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Neue Nationalzeitung · 1907-07-26 · Heft 33 (26.7.1907) · p. Seite 12

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 33 (26.7.1907)
Date
1907-07-26
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 »Neue Natfonal-Zeitung« Nr. 33 dem Widerspruche geredet, in den in unseren Tagen die Jugend dadurch gerät, daß in der Schule etwas anderes gelehrt und zu Hause etwas anderes getan wird. Wie mnß dies auf unsere Jugend wirken? Wo ist die Wahrheit? — fragt sie. Was man Zionismus oder Nationalismus nennt, hat sich zur hohen Aufgabe gestellt, das Judentum auf einer modernen Basis aufzurichten. Die Jugend soll die Größe unserer Vergangenheit erkennen, der Gegenwart kampfgerüstet entgegentreten und mit stolzer Zuversicht in die Zukunft schauen. Wenn aber unsere Jugend zur Gleichmütigkeit für das Judentum erzogen wird, dann nützt es nichts, ob ein Schüler „genügend" oder „vorzüglich" im Religionsgegenstande erhält. Das Zeugnis macht den Juden nicht. Etwas mehr Selbstbewußtsein und weniger Indifferentismus tut uns not. Der Rechtsanwalt: Junger Kollege, Sie streben wohl an, dereinst jüdischnationaler Abgeordneter zu werden? Der Vater: Die haben uns noch gefehlt. Der Hauslehrer: Ist auch meine Meinung, allerdings im anderen Sinne. Eine größere Zahl von jüdischen Abgeordneten fehlt uns. . . . Doch ich sehe, ich werde die geehrte Gesellschaft zu meiner Meinung nicht bekehren, unsere Anschauungen gehen zu sehr auseinander. Die Mutter kann das Gähnen nicht unterdrücken. Der Rechtsanwalt längt auch an, sich zu langweilen. Der Septimaner ruft dem Vater zu: „Papa, was hältst du von einem Tapper?" Der Papa nickt verständnisvoll zusagend. Man rüstet zu dem unvermeidlichen Kartenspiel. Die Mama richtet an das abräumende Stubenmädchen Mahnungen für die Köchin, zum Abendbrote den Schinken bereit zu halten, der Hauslehrer empfiehlt sich. Der Rechtsanwalt: Leben sie wohl, junger Mann, und bereiten Sie Ihre Kandidatenrede vor. Der Hauslehrer (im Weggehen): Seien sie getrost, Herr Doktor, sie wird die nötige Schärfe besitzen und ich werde dem Judentum keine Unehre bereiten. Vater, Sohn und Freund des Hauses sind schon eifrig mit dem Kartenmischen beschäftigt, die Mutter blättert in der neuesten Modenzeitung. Die Großmutter (spricht den Epilog): Mit eurer heutigen Jugenderziehung kann ich mich nun einmal nicht einverstanden erklären. Daß sich der Vater mit dem Sohne zum Kartenspiele niedersetzt, das ist auch eine sehr moderne Einrichtung. Das hätte mein seliger Mann nie getan, schon aus dem Grunde, weil er überhaupt keine Karten spielte. Macht mit euren Kindern, was ihr wollt, wenn sie euch aber über den Kopf wachsen, klagt nicht die Schule und Lehrer, sondern euch selbst an. Mit euren Seebädern werdet ihr die durch Zigarettenrauchen, Operettenbesuch, Tanzstunden und Kartenspiel entnervte Jugend nicht kräftigen. Euer Sport wird's auch nicht tun. Wie pflegte mein Vater selig zu sagen: Es ist alles im Zuschnitt verdorben. Die Mutter vertieft sich in ein Modenbild, das elegante Damen an einem Seestrande darstellt. Der Septimaner sagt laut einen Ultimo an. Der Rechtsanwalt schimpft über die „Sau" seines Gegners. Der Vater (lachend): Soviel sehe ich, Tarock versteht mein Jüngling besser als hebräische Grammatik. Er lacht sehr laut, die Mama stimmt ein, auch der Rechtsanwalt kann sich der Zustimmung nicht enthalten. Die Großmutter hält ihr Schläfchen . . . Ein Gymnasialprofessor. Priuate Mitteilungen. Wolütiitigkeitsfest in Baden. Am 28. Juli findet in Baden ein großes Wohltätigkeitsfest auf der Hanswiese statt, dessen Keinerträgnis zum größten Teil auf die unter dem hohen Protektorate des Erzherzog Friedrich stehende Erzherzog Raine r-Stiftung, sowie auf den Wiener humanitären Verein „Zuflucht" entfällt. Letzterer Verein, der unter der bewährten Leitung der Präsidentin Frau Laura Goldschmidt steht, hat in den Kreisen der ärmeren jüdischen Bevölkerung Wiens sehr viel gutes geleistet und es ist daher dem Feste auch aus diesem Grunde der beste Erfolg zu wünschen. eingesendet. 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