Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 22 (10.5.1907)
- Date
- 1907-05-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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SIQZ »NAL-ZEiOJNG f.JÜDISCRWUCISCRB W0CR5NSGRRIFC R&RAUSSßBgR: DfS.R.LftNORU:: IX. JAHRGANG. WIEN, 10. MAI 1907. No. 22. Die jüdischen Reichsratskandidaten. in. Das Hauptkontingent der jüdischen Abgeordneten hat bisher G-alizien gestellt. Seit dem Tode Nathan von Kallirs im Jahre 1886 waren sie alle ununterbrochen Mitglieder des Polenklubs. An der Seite der Machthaber, die nicht nur Titel und Adelsprädikate, sondern auch Bankkonzessionen und Sinekuren zu verteilen hatten, haben die vom polnischen Zentralwahlkomitee ernannten Vertreter der galizischen Judenschatt ihre persönlichen Interessen aufs beste vertreten. Ihr Polentum hat sich sehr gut rentiert; kein Wunder, daß sie damit marktschreierisch protzten und es als Universal- Heilmittel gegen die elementare Deklassierung der jüdischen Bevölkerung anpriesen. Und je mehr die jüdischen Händler durch die christlichen Konkurrenzgeschäfte erdrosselt, durch die Strenge der Sonntagsruhe in ihrer freien Betätigung gehemmt, je mehr sich die Massen darüber klar wurden, daß sie auf die schiefe Ebene der Deklassierung gedrängt werden, desto mehr lenkten die jüdischen Abgeordneten, die in ihrem eigenen Volke jede Stütze verloren hatten, nach rechts ein. Es schien ihnen, sie würden, gestützt auf Bezirkshauptmann und Steuerinspektor, sich der unwandelbaren Gunst der Wähler erfreuen können. Da kam das allgemeine Wahlrecht: es eröffnete sicli eine Kluft, die den Polenklub zu verschlingen drohte und mit ihm seine — Hausjuden. Die Stunde war gekommen, da das Volk an den Volksfeinden Vergeltung üben konnte, wo nicht die Gunst der Mächtigen, sondern die Anhänglichkeit der Massen den Weg zum Mandat ebnen sollte. In diesem entscheidungsvollen Moment traten die Jüdischnationalen auf den Plan. Es ist in der letzten Zeit viel darüber gestritten worden, ob es prinzipiell vorteilhaft und taktisch klug war, daß die Vertreter des jüdischnationalen Gedankens an dem Wahlkampfe teilnahmen und die jüdischen Parlaments-Mandate alle oder auch nur teilweise für sich in Anspruch nahmen. Die ältesten Parteimänner haben sich dagegen ausgesprochen. Die Teilnahme an der innern Politik als selbstständige Partei war ihnen eine Verirrung, eine Ver- Wässerung der reinen Ideale und Gelährdung des letzten Zieles. Es ist kein Zufall, daß diese sonst sehr vernünftigen Männer keine Politiker sind. Sie würden die politische Erziehung der jüdischen Bevölkerung nicht so unterschätzt, und die Wahlagitation als Propagandamittel höher bewertet haben-, sie hätten einsehen müssen, daß Parteiführer ihre Massen, wenn sie dieselben einmal in ihren Händen haben, nicht auseinander laufen lassen düi fen, sondern in jeder Phase des öffentlichen Lebens zusammen halten und führen müssen. Das jüdische Volk muß wie einst unter Moses, noch bevor es ins gelobte Land zog, in der harten Schule des alltäglichen Kampfes um sein Recht gestärkt und geläutert werden. Der Jude, der in die wilden Wogen der Parteikämpfe geschleudert, keinen leitenden Stern vor und über sich sieht, müsste sonst im Schlamm untergehen und wäre für immer seinem Volke verloren. Das mochten sich die Leiter der jüdischnationalen Politik vor Augen gehalten haben, als sie vor Monaten den Beschluß gefaßt hatten, in die Wahlkampagne einzutreten. Und die Entwicklung des Wahlkampfes hat ihnen Recht gegeben. Wer sind die Leute, die nach den jüdischen Mandaten ihre Arme ausstrecken, die in sich die Mission entdeckt haben, die galizische .Tudenschaft im Parlamente zu vertreten, unter jenen schwierigen Verhältnissen zu vertreten, wie sie im neuen Volkshause bevorstehen? Es sind zumeist dunkle Gestalten mit schmutzigen Händen und trüber Vergangenheit. Niedriger skrupelloser Erwerb war stets ihr Lebensziel, und selbst die besten unter ihnen haben ihr Leben lang den jüdischen Massen ausgewichen, um sich nicht ihren Rock zu beschmutzen. Wir nennen nur die Namen Horo witz, den vielperzentigen Eskompteur, dem sein Opfer — Dr. Klimkiewicz — ein literarisches Denkmal gesetzt hat; Rauch, den berüchtigten Propinator von Stanislau, Dr. Nathan L ö w e n s t e i n. den Bonvivant und Salonlöwen; Dr. Aschkenase und Dr. Gold, die unnatürlichen Bundesgenossen und ergebensten Anhänger der antisemitisch —