Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 44 (10.10.1907)
- Date
- 1907-10-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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NACiONAL-ZEiCüNG mPlf0^*m 'wy/fpr/ jp yj%a#vä i JÜD&CRP0UCISCR5 WOCRENSCRRIFC RGLRfiUSQBBER! OrS.R.LNNOAU:! IX. JAHRGANG. WIEN, 10. OKTOBER 1907. No. 44. Brennende Fragen. (Zur Parlamentseröffnung.) (Schluß.) Die Tätigkeit des jüdischen Klubs ist vorerst nicht blos auf die Juden Galiziens und der Bukowina beschränkt. Mögen auch seine Mitglieder ihre Mandate lediglich den Juden dieser beiden Länder verdanken, so umfaßt die Wirksamkeit des Klubs doch die Judenschaft aller im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder. Die jüdischnationalen Abgeordneten sind die einzigen, die die Pflicht und den Mut haben, offen und rückhaltslos ohne Einschränkung und ohne Seitenblick für die Rechte der gesamten österreichischen Judenschaft einzutreten. Die westösterreichischen Juden werden und müssen zur Ueberzeugung gelangen, daß sie in Fragen ihrer staatsbürgerlichen Stellung nicht bei den sozialdemokratischen und nicht bei den polnischen oder deutschen Abgeordneten „mosaischer Konfession", sondern lediglich bei den Abgeordneten der nationalen Juden Rückhalt und Unterstützung, Schutz' und Verteidigung finden. Der jüdische Klub ist das einzige Palladium für die Rechte und Freiheiten des jüdischen Volkes in Oesterreich. Als das erste Postulat, welches für die gesamte österreichische Judenschaft von brennender Bedeutung ist, muß noch immer die Frage der Gleichberechtigung der jüdischen Staatsbürger angesehen werden. Die grundsätzliche Ausschließung der Juden vom Generalstabe, von der Intendanz, vom Auditoriat, von der Staatsanwaltschaft, ja seit dem letzten Jahre sogar vom militärärztlichen Korps und von der Wiener Polizeidfrektion ist ein brennender Schimpf, der sowohl den Westals auch den Ostjuden trifft. Die obersten Militär- und Verwaltungsbehörden machen keinen Unterschied, ob der Vater des Kandidaten ein sozialdemokratischer oder jungczechischer, ein deutschliberaler oder jüdischnationaler Wähler ist. Ob der Kandidat am Franz Josephs-Gymnasium in Wien oder am Gymnasium in Brody das Maturitätsexamen bestanden hat, ist ihnen gleichgiltig. Der Jude wird ausgeschlossen. Gegen diese Ausnahmsstellung der Juden, die einen Bruch der von den Ministern beschworenen Verfassung bildet, in energischer Weise anzukämpfen, wird eine der schönsten und wirkungsvollsten Aufgaben des Klubs sein. Er wird damit auch beweisen, daß es für jüdische Wähler der ganzen Monarchie nur eine Alternative gibt: entweder ganze Christen oder ganze Juden zu wählen; daß aber jene strebsamen Auchjuden, die sich eine schwarz-rot-goldene Kokarde an die Brust oder eine Konfederatka auf den Kopf stecken, nur komische Personen sind: ein Greuel für die wahren Christen und die wahren Juden. An diesen Kampf für die Verwirklichung der Staatsgrundgesetze muß sich unmittelbar das Verlangen nach Anerkennung der Juden als Nationalität anschließen. Als im Parlamente zum erstenmal aus dem Munde des Führers der Ruthenen, Prof. Romanczuk, das Wort von der Anerkennung der jüdischen Nationalität fiel, da war es der Sozialdemokrat Daszynski, der in seinem polnisch-nationalen Wahn voll Hohn ausrief: Was will man denn? Etwa Jargongymnasien? Es sind erst einige Monate seit dieser Zeit verstrichen. Aber wie haben sich inzwischen die Zeiten geändert? Derselbe Daszynski hat auf dem Lemberger Parteitage der jüdischen Sektion der Anerkennung der jüdischen Nationalität zugestimmt, weil er sonst eine