft Ihr wollt! . . . . Und die Grossmutter und Siegfried nehmen wir zu uns nach Posen. Bürgermeister: Ich bitte mir meine Pflicht nicht zu erschweren. R a b b in e r: Herr. Grrünfeld, fügen Sie sich in Gottes Willen. Gott hat; Sie ausersehen,;, dass fdiirch Ihr Leiden der Bahn von* Israel/genommenwird, dass durch Sie die Unschuld wird erwiesen und die Schuld von allen denen, die auf Israel Schande häufen wollen . . . Nichts geschieht ohne Gottes Willen — und manchmal straft.der Ewige, um zu erhöhen! Grünfeld: (geht erschüttert; zu Siegfried) Mein Kind, mein , liebes Siegfriedchen! (Siegfriedumklammert seine Knie. Er legt die Hand segnend auf seinen Kopf. Siegfried blickt .tränenvoll auf.) Lass' mich geh'n . . . Kuck' mich nicht so an, mein liebes Siegfriedchen! Mit der Stimme kannst Du mich nicht zurückhalten, aber Deine Augen sind viel stärker. (Er hebt ihn auf und küsst ihn auf beide Aus;en.) Jetzt hab' ich getrunken, salziges,, heiliges Wasser ... Nun werd' ich essen Bitternis . . . (Er geht zur Mutter, sinkt vor ihr nieder.) /Mutter.: (segnet ihn.) Gott segne und behiete Dich. Er lasse leuchten sein Antlitz zu Dir und geb' Der Gnade. Er wende sein Antlitz zu Dir und geb' Der Frieden. Rabbiner: Omen. * Grünfe<l*& erhebtt-sieb,, beugt sich über die Mutter; und küsst sie auf die Stirn. Er will etwas sagen, wendet sich ab und geht rasch hinaus. Zwei Gendarmen folgen ihm. Rabbiner: Ich gebe Ihnen das Geleit. (Er geht mit hinaus.) Jenny und M arku s. küssen die Mutter, Siegfried -jund Roth und folgen langsam unter Schluchzen. Der Bürgermeister, die Polizisten und Gendarmen gehen ihnen nach, — Roth will auch hinaus, bleibt jedoch nach einem Blick auf die Mutter. Mutter: (starrt auf die Tür. Plötzlich mit schwacher, aber eindringlicher Stimme) Schma Jisroel Adaunaj . . . Roth: (erschrocken) Grossmutter, was tust Du! Mutter: (unbeirrt) Elauheinu, adaunaj echod! Man hört, wie Grünfeld draussen mit Gejohle und Buten: „Hepp, hepp! Nieder mit den Mördern!" empfangen wird. Wiederum werden Stockschläge gegen den Laden geführt. Das Getümmel verliert sich. Mutter: (lauter, ihre Augen blicken schmerzlich ins Unendliche.) Schma Jisroel . . . Siegfried flüchtet zu ihr, birgt den Kopf in ihrem Schoss Roth: Hör' auf, Mutter! .... Wer denkt an Tod! Mutter: Adaunaj elauheinu ... Roth: Es wird sich alles zum Guten wenden. ... In ein paar Tagen — (Das Getümmel kommt wieder räber.) Mutter: (die Augen zum Himmel, inbrünstig) Adaunaj echod! .... Rufe drausssen: Nieder mit den Juden! Nieder mit den Mördern! Mutter: (mit lautem und festem Bekenntnis, als ob sie vor etwas Unabwendbarem stehe) Schma Jisroel . . . Die Tür wird aufgerissen. Herein stürzen mehrere Arbeiter und halbwüchsige Uurschen; ihnen drängen Frauen nach. Roth: (wirft sich ihnen entgegen) Was wollen Sie? Bedenken Sie doch — (Er wird von dem. ]kff^c^,eu, einem Riesenkerl, mit einem Knüttel in der JanS?