Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 50 (22.11.1907)
- Date
- 1907-11-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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NSU5 MaONAL-ZEiOJNG IX. JAHRGANG. JUD&QfiPOUCiSCfig ors.R.LäNDAu:: WIEN, 22. NOVEMBER 1907. No. 50. J>r. I). PASMANIK. (Genf). Die Resultate der Dumaiuahlen in Rußland. Nun hat die Regierung ihre Duma. Ihre? So scheint es auf den ersten Blick. 195 Starkreaktionäre, 132 Scheinkonstitutionalisten, die bis jetzt nicht wissen, ob Rußland noch eine absolute Monarchie, Verfassungstaat oder konstitutionelle Autokratie sei, während alle echt oppositionellen Elemente nur durch kaum hundert Dumamitglieder vertreten sein werden. Also, eine feste Regierungsmehrheit in der Duma? Keineswegs. Denn die Reaktionären Rußlands sind wohl zu gebrauchen, um Judenpogrome zu veranstalten, aber nicht um einen Staat zu ordnen. Die Regierung, die doch mit den Staatsnotwendigkeiten rechnen muß, wird sehr oft mit den Scheinkonstitutionalisten (Oktobristen) gegen die Reaktionären arbeiten müssen. Es wird sich ja schließlich machen lassen, indem man der von den Reaktionären vertretenen Großgrundbesitzerklasse sichere Privilegien materieller Natur garantiert. Darüber wird schon jetzt verhandelt. Es ist gar kein Zweifel, daß die dritte Duma ziemlich lebensfähig und zwar von langer Dauer sein wird. Wenigstens ist es der Wunsch der Bureaukratie und der Hofkreise. Und ofien gestanden: Diese Duma ist der Ausdruck der realen sozialpolitischen Kräfte im Zarenreiche. Und wenn man behauptet, diese Wahlresultate seien nur durch den Gewaltakt vom 3. Juni (Abänderung des Wahlmodus) ermöglicht worden, so müssen wir bemerken, daß im politischen Leben jeder Gewaltakt, wenn er nicht sofort auf Widerstand stößt, eben ein Resultat gewisser Machtverhältnisse und selbst ein Machtfaktor ist. Die dritte Duma ist der Ausdruck des heutigen Rußlands und wir müssen mit ihr rechnen. Schlimmeres kann noch kommen, aber Besseres ist kaum zu erhoffen während langer Jahre. Die Opposition ist schwach und unfähig, einen regelmäßigen Kampf mit der absolutistischen Bureaukratie aufzunehmen, weder jetzt, noch in der nächsten Zukunft. Das ist das Resultat der letzten Dumawahlen in Bezug auf ganz Rußland. Es wird weiter fortgewurstelt mit liberalen Gesetzen und mit administrativer Willkür, mit Sozialisten in der Duma und Spitzeln auf den Straßen, kurz, mit der konstitutionellen Selbstherrschaft, oder der automatischen Verfassung. Zwitterding einer Uebergangsperiode, die leider sehr, sehr lange dauern wird. Wir mußten auf die allgemeinen Resultate der Dumawahlen hinweisen, damit wir besser die uns hier interessierende Frage beantworten können: Was bringen diese Wahlen den Juden, was wird dabei für die Juden herauskommen? Nichts, aber absolut nichts, nicht einmal Scheinreformen. Die Juden haben an den Wahlen teilgenommen mit Ausnahme derjenigen Gegenden, wo im Vorhinein jegliche Aussicht nicht bloß auf einen jüdischen, sondern nur auf einen liberalen Sieg ausgeschlossen war. Und das Resultat ist, wie ich vor einigen Wochen auf demselben Platz vorausgesagt habe. Ein, zwei Juden sind zufälligerweise durchgeschlüpft. Juden ohne Namen, ohne Einfluß, ohne Kraft. Mein lieber Gott, wie viel Selbstaufopferung mußten die Juden besitzen, um unter den gegebenen Verhältnissen zu kämpfen! Wo nur ein Schimmer von Hoffnung war, haben die Juden den Wahlkampf mitgemacht. Und dabei haben sich die Juden auch den Luxus des Parteikampfes erlaubt, als ob wirklich um was zu streiten war. Merken Sie, mit ganz wenigen Ausnahmen sind im ganzen Ansiedelungsi ayon die allerreaktionärsten Elemente gewählt worden! Es war also nicht viel zu gewinnen, denn dieses Resultat war leicht vorauszusehen. Und trotzdem ein so heftiger Kampf unter den Juden! Warum? Es war ein Kampf nicht um reale Resultate, sondern ein Kampf ideeller Strömungen, und zwar der assimilatorischen und der nationalen Elemente innerhalb des Judentums selbst. Einerseits die Assimilatoren bürgerlicher und proletarischer Elemente, andererseits die Zionisten und die reinen Nationalisten. Nirgends wurde innerhalb des Judentums auf dem Boden der Klassengegensätze gekämpft. Die Bundisten z. B. haben nicht auf die