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Neue Nationalzeitung · 1907-11-22 · Heft 50 (22.11.1907) · p. Seite 12

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 50 (22.11.1907)
Date
1907-11-22
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 Neue National-Zeitungv Nr. 50 Nur manchmal wird die Decke, mit der die Zeit die unheilbare Herzenswunde überspannen, plötzlich aufgerissen. --— „Wo ist dein Kindr" fragt sie eine innere Stimme, ,.wo treibt es sich heute herum? Dein eigenes Kind! Blut von deinem Blute---Fleisch von deinem Fleische"---Und ist ihr einmal dieser Gedanke in den Sinn gekommen, dann verfolgt er sie unablässig, wo sie steht, wo sie sitzt, wohin sie geht. Wer weiß, was mit dem Kinde geschehen ist — sagt sie sich selbst! Es ist vielleicht gestorben — es lebt vielleicht — möglich, daß sie es schon oft hat vorbeigehen gesehen und die Mutter erkennt nicht ihren Soliu und der Sohn seine eigene Mutter nicht. Ein Schauer erfaßt sie — es läuft ihr kalt überm Rücken, ihr Gesicht glüht feuerrot — — ihr Kopf brennt, ihre Nerven hämmern — — sie fällt in den Lehnstuhl zurück, wird leichenblaß und — ist ohnmächtig. In dem Momente öffnet sich die Tür, ihr Mann betritt das Zimmer und bleibt bei ihrem Anblicke stumm und starr stehen. Erst nach einigen Sekunden findet er Worte. „Was ist dir," ruft er, „meine Teure? Ist dir nicht gut?" Er eilt auf sie zu, umarmt sie, hebt sie auf seinen Schoß und küßt sie. G£MSiNÖ5=UNö VSRGLNSNÄUWiUWW Wien. Der Verband der israelitischen Religionslehrer in den österreichischen Mittelschulen hielt am 16. d. M. unter dem Vorsitze seines Obmannes, Rabbiners Dr. Feuchtwang, eine Ausschußsitzung ab. Tagesordnung: Vorbesprechung für die Generalversammlung. Dieselbe wird am 30. und 31. Dezember 1907 in der Religionsschule der Kultusgemeinde (1., Seitenstettengasse 2) abgehalten werden. Beginn: Montag, den 30.Dezember, um 10 Uhr, mit folgender Tagesordnung: 1. Erstattung des Rechenschaftsberichtes über die abgelaufene Funktionsperiode. 2. Kassabericht. 3. Wahl des Obmannes und des Schriftführers. 4. Wahl des Ausschusses. 5. Wahl der Revisoren. 6. Vortrag des Herrn Prof. Dr. Ad. Weiss: Hebräisch in der Mittelschule. Wien. Sonntag, den 24. November 1907, 1I!A2 Uhr vormittags, wird einem vielfach geäußerten Wunsche entsprechend, eine Führung durch das Jüdische Museum (II., Praterstrasse 23) stattfinden, wobei von fachkundiger Seite die wichtigsten Objekte beschrieben und erklärt werden sollen. Das Museum ist stets Samstag und Sonntag von 11—1 Uhr für den allgemeinen Besuch geöffnet, am ersteren Tage unentgeltlich, am letzteren Tage gegen Entree von 20 Heller. Prag. Der Verein der jüdischen Hochschüler »Bar Ko chb a« feiert am 18. Jänner 1908 das Fest seines 30semestrigen Bestandes. Da bei diesem Anlasse eine Zusammenkunft aller ehemaligen Mitglieder beabsichtigt wird, ersuchen wir hiemit alle Alten Herren und alle ehemaligen Bundesbrüder des Studentenvereines »Makkabäa«, des Vereines der jüdischen Hochschüler, sowie des Vereines der jüdischen Hochschüler »Bar Kochba« in Prag, ihre derzeitigen Adressen dem gefertigten Festausschusse in kürzester Zeit bekanntgeben zu wollen Der Festausschuß des Vereines »Bar Kochba« Prag, Elisabethstraße N. 6. Radautz. Ueber Einladung der jüdisch-akademischen Ferialvereinigung »Chermonia«,hielt Fräulein Auguste Wetzler, Mitglied des jüdisch-nationalen Frauen- und Mädchenvereines »Debora h« in Czernowitz im hiesigen Gemeinderatssaale vor einer gut besuchten Frauen- und Mädchenversammlung einen Agitationsvortrag, in welchem sie auf die Notwendigkeit einer Organisation der jüdischen Frauen und Mädchen hinwies. Durch ihren Vortrag gelang es der Referentin, die Versammelten zur Gründung eines jüdisch-nationalen Frauen- und Mädchenvereines unter dem Namen »Mirjam« anzuregen. Dank der eifrigen Tätigkeit des vorbereitenden Komitees wuchs in kurzem die Zahl der Mitglieder auf zirka 100. Die am 3. November abgehaltene Generalversammlung und die hierauf erfolgte Konstituierung ergab folgendes Resultat: Frau Sabine Ebner (Präsidentin), Frau Sabine Harth (Vizepräsidentin), Fräulein