Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 28 (21.6.1907)
- Date
- 1907-06-21
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2425679-2425680-2425696--0215-2426481- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 12 »Neue Natlonal-Zeitung« Nr. 28 Nähnadel und Faden ans seinem Tournister und ruht nicht eher, als bis der Schaden geheilt ist. Dann stärkt er sich wieder mit Kommißbrot. Damit es besser herunter rutscht, trinkt er Wasser nach. Inzwischen haben die beiden alten Leute mit ihrem einfachen Nachtmal begonnen. Erst kommen die Fische an die Reihe. Alles ist so sabbathlich in dem kleinen Zimmer. Nur dort in der Ecke ist ein störendes Ueberbleibsel des Werktages: der Soldat mit seinem Kommißbrot. Und er stört das Sabbathgefühl der Hausfrau. Sie schneidet ihm eine „Moize" ab. Soll er auch etwas vom Sabbath haben, denkt sie sich. Der Soldat nimmt das Stück Weißbrot mit ganz gleichgiltiger Miene. Als wäre es ein selbstverständlicher Tribut. * * * Die beiden Alten sind mit dem Essen fertig und sagen das Tischgebet. Kaum hat die Frau abgeräumt, als Besuch kommt: Joel, der Schuster mit seiner Frau, Schachne und noch eine Frau. Man setzt sich zum Tische. Die kleine Lampe und die Lichter scheinen heute so feierlich. Doch immer weiter sinken die brennenden Sabbathkerzen in die Leuchter und erregen kleine Ranchwölkchen. Sarah Rahel wartet ihren Gästen mit gebratenen Kartoffeln auf. Und bald bedeckt sich der Fußboden mit Kartoffelschälern Der Soldat in der Ecke will auch nicht den stummen Zuschauer spielen. Ohne lange Umschweife geht er zum Tisch hin. Ganz unverfroren greift er in die Kartoffeln hinein, wie man in die dargebotene Schnupftabakdose greift, und nimmt sich einige. Mit den Gästen ißt er jetzt um die Wette. Der Schneider, jetzt schon vertrauter mit dem Soldaten, klopft ihm auf die Schulter und fragt ihn: „Wird's Krieg geben?" Der Soldat kann nicht antworten: sein Mund ist voll Kartoffeln. Er nickt bloß bejahend mit dem Kopfe. hiteratur. Adalbert Graf Sternberg. »Der Christengott und der Judengott«. Wien 1907. Wiener Verlag. Graf Sternberg ist wieder unter die Romanschriftsteller gegangen und hat eine beachtenswerte „Talentprobe abgelegt. Nur hält der Roman nicht, was der Titel verspricht. Vom Christengott und vom Judengott soll darin die Rede sein und wir spüren kaum den Hauch eines Gottes. Freilich ist der Gott in der Brust des Menschen gemeint und da ist wohl der Versuch gemacht, in der Gestalt der Gräfin Schwandorf zu zeigen, wie die feste, fromme Gläubigkeit den besten Halt im Leben ausmacht. Hingegen soll an ihrem Gatten, dem Grafen und Exzellenzherrn Schwandorf ein Exempel des modernen gottfremden und darum haltlosen Menschen statuiert werden. Ihm ist der Glaube seiner Väter ein leerer Wahn; Leichtsinn und Genußsucht lassen ihn ins Netz der Burgschauspielerin Martha geraten. Von der leidenschaftlichen Teufelin umstrickt, vergißt er an Frau und Kinder, an Stellung, an Ehre. Nachdem er, vielleicht gegen seinen Willen, den Vorgänger, den alten, reichen Grünbaum verdrängt hat, muß er die Kosten der verschwenderischen Passionen Marthas bestreiten, stürzt sich in Schulden, spielt, spekuliert auf der Börse in verhängnisvollen Papieren, die ihm Grünbaum durch einen Makler aufdrängt, verliert sein Vermögen und geht jämmerlich durch Selbstmord zugrunde. Sein altererbtes Gut soll in den Besitz des reichen Grünbaum übergehen. Das ist wohl der große Fehler des Romans, daß der Autor