Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 49 (15.11.1907)
- Date
- 1907-11-15
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile :2. .<>-ue »,u«uHal-ÄCiiUIie-' Nr. 49. Selbstverständlich verstand Herr Windbeutel an geeignetem Orte für die Assimilation zu schwärmen und war nebenbei, wenn Zeit und Ort es erheischten, auch Zionist. Und noch welch ein Zionist! Er war der Zionismus selber, er war die Seele, die Bewegung, der Schöpfer derselben. Und Freund Herzl, wie kam er zum Zionismus? Er habe ihm alles fertig in die Hand gegeben und ihm gesagt: „Da hast du es fertig, jetzt handle!" Er hätte das alles nicht erzählt, aber seinen Freunden gegenüber habe er keine Geheimnisse. Man möge es auch nicht weiter bringen, denn Herzl sei ja sein bester Freund und wie sagt nur unser Schiller: „Freund bleibt Freund!" Und weil unser Schiller es sagt und Herzl doch unser Freund ist, war Herr Windbeutel darauf bedacht, bei einem großen Kongreß, bei dem einige hundert Delegierte sich einfanden, jedem derselben zwei, drei Sechser abzuverlangen, um an die Zentralleitung eine Depesche zu richten. Auch von S., der mit unter den Delegierten war. forderte er eine Beisteuer. „Da wäre ich doch auf Ihre Depesche neugierig", sagte ihm dieser. „Und warum denn?" fragte er. „Weil nach der Geldsammlung zu schließen", meinte jener, „müßte die Depesche zum mindesten einige Druckbogen stark sein und wer wäre da nicht neugierig, eine so voluminöse Depesche zu sehen?" Alle Umstehenden lachten laut auf. „Von Ihnen bekommt man aber immer etwas Witziges zu hören", lachte Herr Windbeutel mit, als ob das ihn gar nicht angehen würde und wendete sich ab, um die Sammlung fortzusetzen. Nicht mehr mit einer solchen Gleichgiltigkeit vermochte er auch den zweiten Streich zu ertragen, den S. noch bei derselben Versammlung gegen ihn führte, und durch den er zum Gespötte aller Anwesenden wurde. Als nämlich kaum der Kongreß eröffnet wurde, meldete sich Herr Windbeutel, wie es immer seine Art war, zum Wort: „Unser Freund Goethe", begann er, „sagt: Alle Menschen haben gleiche Rechte". Wir haben also gleich allen anderen hier wohnenden Völkern ein Recht darauf, von der Regierung zu verlangen, daß sie landesgesetzlich anordne, daß man bei allen Gerichten, Aemtern und Behörden Eingaben und Bittschriften ebenso in der hebräischen, wie in der Landessprache entgegennehme. Wir sind es unserem nationalen Bewußtsein schuldig, das zu fordern. Ganz gewiß wird die Regierung, die ja ein für allemal die Gleichberechtigung zum Gesetz erhoben hat, unserem billigen Verlangen Rechnung tragen, denn auch sie wird sich zweifelsohne die goldenen Worte unseres Freundes Goethe vor Augen halten: Alle Menschen haben gleiche Rechte!" Kaum daß er geredet, meldete sich sofort Herr G. zum Worte und begann: „Mein Herr Vorredner hat, kraft des Ausspruches unseres Freundes Goethe, ein von uns allen tiefgefühltes Bedürfnis hier zum Ausdruck gebracht. Natürlich müssen alle Staatsämter dazu angehalten werden, unsere Eingaben und Bittschriften auch in hebräischer Sprache entgegenzunehmen, aber ich gehe in meinem Antrage noch viel weiter: Die Regierung solle die ganze Landesbevölkerung: Beamte, Handelsleute, Restaurateure, Kommis, Straßenkehrer, schon gar nicht zu sprechen von unseren Bediensteten, die unser Brot essen, kurz alle unsere christlichen Mitbürger verpflichten, daß sie über uüser Verlangen mit uns hebräisch sprechen, denn warum lernen wir ihre Sprache? Sie sollen dazu angehalten werden, auch unsere Sprache zu erlernen. Freilich wollen wir auch Nachsicht üben und ihnen einen Zeitraum von zwei Jahren gewähren, innerhalb welchem sie unsere Sprache zu erlernen haben. Wir Juden sind keine Terroristen. Inzwischen aber geht mein Antrag dahin, daß wir mit uns selber den Anfang machen, indem wir die Protokolle unserer jetzigen Sitzung hebräisch führen, und zu diesem Zwecke ernennen wir unseren Herrn Windbeutel zum Schriftführer!" Die ganze Versammlung entlud sich, als er geendet, in ein schallendes, minutenlang anhaltendes Gelächter, denn keinem von ihnen war es ein Geheimnis, daß Herr Windbeutel kaum über das hebräische Alphabet hinaus war. Diesmal aber vermochte er es nicht länger in sich zu halten. Krebsrot im Gesichte, sprang er empor, riß Papier und Bleistift aus der Brusttasche und donnerte der ganzen Versammlung zu: „Ich werde euch aber bei meinem Freunde in der Zeitung einen Denkzettel schreiben, daß ihr es wisset, mit wem ihr angebunden habet!" Der angedrohte Denkzettel aber hat bis jetzt noch nicht das Licht der Welt erblickt, denn, wie sagt nur unser Freund Goethe: „Wer nicht schreiben kann, der schreibt nicht!" GgMSiNöS=uwö VSR5kNiNMftRiU«W Stryj. Am 22. Oktober 1907 fand die Generalversammlung des hier neugegründeten Vereines jüdischer Hochschüler »Emunah« statt. In den Ausschuß wurden gewählt: Dr. M. Schiff, Präses; J. Moldauer, cand. juris., Vizepräses; D. Eckstein cand. juris., Schriftführer; M. Körner cand juris., Kassiei; M. Roth bäum, Hörer der Rechte, und F. Becher, Hörer der Rechte, Bibliothekare. Zeitschriftenrundschau. Am 1. Dezember erscheint in New-York eine neue jüdische Zeitschrift „Sabbath-School Journal" (Zeitschrift der Sabbath- Schulen). Als Chefredakteur fungiert Dr. George A. K o h u t, ein bekannter Schriftsteller, dem ein ganzer Stab von Mitarbeitern zur Seite steht. Da die Zeitschrift sowohl vom Verbände der »American Hebrew Congregations«, als auch von der »Zentralkonferenz der amerikanischen Rabbiner« unterstützt wird, so ist ihr Bestand gesichert. Briefkasten der Redaktion. Auf mehrere Anfragen. Unser Herausgeber steht dem Vereine »Esrath Israel« und dessen Veranstaltungen vollkommen ferne. Es hätte Ihnen ja auch auffallen müssen, daß die Unterschrift »Dr. Landau« keinen Vornamen enthält. X. Y. Wollen Sie sich noch gedulden. Wir können Ihnen unsere Entscheidung noch nicht mitteilen, da der Aufsatz umgearbeitet werden muß. Dr. W. Sie sind nicht der Einzige, der in dieser Frage mit uns übereinstimmt. Man dient damit noch nicht den Juden, wenn man unbedingt alles billigt, was der »Jüdische Klub« — nicht tut. Zionist. Die Wiener Kultusgemeinde gestattet die Beisetzung von Urnen mit der Asche Verstorbener auf den jüdischen Friedhöfen. eingesendet. IM J***