Bertha Rath (Schriftführerin), Frau Bertha Hirsch (Kassierin), Fräulein Josefine P r e ss e r (Haus- und Zeitungsverweserin), Frau Lessing und die Fräuleins Fritzi Schapira, Toni Terner, Mali Winter und Regine Goldschläger ohne Funktion. Der Ausschuß hat in seiner I.Sitzung den Beschluß gefaßt, einen hebräischen Kurs einzuführen und Vorträge über jüdische Geschichte zu halten. Zeitschriftenrundschau. Wie sah Barueh Spinoza aus? Diese Frage ist schwer zu beantworten, denn der große Amsterdamer Philosoph hat keinen Künstler gefunden, der seine Züge in einem lebenerfüllten Abbild festhielte. Immerhin gibt es ein paar Bilder, die man als verhältnismäßig authentisch ansprechen darf. Sie sind fast alle schwer zugänglich, aber desto interessanter ist es, drei von den vier besten Porträten in dem eben erschienenen Novemberheft von „Westermanns Monatsheften" wiedergegeben zu finden, so daß man sie miteinander vergleichen kann. Sie schmücken dort einen Aufsatz von Ernst Altkirch, in dem unter anderem auch die spärlichen Nachrichten der Zeitgenossen zur Schilderung von Spinozas äußerem Menschen verwendet werden. Spinoza besaß feine, regelmäßige Gesichtszüge und lebhafte dunkle Augen. Sein Aussehen zeigte, daß er von portugiesischen Juden abstammte. Er hatte eine dunkle Hautfarbe, schwarzes lockiges Haar und lange schwarze Augenbrauen. Am eindringlichsten veranschaulicht seine Züge aus der Zeit, da er an der Ethik schrieb, ein Miniaturbildnis, das sich im Besitz der Königin von Holland befindet und von der Hand Hendrik van der Spijcks herrührt, bei dem Spinoza längere Jahre bis zu seinem Tode wohnte. Es ist mit großer Liebe gemalt und nicht ohne Feinheit und Tiefe. Endlich wurde vor zwei Jahren in Amerika ein unbekanntes Spinoza-Porträt aufgefunden, das sich heute im Besitz eines Richters in Philadelphia befindet. Auch dieses Bild weist unverkennbar jüdische Gesichtszüge auf. Ueberraschen muß nur, daß bei diesem Bilde Haar und Augenbrauen von brauner Farbe sind. Das unendlich wehmütige und leidvolle Antlitz verrät, daß es aus einer Zeit stammt, in der Spinoza bereits schwer unter seiner Krankheit litt. Das Bild stammt aus dem Jahre 1672 oder 1673 und ist ein Werk Wallerant Vaillants, der ein in seiner Zeit geschätzter Bildnismaler war. Er hat auch den Kurfürsten von der Pfalz Karl Ludwig gemalt, der an Spinoza eine Einladung für eine Professur der Philosophie in Heidelberg ergehen ließ. Das Bild wurde wahrscheinlich für den Kurfürsten gemalt. Schiffs nackricliteii. Die Hamburg—Amerika-Linie meldet: Nordamerika : Dampfer Amerika, 14 November A Uhr nachmittags von New-York nach Plymouth, Cherbourg und Hamburg; Dampfer Badenia, nach Boston und Baltimore, 14. November 10 Uhr 15. Minuten morgens Cuxhaven passiert; Dampfer Dania, 14. November von Galveston nach Hamburg; Dampfer Kaiserin Auguste Victoria, nach New-York, 15. November 7 Uhr morgens Dover passiert; Dampfer Macedonia, 14. November 5 Uhr nachmittags von Philadelphia nach Hamburg; Dampfer Pretoria, 14. November 6 Uhr nachmittags in New-York. Westindien, Mexiko, Südamerika: Dampfer Galabria, von Westindien kommend, 14. November 5 Uhr morgens in Havre; Dampfer Fürst Bismarck, 13. November von Tampico nach Vera Cruz; Dampfer La Plata, 14. November in Cearä; Dampfer Novarra, nach dem La Plata, 14. November 6 Uhr nachmittags von Coruna; Dampfer Odenwald, 14. November in St. Thomas; Dampfer Prinz Oskar, 13 November von Buenos Aires nach Santos; Dampfer Rhaetia, von Mittelbrasilien kommend, 14. November 8 Uhr 5 Minuten abends auf der Elbe. Notizen. Die Staatslotterie, deren Ziehung am 19. Dezember stattfindet, ist diesmal besonders reich ausgestattet. Es werden Gewinste im Gesamtbetrage von 512.980 Kronen gezogen. Der Haupttreffer beträgt 200.000 Kronen, dann folgen Haupttreffer im Betrage von 40.000, 20.000, 10.000, 5000, 4000, ferner eine Anzahl Treffer von 2000 Kronen bis zu 10 KroDen, so daß die Gesamtzahl der Treffer 18.389 beträgt. Ein Los kostet vier Kronen. Lose sind erhältlich in allen Tabaktrafiken, Wechselstuben und Lottokollekturen.

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