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Neue Nationalzeitung · 1907-06-07 · Heft 26 (7.6.1907) · page 1

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 26 (7.6.1907)
Date
1907-06-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
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8^:>ME?t«.g»^3C^^ NKJE NKiONQL-ZHCUNG %r S^"«l JÜD&CRPOUCISCR5 WOCRENSCRRIFC DrS.R.UNNDAU:: IX. JAHRGANG. WIEN, 7. JUNI 1907. No. 26. Zur Niederlage Daszynskis. Daszynski ist in Krakau-Wesola gegenüber dem Führer der fortschrittlichen Demokraten, Dr. Petelenz, gefallen und auch im Landgemeindebezirk Oswi^cim ist er vor der engeren Wahl zurückgetreten. Diese Niederlage des Führers der polnischen Sozialdemokraten hat eine, über das Land Galizien hinaus gehende Bedeutung und es liegt nahe, darnach zu forschen, ob hier bloß Gründe lokaler Natur, oder etwa Momente von politischer Bedeutung mitgespielt haben. War es ein Zufall, waren es bloß Korruption und Terrorisierung der Wähler, oder haben ganz andere Gründe dabei mitgespielt, daß Daszynski auf der Wesola gegen Dr. Petelenz gefallen ist und auch fallen mußte. Es mag ja richtig sein, daß der Polenklub die Wahlkreiseinteilung derart zugeschnitten hat, um den galizischen Sozialdemokraten im allgemeinen und Herrn Daszynski insbesondere den Eintritt ins Volksparlament zu verwehren. Trotzalledem aber hätte es nicht so weit kommen müssen, daß Daszynski, einer der besten Redner der sozialdemokratischen Partei, aus dem Parlamente ausgeschlossen ist, in welches 87 seiner Genossen, minder befähigte und minder verdiente, einmarschieren. Aber Daszynski hat seine Niederlage selbst verschuldet — durch seine unglückliche Judenpolitik. Als Daszynski vor zehn Jahren von der allgemeinen Kurie Krakau mit 23.000 Stimmen gewählt wurde, darunter mindestens von 6000 Juden, da glaubte er, daß die Juden, die ihm nur deswegen ihre Stimmen gegeben haben, weil ihm Antisemiten gegenüberstanden, ihn wählen mußten. In seiner politischen Kurzsichtigkeit übersah er den Umstand, daß diese 6000 Juden zumeist Bourgeois waren, die nicht wegen irgend eines Parteiinteresses, sondern nur deshalb für ihn gestimmt haben, weil sie ihn im Gegensatze zu seinen Gegnern für einen Judenfreund gehalten haben, weil sie von ihm erwartet haben, daß er bei jeder Gelegenheit für sie, für ihre politischen Rechte, für ihr Streben nach Gleichberechtigung mit Nachdruck eintreten werde. Doch bald hat Daszynski diese jüdischen Wähler enttäuscht. Als ich ihn kurz nach seiner Wahl in der Wochenschrift „Die Zeit"*) zur Rede stellte, daß er wegen der Judenexzesse in C h o d o r ö w die Regierung nicht interpelliert hat, obwohl er seine Wahl Juden zu verdanken habe, da meinte Herr Daszynski in seiner Antwort:**) „Ich wurde nicht gewählt lediglich mit Hilfe der 6000 jüdischen Stimmen. Ich hatte nämlich meinem vereinigten Gegenkandidaten gegenüber 16.000 Stimmen mehr gehabt, so daß die 6000 Stimmen nicht ausschlaggebend sein konnten. . . . Dieses Protzen mit den jüdischen Stimmen ist einfach geschmacklos. Die Krakauer und Podgorzer Juden wußten wahrscheinlich besser, als Herr Dr. S. R. Landau, warum sie für den Sozialdemokraten stimmten". Herr Daszynski hat während der dreijährigen Wahlperiode (1897—1900) kein einziges Mal im Parlamente die Interessen der Juden vertreten. Er hat vielmehr bei jeder Gelegenheit die Juden verhöhnt, indem er nicht nur die Kahaleliquen angegriffen, sondern auch die armen Teufel als „Lumpenproletarier" hingestellt hat Ein sehr trauriges Kapitel in der parlamentarischen Tätigkeit des Herrn Daszynski war es, daß er, als im Jahre 1898 Sektionschef Z e c h n e r vom Ackerbauministerium durch drakonische Maßnahmen wider die kleinen Wachsgrubenbesitzer in Boryslaw tausende jüdische Bergarbeiter dem Hungertode auslieferte und fast alle zur Emigration gezwungen hat — für die jüdischen Bergarbeiter keinen Finger gerührt hat. Sein Blatt hat diese Maßnahmen sogar als sozialpolitisch, sozialhygienisch gepriesen. . . . Und als im Jahre 1900 neue Wahlen stattfanden, da erhielt Herr Daszynski keine 23.000, sondern nur 13.000 Stimmen. Mit knapper Majorität wurde er gewählt, diesmal erst recht nur mit Hilfe der 6000 jüdischen Stimmen. Die hat er bekommen, weil er das Glück *) Vergl. den Artikel „Die Wahrheit über die Exzesse von Chodoröw": „Die Zeit" vom 8. Mai 1897. **) „Die Zeit" vom 15. Mai 1897.

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