* an1"d^e Mutter.; (mit Aufbietung aller Kraft, zum Himmef •empor) Adaunaj elauheinu ... i : J Der Arbeiter: Was schreit die alte Hex? Sie verwünscht uns! Roth: Nehmt doch Vernunft an! Mutter (versucht die Armö emporzuziehen) Adaunaj echod! Der Arbeiter: Sie will uns verhexen! Los auf sie! (er schwingt den Knüttel gegen die Mutter.) Sieg fr i e d (springt ihm entgegen, bewegt krampfhaft die Lippen und schreit plötzlich gellend): Mörder! Mörder! .; \ . Die Leute weichen scheu zurück. Furchtsames Gemurmel. Einzelne ängstliche Ausrufe : Eiiu Wunder •'!?■ Der S t u m m e b at g esp r o ch e n! Hier ist's nicht geheuerl' Ich/fürcht1 mich! . . Sie drängen langsam einer •'••den 'ai^rnvrü^wärts hinaus. '•': "- - .". : i Roth: (eilt freudig hinzu) Siegfried!. Siegfried! Du kannst sprechen! " < . . Siegfried hat die Hand der Grossmutter. genommen, stutzt erschrocken, lässt sie entsetzt fallen, Er will sprechen* vermag es nicht mehr. Er zeigt in höchster Angst auf die Mutter. ' . Roth (siebt hin, erschrickt, beugt sich über sie* horcht auf den Herzschlag, erhebt sich langsam; Er blickt die Mutter lange erschüttert an. Dann, mit;Tränen kämpfend) i Bring' zwei Lichter, Siegfried .<-;.... (Siegfried wirft sich (über die Mutter.) Notizen. Beilage. Der heutigen Nummer unseres Blattes liegt der Verlosungskalender per 1908, herausgegeben vom Bankhaus Eduard Urban, Brünn, bei. Derselbe enthält allerlei für Losbesitzer und Kapitalisten wichtige Daten und empfehlen wir daher unseren Lesern die Durchsicht dieses Büchleins umsomeh'r, als das Bankhaus Eduard Urban schon seit 39 Jahren ^esteht£'iiÖiöäST<stesstet«<heiJinht, seine» J4uiu3Äii.iiv»protnf>tester rittet solidester Weise zu bedienen.; B. Fett in Dembica hat einen „elektrischen Zentral- .Wecker mit Telefon-Zentral" erfunden, der in -amtlichen europäischen Staaten patentiert ist. Dieser Apparat wurde in Wien^ Rom, Paris und Lüttich mit der goldenen Medaille und Grand- Prix sowie in Olmütz mit der goldenen Medaille ausgezeichnet. Nur in Lemberg (Galizien) erhielt er die brorizene Medaille. Dies ist ein trauriger Beweis für das nicht loyale Vorgehen der polnischen Clique gegenüber einem Juden. Doch dürfte diese Aus-- Zeichnung Herrn Fett schwerlich etwas nützen. eingesendet lIBEgBBBM Briefkasten der Redaktion. Abonnent B. Sie wundern sich, dass wir den Brief dea Wiener Kultusvorstandes, gerichtet an den „hohen Lande6ausschuss", betreffend die gesetzwidrige Konkursausschreibung von Aerztestellen nicht publiziert haben. Wir erwidern Ihnen, dass uns, auf ausdrücklichen Befehl des Präsidenten Dr. Alfred Stern, die Abschrift dieses Briefes nicht zugestellt wurde! Die tiefe- Weisheit der Erlässe des Dr. Stern vermögen wir nicht zu ergründen. Aber es ist mit Sicherheit anzunehmen, dass Dr. Stern diesen Brief als Inserat ansah; diese erhalten bekanntlich nur die Herausgeber jener Blätter, die im Vorzimmer das Präsidiums geduldig auf den Ruf ihres „hochverehrten gnädigen Präsidenten"— so lautet die Ansprache — warten. Herr Bielohlawek wird sicher nicht daran gedacht haben, dass die Proteste gegen den Wand geschleudert, wo er von anderen festgeh^ten wj^fc^'^ ^Taufschein unter das Kapitel — Pauschalien fallen. 1^' # 'k %\ KW*)