Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 29 (28.6.1907)
- Date
- 1907-06-28
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 »Neue Nattonal-Zeitung« Nr. 29 Zeitschriften-Rundschau. Die Juden in Pcrsicn. Im »Pester Lloyd« bespricht unser berühmter Giaubens- und Gesinnungsgenosse, Professor H. Vämbery, dessen warme Anhänglichkeit an das Judentum ja unseren Lesern aus seinem in unserem Blatte veröffentlichten Interview noch erinnerlich sein dürfte, ein jüngst in französischer Sprache erschienenes Buch von W. Bacher über »Die Juden Persiens im XVII. und XVIII. Jahrhunderte«. Wiewohl wir uns vorbehalten, dieses Buch von unserem Rezensenten besprechen zu lassen, wollen wir dennoch unsere Leser auch mit der Rezension Vämberys bekannt machen. Was Vämbery schreibt, ist stets interessant und enthält eine Fülle persönlicher Reminiszensen; der große Orientalist versteht es, seine Leser zu belehren und ihre Aufmerksamkeit zu fesseln. »Auf meiner Rückreise aus Samarkand« — leitet er sein Feuilleton ein — »begegnete ich in Herar einem Juden, der in mir einen verkappten Antiquitätenforscher vermutete und mir deshalb verschiedene Objekte anbot. Später hatte er natürlich wahrgenommen, daß er sich geirrt, trotzdem besuchte er mich "häufig im Karawanserei und ich habe viel Interessantes von ihm über seine Glaubensgenossen in Chorasan und Mittelasien gehört. Später begegnete ich dem Manne in Meschhed. Als ich seiner ansichtig wurde und ihm »Jahudi, wie geht's dir?« zurief, eilte der Mann höchst bestürzt auf mich zu und sagte: »Um Gotteswillen, hier darfst du mich nicht »Jahudi« nennen, denn hier bin ich Mohamedaner, und wenn ich diese Inkognitorolle nicht spiele, bin ich verloren. Du weißt ja, vor einigen Jahren haben böse Menschen uns des Ritualmordes angeklagt, und wer dem Scheine nach den Islam nicht annehmen wollte, der mußte Meschhed verlassen. Man hat versucht, den Muttewali (oberster Piiester) mit Geld zu beschwichtigen, doch es hat bisher nicht viel geholfen —«. Also nicht nur das katholische Spanien, sondern auch das schiitische Persien hat seine Marranos, dachte ich mir, und ich war nicht wenig überrascht, als ich aus der unten zitierten Arbeit des Professors Wilhelm Bacher erfuhr, daß die Perser auch schon in der Vergangenheit sich dem Antisemitismus anheimgegeben und hierin nicht minder Erhebliches geleistet haben, als ihre arischen Stammesgenossen im zivilisierten Europa. Der Antisemitismus ist jedenfalls eine arische Spezialität, denn die Völker uralaltaischer Abkunft haben infolge ihrer kriegerischritterlichen Gesinnung ihre Schutzbefohlenen nie angefeindet.« Die Arbeit Bachers beschäftigt sich vornehmlich mit der Regierung Abbas II., eines siegreichen aber grausamen, judenfeindlichen Despoten. Nach einer eingehenden Skizzierung der verschiedenartigsten Verfolgungen, denen die Juden seitens des Schahs und seiner geldgierigen Vesiere ausgesetzt waren, schließt Vämbery: »Unter dem Schutze der fanatischen Schiiten Persiens ist es fremdgläubigen Menschen nie besonders gut gegangen und selbst das sich modern gerierende Persien war engherzig genug, den Armeniern, Parsis (Feueranbeter) und Juden das konstitutionelle Recht der Tei Inahme am Parlament zu verweigern. Heute natürlich hat der abendländische Einfluß den fanatischen Ausbrüchen der Iranier einen Damm gesetzt, doch in der Vergangenheit war dies nicht der Fall. Die Arbeit unseres Landmannes über die Geschicke der Juden in Persien im XVII. und XVIII. Jahrhundert wird nicht verfehlen, das höchste Interesse zu erwecken.« _ Briefkasten der Redaktion. Wir bitten um Geduld. Alle Briefe, die uns zukommen, werden wir beantworten. Doch gelangen die Antworten nur nach Maßgabe des Raumes zur Veröffentlichung. Auch können Briefe, die wir unseren Fachmännern zur Begutachtung übergeben, erst nach Einlauf der Erledigung beantwortet werden. Rabbinatskandidat. Ob Herr Rektor Dr. Schwarz aufdie zwei rein sachlichen Artikel des Herrn Dr. M. Friedländer über die Lehranstalt antworten will oder nicht, ist lediglich seine Sache. Die Person unseres Herausgebers möge er aber ganz außer Spiel lassen. Es ist allerdings Tatsache, daß Dr. S. R. Landau in den Jahren 1893—1895 an der Lehranstalt als vom Kuratorium ernannter und vom Unterrichtsministerium bestätigter Dozent gewirkt hat; die Kündigung ist aber nur deshalb erfolgt, weil Dr. Landau in der Wochenschrift »Die Zeit« vom 23. März 1895 einen Artikel »Staatsbürger oder Schutzjuden« veröffentlicht hat, worin die traurige Rolle des Dr. Byk (Kurators der Lehranstalt) im Polenklub geschildert wurde. Zu schämen hat sich hier nur Rektor Schwarz, welcher damals erklärte: »Herr Dr. Byk stört mir meine Kreise nicht, warum soll ich ihm die seinigen stören?« Wiewohl seitdem 12 Jahre verstrichen sind, hat Dr. Landau hierüber noch nie öffentlich gesprochen; wenn aber Herr Dr. Schwarz eine öffentliche Diskussion haben will, stehen wir ihm zur Diskussion. Wir werden dann auch vom Nachfolger Dr. Landaus am Seminar sprechen, der so verläßlicher polnisch-patriotischer Gesinnung war, daß er sich getauft hat. H. Sch. in Wien, S. P. in Radymno u. A. Wir verweisen Sie auf den Wortlaut unserer Korrespondenz. Mehr darüber zu sagen, hätte keinen Zweck. M. G. in Kuty. Die von Ihnen erwähnten Berichte bringt unser Blatt. J. F. in Krakau. Die Versicherungsgesellschaft, deren Arzt Dr. W. D. infolge Entlassung mit Selbstmord geendet hat, ist »Der Anker«. Daß die Antisemitenblätter den Namen der Gesellschaft verschwiegen haben, kommt von den — Schweiggeldern. Was die Fonciere betrifft, so kann sie lediglich in Lemberg oder Budapest von Ihnen geklagt werden. Lassen Sie sich zum Vergleich noch Zeit. Näheres in 8 Tagen schriftlich. eingesendet. fcMJEWHßffiB Erste Wiener Teppich-Leih- und Verkaufs-Anstalt £P9T~ neu eröffnet Wien, I., Krugerstraße Nr. 13. 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