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Neue Nationalzeitung · 1907-08-23 · Heft 36-37 (23.8.1907) · page 1

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 36-37 (23.8.1907)
Date
1907-08-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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NflCBNftL-ZETCUNG IX. JAHRGANG. JÜDßCRPOUCISCRg WOCRENSCRRIFC RERflusegBE«: ors.R.LNNö^u;! WIEN, 23. AUGUST 1907. No. 36/37. eindrücke uom Dill. Zionistenkongreg. Persönliches. Zehn Jahre trennen uns vom ersten Kongreß, der in Basel stattgefunden hat. Und er erscheint mir nun wie eine ganz ferne Vergangenheit. Er bildet in meinem Leben eine Epoche; er ist ein mächtiger Markstein in meiner geistigen Entwicklung. Der zweite Kongreß und alle weiteren sind Phasen in der zionistischen Bewegung-, der erste Kongreß war ein historisches Ereignis. Ich habe diesen Kongreß nicht bloß besucht und habe nicht bloß an seinen Arbeiten teilgenommen; ich habe auch geholfen, ihn schaffen und vorbereiten . . . So kann ich denn auch Vergleiche anstellen zwischen einst und jetzt; zwischen dem geistigen Niveau beider Kongresse, zwischen seinen Führern und seinen Rednern. Vieles hat sich seitdem geändert. Ich sehe Viele, die nicht da sind, und so manche, die doch erschienen, sind alt geworden, nicht bloß physisch. Seitdem haben Dr. Herzl, Dr. Kokesch und Beinard Lazare leider das Zeitliche gesegnet. Israel Zangwill, der am ersten Kongresse Gegenstand allgemeiner Aufmerksamkeit war, der greise Professor Mandelstamm aus Kiew und der temperamentvolle Advokat Jasinowski aus Warschau sind nebst anderen Territorialisten diesmal ausgeblieben. Die alte Wiener Garde: Dr. Schuir er, der Begründer der „Kadimah", Dr. Kahn und Baurat Marmorek, einst Herzls Kronprinz genannt, hat der jüngeren Generation den Schauplatz geräumt; sie dürften schwerlich in das Aktionskomitee wiedergewählt werden. Die Kerntruppe der zionistischen Parteileitung ist unverändert geblieben. Da sehen wir Max Nord an aus Paris, dessen Rede auf jedem Kongreß eine great attraction bildet, Chief-Rabbi Dr. Gast er und Herbert Bent wich, barrister aus London, den stämmigen Ingenieur Ussischkin, Dr. Tschlenow und Dr. Motzkin aus Rußland, Dr. Salz, Dr. Brau de, Abgeordneter Stand aus Galizien, Assessor Friedemann aus Wiesbaden, Pineles aus Rumänien, alle Individualitäten von erprobter zionistischer Gesinnung. Dazu kommt nun eine Schar neuer Männer, die erst auf den späteren Kongressen nach und nach zum Vorschein kamen: Professor War bürg und Dr. Nossig aus Berlin, Freunde der großzügigen Kolonisation in Palästina, Dr. Fränkel aus Kopenhagen, die Professoren Schioessinger und Margulies aus Cincinatti, die wegen ihrer zionistischen Gesinnung das dortige Rabbinerseminar verlassen haben, Dr. Bruck. Dr. L e w i n, Dr. Katzenellensohn und Dr. Rosenbaum, die vier zionistischen Exdeputierten der ersten Duma, Dr. Gabel und Dozent Dr. Mahl er, die Mitglieder des jüdischen Klubs im österreichischen Parlament usw., eine stattliche Reihe von Männern, die jedem internationalen Kongresse zur Ehre gereichen würden. Auch die Kunst ist hier durch hervorragende Repräsentanten vertreten. Hermann Struck, der bedeutende Radierer aus Berlin, hat als Führer der deutschen Misrachi (strenggläubige Zionisten) einen Delegiertensitz eingenommen; Professor Schatz, der Leiter der jüdischen Kunstakademie „Bezalel" in Jerusalem, ist herbeigeeilt, um Zeugnis abzulegen von dem neuen geistigen Leben, das sich jetzt in Palästina entwickelt. Die jüdische Presse ist nur spärlich vertreten. Aber wir haben am Kongreß zwei hervorragende Repräsentanten derselben, von denen jeder eine andere Richtung des geistigen Lebens im jüdischen Volke verkörpert. Rüben B r a i n i n, der Berichterstatter des hebräischen Tagblattes „Hasmar in Wilna ist der beste hebräische Publizist der Gegenwart und vor wenigen Tagen hat die Verlagsgesellschaft „Tuschijah" in Warschau die Herausgabe seiner gesammelten Werke in 20 Bänden übernommen; Schülern- Alejchem fRabbinowicz), der Berichterstatter des Jiddisch-Tagblattes „Daily-News" in New-York, ist der beste Humorist im Jargon und seine Novelle ,.der Mabel" (die Sintflut) hat die englische Wochenschrift „Harpers Weekly" in New-York um 3000 Dollars (15.000 Kronen) angekauft. Unter dem Titel „The Deluge" wird diese Novelle erscheinen als jüngste Novelle des „jüdischen Marc Twain."

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