dem jedenfalls sympathischen Grafen Schwandorf die widerliche Gestalt des alten Juden Grünbaum gegenüber gestellt hat. Soll diese Karikatur etwa den Judengott in der Brust tragen? Graf Sternberg ist uns die Herausarbeitung des Konfliktes zweier Weltanschauungen schuldig geblieben. Wenn er auch am Schluß des Schlüsselromans nach einigen krassen Szenen, in deren Mittelpunkt die gottlose Martha steht, die Schwenkung nach der Seite des Problems macht, so entbehrt das Ganze des großen Zuges. Der Autor will den Gott der Liebe und den Gott der Rache gegenüberstellen und läßt die Gräfin dem alten Grünbaum, den sie für den Mörder ihres Mannes hält, Verzeihung entgegen bringen. Aber dieser Verzeihung liegen Selbsterhaltungstrieb und Liebe zu ihren Kindern zugrunde. Wo bleibt das christliche, altruistische Motiv? Der Jude wieder, dem der Graf einst die Geliebte geraubt hatte, schwingt sich zu einem Mitleid mit dessen Nachkommen empor, das die Gräfin rührt. Er verzeiht nämlich auch und zwar deßhalb, weil das Söhnchen des Grafen gegen ihn, den verhöhnten Juden, freundlich ist Denn ein Jude ist für Freundlichkeit, wenn sie von einem Christen kommt, sehr empfänglich und dankbar. Reuig klopft sich der alte Sünder an die Brust, worin eigentlich gar kein strenger Gott wohnt und überläßt großmütig das erworbene Schloß Schwandorf der frommen Gräfin und ihren Kindern. Es gibt also genau genommen keinen Gegensatz zwischen dem Christengott und dem Judengott. Dr. M. Scherlag. „Messias Zeiten", das bekannte Drama von SchalomAsch ist aus dem jüdischen Jargon ins Russische übersetzt auf dem Büchermarkt erschienen. eingesendet. Erste Wiener Teppich-Lein- und Verkaufs-Anstalt IHT* neu eröffnet Wien, I., Krugerstraße Nr. 13. Es gelangen zum Verkaufe: Wirtschaftsteppiche, 200/300 ........von fl. 125 aufwärts Persia, 200/300 .............„ „ 6.50 „ Brüsseler Ia, 200/300 ...........„ „12.— Tapeatrie, Schafwolle, 200/300 ....... . 16— „ Veloursplüsch, 200/300 ........... „ 17.— Laufteppiche in allen Breiten........, „ - .18 „ Bettvorleger...............„ „ —.45 „ Wandteppiche..............„ „ 1.50 „ Spitzen vorhänge per Fenster......... „ 1.80 Tüllstores mit Applikation.........„ „ 4.— „ Portieren................. „ 1.20 Tuchvorhänge, gestickt..........„ „ 12.— „ Plüschtischdecke, gestickt........„ „ 7.50 T Tuchtischdecke........., . . . . „ „ 5.50 „ Garnitur: 2 Bett-, 1 Tiscl decke......„ „ 3.50 „ Diwanüberwurr..............n „ 6.50 „ Flanelldecken............... „ —.95 „ Steppdecken...............„ „ 2.50 „ Perser TJeberwürfe garantijrt echt.....„ „ 25.— „ Perser Verbindungsteppiche........„ „ 15.— n Enormes Lager echter Pei serteppiche. — Durch Ankauf einer großen Post echter Perser direkt aus dem Orient, noch alt verzollt, ist die Anstalt in der Lage, billiger als jedes andere Unternehmen zu verkaufen. Die Anstalt verleiht zu allen Gelegenheiten sämtliche Arten von Teppichen und verkauft bereits im Gebrauch gewesene Waren mit bedeutendem Preisnachlaß. Wien, I., Krugerstraße 13. /j 8 „Der Polenklub und seine Bausjuden." Preis 60 Heller. „Unter jü^^^^ Proletariern." Preis K 1.20. Von »Nei v Dr. S. R. Landau. Beide Broschüren erschienen im Verlage C.W. Stern,Wien. Die P. T. Abonnenten der »Neuen National- Zeitung« erhalten beide Broschüren zum ermäßigten Preise von zusammen K 1.— (inklus. Porto). Bestellungen und Geldsendungen, (auch Postmarken) sind zu richten an die Administration »Neue National-Zeitung«, Wien, l., Zelinkag J