Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 23 (17.5.1907)
- Date
- 1907-05-17
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 »Neue Natiotial-Zeitung« einer Meinung mit ihm waren. Und nie, weder öffentlich noch im intimen Kreise, äusserte er ein unfreundliches Wort gegen seine christlichen Mitbürger. Alle waren sie Söhne desselben Vaters, wie er oft von der Tribüne zu sagen pflegte. Aber in seinem innersten Herzen hegte er eine mit Erstaunen durchsetzte Verachtung wider die arithmetische Unzulänglichkeit der Trinitarianer. Unter irgend einem anderen Gesichtspunkte existierte das Christentum für ihn nicht. Es war ein schwerer Mißgriff der mit Rechnungsgenie begabten Rasse. „Wie können drei eins sein?" pflegte er mit vernichtendem Spott seine Freunde zu fragen. Und diese Frage las man auch jetzt wieder in seinen Augen, als er mit dem Bildhauer über die italienische Kunst sprach. Und das leise um seine Lippen zuckende Lächeln lud den anderen Juden ein, mit ihm das Gefühl intellektueller Erhabenheit über die armen verblendeten Christen an seinem Tische, wie über das Christentum überhaupt zu teilen. Aber der Künstler lehnte es ab, auf das Piedestal zu steigen. „Die Madonna war doch eine schöne Vorstellung" sagte er. Sir Asher sah unangenehm überrascht aus. „Ach ja, Sie sind ein Künstler," erinnerte er sich. „Sie denken nur an das schöne Aeussere! Wie kann es aber drei in eins oder eins in drei geben?" Barstein antwortete nicht, und Sir Asher fügte in einem leisen ironischen Tone hinzu: „Ohne die Personen 2U verwechseln oder deren Wesen zu sondern". (Fortsetzung folgt.) ZcitscbriTtcnRundscbau. Im Mai hefte der «Ukrainischen Rundschau», dem publizistischen Organ des rathenischen Rekhsratskjubs veröffentlicht Dr. S. R. Landau einen Essay über «Die jüdischnationale Bewegung und die Ruthenen in Galizien». Der Grundgedanke des Artikels besteht in der Anbahnung eines dauernden politischen Bündnisses zwischen den Juden und Ruthenen. Die beiderseitigen Vorteile aus einem solchen Bündniß schildert der Verfasser mit folgenden Worten : «Die jüdischnationale Bewegung birgt allerdings schon in sich große Vorteile für die ruthenische Nation. Der selbstbewußte nationale Jude wird sich nie dazu hergeben, die rathenische Bevölkerung zu reizen oder zu unterdrücken, ihre sprachlichen Rechte zu verkürzen, ihre geistige Entwicklung zu hemmen. Das können höchstens die auf Kommando stimmenden «Hausjuden», nicht aber die Anhänger der Sammlung, geistigen Hebung und nationalen Befreiung des jüdischen Volkes tun. Der nationale Jude wird gerne die Notwendigkeit einer ruthenischen Universität in Lemberg, eine Zweiteilung des galizischen Landesschulrates anerkennen, denn auch für ihn ist der polonisierende Einfluß der Mittel- und Hochschulen ein schwerer Alp. Der selbstbewußte Jude wird für die rathenische Gemeindesprache dort eintreten, wo die ruthenische Bevölkerung in der Majorität ist; bei den Gemeindennd Bezirksratswahlen wird er den Ruthenen zu einer Vertretung helfen. Es Hegt daher im eminenten Interesse der Ruthenen, die jüdischnationale Bewegung nach Kräften zu fördern. Hier liegt der Schlüssel für die rathenische Politik der Zukunft. Wollen die Ruthenen endlich einmal aus ihrer bisherigen Pariasstellung herauskommen und die politische Gleichberechtigung in Galizien erlangen, so kann dies nur durch und mit Hilfe der Juden geschehen. Als Beispiel kann ihnen die Politik der ruthenischen Führer in der Bukowina dienen, wo von leeren Demonstrationen durch Aufstellung von ruthenischen Zählkandidaten gegenüber jüdisch-nationalen Bewerbern abgesehen wurde. Anderseits aber müssen die Jüdischnationalen das Schlagwort »unabhängig von Polen und Ruthenen«, dessen sich die polnischen Sozialdemokraten so gerne bedienen, aufgeben. Die polnischen Sozialdemokraten sind und bleiben trotz ihres internationalen Parteiprogramms chauvinistische Polen: Das hat Herr Daszynski wiederholt im Parlamente zum Ausdrucke gebracht, indem er sich einen »besseren Polen« nannte, als es Graf Dzieduszycki sei. Die Führer der polnischen Sozialdemokraten können sich mit den Ruthenen nicht einmal aus Gründen der Wahlpolitik verbinden, weil ihre Massen sie sofort veilassen. Das hat sich in Lemberg gezeigt, wo es die Sozialdemokraten nicht gewagt haben, ihren Führer Hankiewytsch aufzustellen, weil er ein Ruthene ist. Nr. 23 Das ruthenischjüdische Bündnis liegt daher im Lebensinteresse beider Teile. Es schwebt allerdings noch in weiter Ferne. Noch gilt es, die ruthenischen Massen für ein solches Bündnis durch Ueberwindung von Antipathien reif zu machen; noch ist die schwere Arbeit nicht vollendet, die kleinstädtischen jüdischen Proletariermassen Ostgaliziens ganz vom Einflüsse der Wunderrabbis zu befreien, die eingefleischte Unterwürfigkeit den Bezirkspaschas gegenüber in ihnen auszurotten und sie zu freien, selbstbewußten Bürgern zu machen, Aber dieser Befreiungsprozeß bei den jüdischen Massen geht vor sich; mögen die Ruthenen auch das ihrige tun.« Briefkasten der Redaktion. Dr. A. in P. Beide Herren sind getauft. Ueberhaupt gibt es weder beim Verwaltungs-Gerichtshof noch beim Obersten Gerichtshof einen jüdischen Hofrat. -Dr. S. hat sich bereits als Ministerial-Sekretär getauft. Briefkasten der Administration. An unsere Abonnenten in Deutschland! Am 13. d. M. ist uns aus dem Deutschen Reich als Abonnement für die Zeit vom 1. April bis 30. Juli 1906 ein Betrag von K 4.— zugekommen, ohne daß auf dem Coupon die Adresse des Absenders ersichtlich wäre. — Wir bitten den betreffenden .Absender um gefällige Angabe seines Namens. _ Private Mitteilungen. (Große Geldgewinne für unsere HausfrauenJ. In den nächsten Wochen wird es sich entscheiden, welche von unseren Hausfrauen einen Treffer mit den Rezepten für die »C e r e s« Preiskonkurrenz gemacht haben. Es soll jedoch in Erinnerung gebracht werden, daß nur die Mehlspeiskonkurrenz von 10.000 Kronen geschlossen ist. Weitere 5000 Kronen sind bis 30. Juni mit Koch-, Back- und Bratrezepten jeder Art zu verdienen. Eingesendet. mm -J^^-^&smwm Erste Wiener Teppich Leih- und Verkaufs-Anstalt neu eröffnet ~W| Wien, I., Krugerstraße Nr. 13. 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