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Neue Nationalzeitung · 1907-07-05 · Heft 30 (5.7.1907) · page 1

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 30 (5.7.1907)
Date
1907-07-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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BKJaSSSam^ü^mmBEsm^ u. a. jgi JÜDläCRPOUClSCRg WOCfiENSCRMFC PSRflüSGgBßR: ors.R.L8NDisy:: IX. JAHRGANG. WIEN, 5. JULI 1907. No. 30. Polnifche Parteiführer über die jüdischnationale Bewegung. Mit aller Macht haben sie bisher ihre Augen vor der Judenfrage geschlossen: die polnischen Parteiführer, die großen Staatsmänner und feinen Diplomaten, die den Polenklub zur Stütze des Staates und jeder Regierung zu machen verstanden. Was kümmerte sie die jSot und die Verzweiflung der jüdischen Massen? Moschko, der Leibfaktor und Hausjude, die Kahals mit ihren verbrecherischen Führern besaßen ja ihr Vertrauen und waren ihre Stützen! Was vermochte der arme Jude gegen die vereinigten Schlachzizen und ihre jüdischen Lakaien auszurichten? Die letzten Reichsratswahlen haben die Position des Polenklubs heftig erschüttert. Von den 106 galizischen Mandaten erhielt er kaum 56. Die 16 polnischen Bauerndeputierten haben sich als besonderer Klub konstituiert. Vier polnische Sozialdemokraten, ein unabhängiger Sozialist und drei Jüdischnationale haben trotz aller Wahlschwindeleien Mandate erobert. Eine gewaltige Bewegung hat sich der jüdischen Wählerschaft bemächtigt und mit einer elementaren Kraft, mit einer noch nie dagewesenen Begeisterung haben sich die jüdischen Wähler ihren Feinden „ohne Unterschied der'Konfession" entgegengestellt. Es hat sich gezeigt, daß die jüdische-Wählerschaft politisch reif und selbstbewußt geworden ist, daß sie sich keine „Hausjuden" und „Versorger" vom Polenklub, wie anno dazumal aufoktroyren läßt, daß sie entschlossen ist, den Weg der politischen und der wirtschaftlichen Selbsthilfe mit dem Stimmzettel in der Hand zu betreten. Es schien mir von Wichtigkeit, die Ansichten der hervorragenden polnischen Parteiführer über diese Entwickelung zu hören. Würden diese Herren endlich so politisch sein, mit den Tatsachen zu rechnen und statt wie bisher die Judenfrage in Galizien zu ignorieren, statt mit ihren Moschkos Geschäfte zu machen, mit den jüdischen Volksmassen sich friedlich auseinanderzusetzen? Würden sie sich endlich entschließen, die jüdische Nationalität anzuerkennen, nachdem die Komödie der Assimilation endlich bei den Wahlen ihren letzten Todesstoß erlitten hat? Ich habe deshalb zwei der angesehensten polninischen Parteiführer ersucht, mir ihre Ansichten über die jüdischnationale Bewegung mitzuteilen. Der eine war Professor Dr. Glombinski, der Führer der nationaldemokratischen Fraktion und Obmannstellvertreter des Polenklubs; der andere, Jan Stapinski. der Führer der polnischen Volkspartei und ihr Obmann im Parlamente. Ersterer repräsentiert das städtische Element, das Bürgertum: der andere das bäuerliche Element und die bäuerlichen Interessen unter den polnischen Abgeordneten: beide Parteirichtungen haben bei den Wahlen die meisten Mandate, zusammen 33, erobert. Professor Dr. Crlombinski. Der Wahlgeometer des Polenklubs. Er hat die Bezirke zugeschnitten und die Mandate verteilt; gegen ihn richtete sich der Groll der polnischen Presse, als unsere Freunde, Dr. Gabel und Dr. Mahl er, in ruthenischen Landgemeinden die Majorität erhielten. Er gilt als Antisemit, aber er verwahrt sich dagegen. Christen und Juden sind seiner Partei gleich willkommen, wenn sie nur polnische Chauvinisten sind. Professor Glombinski hat sich für das Thema, das ich ihm unterbreitete, nicht sofort erwärmt. Er war sich nicht sofort darüber klar, was ich eigentlich von ihm wollte. Es war anfangs so, als wenn Professor Glombinski mich interviewen würde. Ich erklärte ihm die Stellung der jüdischnationalen Partei gegenüber dem polnischen und ruthenischem Volke, die Differenzen mit den Sozialdemokraten und die ganze Plattform, auf welcher die Jüdischnationalen bei den letzten Reichs - ratswahlen gekämpft haben. Allmählich erwärmte sich Professor Glombinski für den Gegenstand. Seine Mitteilungen wurden offener, rückhaltsloser, einmal sogar

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