Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 38 (30.8.1907)
- Date
- 1907-08-30
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2425679-2425680-2425705--0336-2426611- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- İzmir 1× ep/1047963
OCR text
Seite 12 »Neue Nattonal-Zeitung« Nr-■•38 Zelte erblickt man die Spitze eines Grabsteines, diese schaut stumm zu, wie das Wasser rinnt . . . Der Grabstein seines Vaters . . . Dort am Grabhügel des Vaters ist ein Stückchen Erde umzäunt, schon das Grab für ihn, beim Grabe seines Vaters vorbereitet. Der Alte blickt weit in die Ferne. Das Wasser eilt fort. Hier am Ufer wird er ruhen, in dieser Erde, immerfort. Sein Grabstein wird hier stehen, ins Wasser schauen und das Wasser wird weit, weit wegfließen, immerfort ... „Mein Kind/' sagt der Alte, sich von seinem Platze erhebend, „du bist jung, kannst noch alles mit deinen Augen schauen . . . ich, mein Kind, bin schon alt, das Grab winkt mir schon zu, es ist vorbei, ich muß mich schon mit der Hoffnung der Auferstehung begnügen!" „Alte, tote Seelen, in der Wüste werdet Ihr fallen," murrt leise der Jüngling, „das junge Gesclüecht wird nach Palästina kommen!" Der Alte nickt zuversichtlich mit dem Kopfe, als ob er sagen wollte: „So ist's mein Kind, so ist's!■• Und all die Begebnisse seiner Kindheit, seiner Jugend ziehen vor seinen Augen hin, all seine Erinnerungen sind eng mit diesem Wasser verknüpft. Als Knabe, im Sommer — der Eebbe entläßt früher als sonst aus dem Cheder (hebräische Schule).. gegen Abend schlendert man zum Wasser hin; es steht ein kleiner Nachen dort, er springt hinauf, stößt ihn vom Ufer... eine Zeitlang später ist er schon verheiratet, wohnt bei seinen Schwiegereltern, — er spazieret am Ufer, es ist Herbst, alles ist so traurig, das Laub fällt von den Bäumen, das Ufer ist feucht, der Fluß strömt brummend und grollend dahin ... er schlendert das Ufer entlang . . . denkt an seine Zukunft, an Erwerb . . . das Wasser klopft ans Ufer . . . und dort weiter eilt eine Welle daher und schwimmt weit hinweg. „Hart war die Erde," erzählt weiter der Enkel, „achtzehnhundert Jahre, daß man sie nicht bearbeitet hatte, achtzehnhundert Jahre hat unsere Mutter auf ihre Kinder gewartet, auf ihre Kinder in der Gefangenschaft .... Andere Völker wollten von ihr Besitz ergreifen, ihre Erde bearbeiten, allein sie wollte ihre Früchte, ihr Blut nicht an Fremde geben, öde und wüst wollte sie sein bis zur Rückkehr ihrer Ender . . . und ihre Kinder sind zu ihr zurückgekommen. Mit dem Schweiße ihrer Gesichter, mit dem Blute ihres Herzens haben sie die Erde getränkt,. . . jetzt haben wir schon in Zion einundzwanzig Dörfer, es sind unsere Brüder, die dort die Erde bearbeiten." Der Alte sitzt und horcht. „Zion" wie es in der Bibel heißt, dort steht ein Jude und pflügt die Erde und dort in Jerusalem steht der heilige Tempel, unser Tempel steht noch, eine Wand ist von ihm geblieben, die einzige vom Tempel noch gebliebene Wand. „Kosel Maruwe" da sind die Bäume.... und da ist der Berg, der Berg „Habajes" auf welchem unser Erzvater Jakob genachtet und vor ihm der Ewige erschienen ist, wie es in unserer heiligen Bibel steht. Dort standen Juden und brachten ihre Opfer dar. In großen Scharen aus weiter Ferne kamen sie hergezogen, um ihre Festtage hier zu feiern, und dichter Staub ward in den Straßen von Jerusalem, mit Opfern reich beladen kamen sie die Pilger alle . . . und da steht noch eine Wand, ich sehe sie mit meinen Augen, nur noch eine Wand von unserem heiligen Tempel! Und an diese Wand gelehnt stehen Juden und beten und weinen und flehen zu Gott, zum Allmächtigen . . ." „Weh, weh, wenigstens eine Schaufel heiliger Erde in mein Grab mitzunehmen." Der Alte sitzt auf dem Balken, schaut ins Wasser, das vorbeifließt, in der Ferne sieht er die Holzbrücke, die über den Fluß gelegt ist, auf der anderen Seite führt eine Straße weit weg nach dem Dorfe Lankenschein. Dort wohnt der alte Puriz (Großgrundbesitzer), bei dem er jedes Jahr die Schafwolle zu kaufen pflegt.. Fährt man dort die Straße hinunter, so übersieht man das ganze Städtchen. Dieses liegt auf dem Berge und schaut über den Fluß herüber. Und er hört, wie der Enkel mit leiser Stimme zu erzählen fortfährt: „Unsere heilige Erde, siehst du, Großpapa, sie wird neu erblühen, unsere Brüder bearbeiten sie mit ihrem Schweiße, mit ihrem Blute." Der Alte blickt auf das Ufer — eine Welle klopft an die Steine. _ Priuate Mitteilungen. Grosse Israelitische Vergnügungsreise nach Palästina, Syrien, Aegypten, Griechenland und Konstantinopel. Die vom Reisebnreau „Tabor" A. Grajewsky & Comp, in Jerusalem im Herbst 1. J. veranstaltete Vergnügungsreise nach dem Oriea t findet starken Anklang in allen Schichten des Judentums; es ist bereits aus Deutschland, Oesterreich-Ungarn, Holland, Dänemark und Rußland, eine solche Anzahl von fixen Anmeldungen zur Reise eingetroffen, welche das Stattfinden der Reise sichert Die Reise wird demzufolge am bestimmten Datum ab Wien und Budapest anfangen. Herr A. Giajewsky, Direktor des Reisebureaus „Tabor", fahrt am 16. September von Jerusalem nach Konstantinopel ah, um dort die letzten Arrangements auf dem ihn dort erwartenden Dampfer zu treffen, von wo aus er sich nach Budapest, Hotel Royal begibt, um daselbst die Teilnehmer zu erwarten. Diejenigen, welche die Absicht haben, sich an dieser Reise zu beteiligen, werden gut tan, ihre Anmeldungen zur Reise derart einzuschicken, daß dieselben in Jerusalem noch vor der Abfahrt Herrn Grajewskys dort eintreffen. Die Reise nimmt, ab Wien und Budapest, am 15. Oktober ihren Anfang und dauert . 28 Tage, von welchen 3 Tage in Konstantinopel, 1 Tag in Smyrna und ßhodus, 15 Tage in Syrien und Palästina, 2 Tage in Aegypten und 1 Tag in Piräus (Athen) zugebracht werden. Prospekte und nähere Auskünfte erteilt das Reisebureau „Tabor" A. Grajewsky u. Comp, in Jerusalem, Palästina. eingesendet. Erste Wiener Teppich-Leih- und Verkaufs-Anstalt ü^"" neu eröffnet ~^ft Wien, I., Krugerstraße Nr. 13. Es gelangen zum Verkaufe: Wirtschaftsteppiche, 200/300 ........von fl. 4.25 aufwärts Persia, 200/300 ............. 6.50 „ Brüsseler Ia, 200/300 ...........„ „12.— „ Tapestrie, Schafwolle, 200/300 ........, 16 — „ Veloursplüsch, 200/300 ..........„ „ 17.— Laufteppiche in allen Breiten.......„ „ - .18 „ Bettvorleger...............n B —.45 B "Wandteppiche..............„ n 1,50 a Spitzenvorhänge per Fenster........r „ 1.80 Tüllstores mit Applikation.........„ „ 4.— „ Portieren................B 1.20 „ Tnchvorhänge, gestickt..........„ 12.— „ Plüschtischdecke, gestickt........„ „ 7.50 „ Tuchtischdecke..............B „ 5.50 „ Garnitur: 2 Bett-, 1 Tischdecke......„ „ 3.50 „ Diwanüberwurf..............n B 6.50 » Flanelldecken . . .......;..... „ —.95 n Steppdecken...............n n 2.50 „ Perser Ueberwürfe garantiart echt .....„„ 2b.~ „ Perser Verbindungsteppiche........„ „ 15— „ Enormes Lager echter Peiserteppicbe. — Durch Ankauf einer großen Post echter Perser direkt aus dem Orient, noch alt verzollt, ist die Anstalt in der Lage, billiger als jedes andere Unternehmen zu verkaufen. Die Anstalt verleiht zn allen Gelegenheiten sämtliche Arten von Teppichen und verkauft bereits im Gebrauch gewesene Waren mit bedeutendem Preisnachlaß. Wien, I., Krugerstraße 13.