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Neue Nationalzeitung · 1907-11-01 · Heft 47 (1.11.1907) · page 1

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 47 (1.11.1907)
Date
1907-11-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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NEUE NKIMML-ZEIDUN e w\ jQDiäCRPOUCISCRg WOCRSNSCRRIFC RSRftusssBBR: ors.R.LNNONü:: IX. JAHRGANG. WIEN. 1. NOVEMBER 1907. No. 47. Beim Ulinisferpräsidenfen, Die Einladung, die der Ministerpräsident vorige Woche an die Mitglieder des jüdischen Klubs ergehen Hess, war keine Ueberraschung. Sie wurde bereits im Sommer dem Obmann des Klubs für die nächste Zeit in Aussicht gestellt. Diesmal wurde der Ministerpräsident allerdings gedrängt. Die Mitglieder des jüdischen Klubs waren so frei, den Dringlichkeitsantrag des Abg. Breiter, der die Chikanen der galizischen Verwaltungsbehörden gegenüber der Bevölkerung zum Gegenstande hatte, mitzufertigen. Durch diesen Antrag wurde die erste Lesung der Ausgleichsvorlagen verrammelt, und so blieb dem Ministerpräsidenten nichts anderes übrig, als im Wege persönlicher Rücksprache die jüdischnationalen Abgeordneten um Rückstellung dieses Antrages zu bitten. Bei dieser Gelegenheit fragte sie der Ministerpräsident auch nach ihren Wünschen. Mein Gott! Die Wünsche der jüdischen Bevölkerung! Eine Elefantenhaut würde nicht hinreichen, sie daraufzuschreiben. Was sollte die jüdische Bevölkerung eigentlich nicht wünschen? Politisch und sozial, wirtschaftlich und kulturell werden die Massen der jüdischen Bevölkerung von staatswegen stiefmütterlich behandelt wie kein anderes Volk in Oesterreich. Nicht einmal einen Namen besitzen sie. Namenlos, unter falscher Flagge, mit erborgter Maske, führen sie ein politisches Scheinleben. Weder ihre historische Vergangenheit, noch die Bedürfnisse des politischen Lebens weisen ihnen den Platz in der Reihe der österreichischen Völker an; lediglich Strebertum und Opportunismus ihrer Machthaber sind entscheidend für ihre nationale Nomenklatur. Das jüdische Volk in Oesterreich muss sich erst seinen Namen erl.ämpfen. Es muss zuerst all jene Fälscher Stückchen zunichte machen, durch welche es künstlich anderen Volksorganismen angeheftet wird. Erst wenn diese Vorbedingung erfüllt ist, erst wenn von staatswegen trotz aller Heuchelei selbsternannte jüdische »Führer« und deren arischer Lakaien die nationale Existenz des jüdischen Volkes anerkannt wird, ist auch die Möglichkeit gegeben, alle anderen Wünsche zu erfüllen. Diesen Kampf auszufechten, ist im Parlamente der jüdische Klub berufen. Fürwahr keine leichte Aufgabe! Und ich fürchte manchmal, dass die vier Männer, auf deren Schultern die Last liegt, unter ihr zusammenbrechen können. In einer Broschüre, die soeben der Abgeordnete Dr. Heinrich Gabel veröffentlicht, wird über die Arbeit des jüdischen Klubs berichtet. Es werden darin die Interpellationen des jüdischen Klubs aufgezählt und die Reden wiedergegeben, die Abg. Stand anlässlich der Debatte über die galizischen Wahlmissbräuche gehalten hat. Es ist aber sehr wenig, was der Klub an Tätigkeit aufweist. Wir können dies nur damit erklären, dass die kurze Sommersession und der Mangel an parlamentarischer Routine einer intensiveren Betätigung im Wege standen. Wir erwarten aber diese jetzt Schon die Tatsache, dass der Ministerpräsident an die vier Mitglieder des jüdischen Klubs herantritt, damit sie ihm die Wünsche der jüdischen Bevölkerung bekanntgeben, ist von historischer Bedeutung. In der Legislaturperiode 1885—1891 zählte das Parlament fünfzehn und in der Legislaturperiode 1891—1897 vierzehn jüdische Mitglieder. Nie ist aber einem Ministerpräsidenten eingefallen, nach den Wünschen und Bedürfnissen der jüdischen Bevölkerung zu fragen. Er durfte ja ganz unbesorgt sein: zerstreut in den verschiedenen Klubs als Polen, Czechen, Deutsche und Italiener mosaischer Konfession waren diese auchjüdischen Abgeordneten bemüht, ihre Zugehörigkeit

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