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Neue Nationalzeitung · 1907-05-10 · Heft 22 (10.5.1907) · p. Seite 12

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 22 (10.5.1907)
Date
1907-05-10
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 »Nene Nat!onal-Zeitung< Nr. 21 Weg zu Fräulein Aaronsberg und er vergaß diese Trivialitäten. IL Der Gastgeber setzte das schwarze Käppchen, das er aus seiner Rocktasche zog, auf. Das bedeutete den Schluß der Malzeit. Den Kopf solchermaßen orientalisch zum Gebete bedeckt, verwandelte sich Sir Asher plötzlich in eine Rembrandtsche Gestalt. Sein weißer Bart bedeckte das konventionelle steife Hemd, und als er den Segen im Hebräisch zu intonieren begann, erkannte der überraschte Barstein, daß die Bürgermeisterin wenigstens oberflächlich Recht hatte. Es wandelte ihn ein neues, künstlerisches Interesse an diesem langweiligen, provinzialen Ex-Parlamentsmitglied an, der, von seinen gepuderten Dienern umgeben, an der Spitze seines reichbedeckten Tisches saß, die Sprache der alten Propheten im Munde, und er begann den Mut zu achten, mit welchem Fräulein Aaronsbergs Vater seinen Glauben wie einen Gebetriemen auf der Stirne trug. Es sprach ja viel für seinen Charakter, daß ihn seine Mitbürger einst als ihren Vertreter gewählt hatten, trotz seiner unbeliebten Religion und Rasse, und jetzt willens waren, an seiuem Tische während dieses langwierigen Segens zu sitzen. Sir Asher begnügte sich trozdem nicht mit der kürzeren Form dieses Segens, die ein weiser Rabbi für derlei schwierige Gelegenheiten erfunden hatte. Aber so weit man merken konnte, waren es gerade die jüdischen Gäste, die sich drollig ihre Häupter mit den Servietten bedeckt hatten nnd nun unter dem frommen Schwall unruhig wurden. Zweifelsohne fürchteten sie die Christen zu langweilen und deren kostbare Gesellschaft künftighin zu verlieren. In des Gastgebers Sohn Julius war überdies eine intellektuelle Ungeduld bemerkbar. Er hatte von Oxford eine Verachtung für seines Vaters Glauben mitgebracht, welche jedem Juden, außer Sir Asher, offenbar war. Barstem, diese allgemeine Unruhe bemerkend, wurde eigentümlich böse über diese seine Mitjuden, obgleich er es absichtlich vermieden hatte, den eigenen Kopf mit der Serviette zu bedecken; ein Rasseustolz, der unbewußt in ihm geschlummert hatte, brach sich durch all seinen Kosmopolitismus Bahn, und er freute sich boshaft, daß der brave Sir Asher sein Längstes beten würde. Er selbst war in seiner nur gezwungen frommen Kindheit ein ziemlich guter Hebräer gewesen, und obwohl er seit vielen Jahren weder gebetet, noch hebräische Gebete gehört hatte, bewog ihn sein neues künstlerisches Interesse dem Segen aufmerksam zuzuhören und dessen Sinn aus dem Wust der Worte und des von einer flüchtigen Melodie belebten Sing-Sangs, mit dem er intoniert war, zu entwirren. Wie hatte er als Knabe diesen Segen gehaßt — diesen frommen Frohndienst, der beinahe die Erwartung der Mahlzeiten verdarb. Aber heute, nach einem so langen Zeitraum konnte er wieder den Segen ohne Vorurteil mit künstlerischer Erhabenheit betrachten und er konnte sich über den wahren Grund seines geistigen Wertes Rechenschaft geben. (Fortsetzung folgt). Notizen. (SommeretaMissemcnt Venedig-). Die Eröffnung des vollständig renovierten und mit neuen Attraktionen ausgestatteten Sommeretablisseraents Venedig fand vergangenen Sonntag statt. Die Opperetcnnovität „Die kleine Prinzessen" im Sommertlieater sowie die Vorstellungen in der „Parisiana", und im Moulin ronge bieten eine sichere Gewähr dafür, daß das Sommeretablisseuient Venedig wie alljährlich auch diese Saison den Mittelpunkt der Unterhaltung der vornehmen Gesellschaft und der Fremden bilden wird. (Cirkus Busch) ist wie alljährlich, so auch heuer, mit einem erstklassigen Material an Pferden und exotischen Tieren in seinem Cirkusgebäude (k. k. Prater) eingezogen. Das großartige Programm sowie die feenhafte Original-Ausstattungspantoniime „Aus den Alpen" und die verblüffenden Dressuren bieten eine große Anziehungskraft für das Publikum. Briefkasten der Redaktion. H. Graf in Komarno. Jüdisches Wochenblatt in Czernowitz. __ Briefkasten der Administration. Mehrfache Anfragen. Auf mehrfache Reklamationen teilen wir mit, daß wir mit der nach kurzem Bestände eingegangenen »Neuen Zeitung« nichts gemein haben und daher nicht in der Lage sind, den Abonnenten dieses Blattes unsere Wochenschrift unentgeltlich zukommen zu lassen. An mehrere Abonnenten. Es ist bei keiner Zeitung üblich, den Empfang der Abonnomentsgebühr zu quittieren. Das Aufgabsrezepisse oder der Empfangschein sind genügende Belege. Eingesendet. I „Der Polenklub; und seine Hausjuden,"! Preis 60 Heller. j ,,llnter jüdischen Proletariern." Preis K 1.20. Von Dr. S. R. Landau. Beide Broschüren erschienen im Verlage C.W. Stern,Wien. Die P. T. Abonnenten der »Neuen National- Zeitung« erhalten beide Broschüren zum ermäßigten Preise von zusammen Kl.— (inklus. Porto). Bestellungen und Geldsendungen, auch Postmarken) sind zu richten an die Administration »Neue National-Zeitung«, Wien, I., Zelinkag. 11. I Ersle Wiener Teppich Leih- und Verkaufs-Anstalt neu eröffnet ~~&t& Wien, I., Krugerstraße Nr. 13. 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