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Neue Nationalzeitung · 1907-07-12 · Heft 31 (12.7.1907) · page 1

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 31 (12.7.1907)
Date
1907-07-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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N&ÜE MCiONAL-ZEiCüNG ffi'iim jQDLSCRPOUCiSCRB WOCRSNSCRRIFC RERfiüSQgBBR: ürS.R.LNNÖ^ü:: IX. JAHRGANG. WIEN, 12. JULI 1907. No. 31. löas ist ein Hausjud'? „Vor allem müssen die demokratischen und sozialistischen Parteien von ihren Vertretern verlangen, daß sie ihre volkstümlichen Grundsätze nicht bloß durch Rede und Schrift, sondern auch durch ihr ganzes äußeres Leben bestätigen. "Wer in Beziehung auf Nahrung, Kleidung, Wohnung, Vergnügungen und anderen äußeren Bedarf ein prunkvolles Dasein führt, steht schon mit einem Faß im Lager der alten Mächte, die in dieser Richtnng ungleich größere Vorteile gewähren können." Anton Menger: Volkspolitik. (S. 72) Die Antwort erscheint doch so einfach. Man muß nur die patriarchalische Beschaffenheit des polnischen Schlachzizentums kennen. Jede Schlachzizenfamilie hatte einen Juden, ihren Juden. Er war die rechte Hand des Familienhauptes, der Vertraute der Stammhaltern. Er besorgte alle Einkäufe und vermittelte die Verkäufe: er gab Vorschüsse vor der Ernte und teilte alle Sorgen; es gab kein Geheimnis, in das er nicht eingeweiht wäre. Denn er war ein unerläßliches Familienrequisit. Er hatte einen Namen, einen Kosenamen: Moschko. Der Jude mochte wie immer heißen, man nannte ihn Moschko. Der Name war ein Begriff: der Inbegriff der Treue, Anhänglichkeit und Unterwürfigkeit. Moschko fühlte sich dabei sehr wohl. Mochte auch seine persönliche Würde darunter leiden, so ging er doch darüber hinweg. Er verdiente hier sein Brot und so ertrug er alle Demütigungen mit stummer Resignation. Mit der Zeit wurde Moschkos Machtsphäre erweitert. Er wurde politischer Agitator und handelte mit Gesinnungen, ebenso eifrig, ergeben und dienstfertig. Er hatte ein ganzes Volk zu verkaufen, seine eigenen Brüder. Und so führte er sie hin, verschacherte ihre Stimmen und wurde selbst Abgeordneter. Moschko als Abgeordneter. Eine merkwürdige politische Figur Gewählt von den Juden war er doch Werkzeug der Schlachta; Vertreter der Juden warf er sich vorerst dem Polenklub zum Verteidiger auf. Ideale blieben ihm fremd; die sind kein Handelsartikel. Das Geschäft war für ihn auch jetzt die Hauptsache. Seit dem Jahre 1879, da die Verfassungspartei unter den galizischen Juden aus dem öffentlichen Leben verschwunden ist und an deren Stelle die „Polen mosaischer Konfession" getreten sind, hat der Polenklub eine größere Zahl „mosaischer" Abgeordneter in seiner Mitte autzuweisen. Verschieden sind ihre Namen, mannigfaltig ihre Berufe. Aber der Typus war stets derselbe, von Mendels bürg und Bappaport bis zu T r a c h t enb e rg und Byk, derselbe Geist des egoistischen Strebertums und der nationalen Heuchelei. Keine Regung der idealen Begeisterung für jüdische Interessen, nicht der leiseste Versuch dem jüdischen Volke durch das Gestrüpp seiner verworrenen politischen Lage eine neue Bahn zu weisen. Die Gunst des Polenklubs, die Gnade der Schlachta, die Sicherheit des Mandates waren der einzige Leuchtstern in ihrem öffentlichen Wirken. Man streiche alle diese Männer aus dem Leben der galizischen Judenschaft und nichts hätte sich geändert; es wäre auch nicht trostloser und verzweifelter. Moschko als Abgeordneter, als Volksmandatar diente der großen Schlachzizenfamilie in ihren öffentlichen Angelegenheiten ebenso treu und ergeben, wie er sich als Individuum ihren häuslichen Sorgen widmete. Er durfte hie und da um einige Brocken für seine .Glaubensgenossen" bitten und sie wurden spärlich zugemessen, wenn von der Mahlzeit noch etwas übrig geblieben war. Man vergegenwärtige sich nur die Namen Mendelsburg, Trachtenberg, Seinfeld, Kolischer. Piepes, Rosenstock! Kann sich jemand erinnern, daß diese Männer jemals im Parlamente für ihre jüdischen Mitbürger das Wort ergriffen hatten? Man blättere alle Sitzungsprotokolle des Parlamentes durch und man wird ihre Namen bei verschiedenen Debatten finden — aber es waren keine jüdischen Angelegenheiten.

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