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Neue Nationalzeitung · 1907-05-03 · Heft 21 (3.5.1907) · p. Seite 12

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 21 (3.5.1907)
Date
1907-05-03
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 »Nene National-Zeitung« Nr. 21 „Nach dieser Zeit lebte in Palästina noch ein berühmter Talmudgelehrter, Rabbi Schimon Ben Jochai. Er haßte unbeschreiblich die römische Regierung, weshalb dieselbe nach seinem Leben trachtete. Doch er hielt sich mit seinem Sohne Eleazar in einer Höhle zwölf Jahre lang verborgen, wo sie der gewöhnlichen Speisen entbehren mußten. Ein Feigenbaum wuchs in kurzer Zeit aus der Erde hervor, von dessen Frucht sie sich nährten und eine frische Quelle stürzte vom Felsen herab, mit deren reinem, krystallheilen Wasser sie ihren Durst stillten. Endlich starb der Kaiser, der Rabbi Schimon verfolgte und er wurde frei. Am Lag-Baomer, dem 33. Tag des Omers, starb Rabbi Schimon Ben Jochai und an diesem Tag werden Gebete verrichtet und Lichter angezündet für das Seelenheil dieses großen Mannes. Er fügte dieser seiner Erzählung bei, daß Rabbi Schimon in Miron, einem Dorfe in der Nähe von Safed, begraben sei, wo man alljährlich von Safed, Tiberias und anderen Städten hinfährt. Irrtümlicherweise hat man hier anfangs das Grab Simon Hazadiks besucht, weil man diesen mit Schimon Ben Jochai verwechselt hat. Wie gerne haben wir uns an der „Hadlaka" beteiligt. Am 32. Tage des Omer sammelten wir in allen Häusern Petroleum für die „Hadlaka", und als wir einige Kannen voll besassen, lasen wir überall Lappen zusammen, errichteten ein Podium von Steinen auf einem Hügel, zündeten am Abend die Lappen an, so daß die Flammen hoch in die Luft stiegen zu Ehren des großen Rabbi Schimon Ben Jochai und des Nationalfestes. Lag- Baomer. Die ganze Kolonie und alle jüdischen Höfe waren hell erleuchtet. Wir aber tanzten im Kreise um die Flammen herum und sangen jubelnd das hebräische Lied. ,.Bar Jochai, Bar Jochai!" „Mit dem Freudenöl hast du deine Freunde als deine Nachfolger gesalbt," Diese Worte donnerten durch die Luft und unsere Gesichter flammten wie das Feuer vor Freude und Glückseligkeit. Wir tanzten, sangen und jubelten um die Wette und eine Kolonie tat es der andern an ausgelassener Fröhlichkeit nach, bis allmählich der letzte Funke verglommen und der helle Schein der Hadlaka wieder der Finsternis der Nacht gewichen war. Und dieses Jahr befinde ich mich wieder einmal auf dem Felde des Schimon Hazadik. Tausende von Menschen beleben die ganze Gegend und die rasselnden Wagen bringen immer neue Besucher. Unter allen Bäumen sitzen Gruppen von Familien; hoch auf dem Abhang des Skepusberges, unten im Josephattale wimmelt es von Menschen, lustigen feiernden Menschen. Ein langer Zug alter gebückter Greise zieht sich dort das Tal entlang, zum Grabe hin. Auch diese gefurchten Gesichter leuchten manchmal auf vor Freude, auch diese gebückten Gestalten heben zuweilen ihren Kopf mit Stolz in die Höhe, wenn sie die vielen jungen, frohlockenden Gesichter schauen. Langsam geht der Zug dahin zum Grabe und einer nach dem andern verschwindet in der Höhle; dort wird gebetet, dort wird geweint, jeder schüttet sein Herz aus über sein eigenes Schicksal und alle zusammen vereinen sich im Gebete für das unterdrückte, der Freiheit beraubte Volk. Doch siehe, auf den im Schmucke des Frühlings prangenden Fluren diese frohlockenden jungen Gesichter, diese strammen, in die Höhe erhobenen Häupter der Jünglinge — sind sie nicht ein Zeichen neuen Lebens, flößen sie nicht unseren gramerfüllten Herzen Gefühle der Hoffnung ein, daß eine Zeit kommen wird, wo wir wieder ein einiges Volk auf unserem eigenen Lande sein werden? Immer größer, immer zahlreicher werden die Scharen fröhlicher Menschen, alter und junger, es wird lebhaft gesprochen, lustig gesungen. Die lauten Rufe der Leckerbissen- und Getränkeverkäufer vermengen sich mit den Liedern, dem Jubeln und Jauchzen der Tausende von Besuchern. Es springen die Jünglinge über die kleinen Hügel und in die Luft flattern die weißen Kleider der hüpfenden schönen Mädchen und dieses schöne, anziehende Bild läßt vor meinem inneren Auge ein anderes Bild vorbeiziehen: Vor zweitausend Jahren, als wir noch ein Volk auf eigenem Lande waren, am 15. Ab, da gingen die Mädchen, alle weiß gekleidet in den Gärten spazieren, ihnen folgten Scharen von Jünglingen. Die Mädchen riefen: Jüngling, Jüngling, sieh nicht nach Schönheit, nach Geld, sondern nach Tugend! Und wieviel glückliche Paare verließen dann die Gärten!. ... Wenn ich die Haltung unserer Jugend vor nur zehn Jahren mit derjenigen der jungen Söhne und Töchter Israels an. dem diesjährigen Lag-Baomer vergleiche, wenn ich diese blühend, gesund ,und kräftig ausschauenden Gestalten betrachte, wenn ich das muntere und ausgelassene Leben und Treiben beobachte, wenn ich dem heiteren Gesang und der heiteren Musik lausche und den bunten Reizen zusehe, hebt sich meine Brust voller Freude und Zuversicht. „Noch ist unsere Hoffnung nicht verloren!" ... Eingesendet. Erste Wiener Teppich Leih- und Verkaufs-Anstalt JJC neu eröffnet Wien, I., Krugerstraße Nr. 13. 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Trotz sofortiger ärztlicher Hilfe war es nicht mehr möglich, dem Verstorbenen zu helfen.

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