Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 20 (26.4.1907)
- Date
- 1907-04-26
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 »Nene National-Zeltung« Nr. 20 leicht als eine Tat begrüßt. Heute müssen es Christen wie Juden belächeln, denn heute wissen wir's, daß andere als konfessionelle Probleme zwischen Christen und Juden stehen. Auch Heijermans könnte es wissen. Naturalistische Milieumätzchen reichen wahrhaftig nicht aus. die Tragik dieser Dinge zu geben. Und man käna das Judentum kaum enger, kleinlicher, banaler und — verlogener behandeln, als es Heijermans Bild geian hat. * * * „Pester Lloyd". In sehr ausführlicher Form behandelt der „Pester Lloyd" bei dieser Gelegenheit die Judengestalten in der Novelle und im Drama, „Die Judendarstellung von heute ist erst bei dem Juden Heijermans zu „arischer" Vollkommenheit gelangt. Der frühere Theaterjude war ein konventionelles Geschöpf, das sich meist irgendwie von Shakespeares Shylok herschlängelte. Auch Schewa, der edle Jude von Cumberland. den ich vor alters noch von Dawison und La Roche (Burgtheater) spielen sah. Gutzkow paßte ihn der historisierenden Schablone seiner Zeit an. Der holländische Renaissancejude Uriel Acosta, der Handelsherr Manasse van der Straaten. der Rabbi Ben Akiba sind einfach ans der Bildergalerie geholt, aus Rembrandtschen Bildern und Stichen in Dresden. Sie haben so wenig einen jüdischen Faden am Leibe, wie Lessings Nathan. Alles Stilisierung, Idealisierung, durch bedeutende Schriftsteller mit Freiheitstendenzen, die überhaupt alle Unterdrückten in idealem Lichte zeigten, um deren Feinde ins Unrecht zu setzen. Wie alles auf Erden, wurde dann auch dies zum Klischee. Es wurde obligat, den Juden gut zu behandeln. Der Maler mußte ihn malerisch finden, der Poet poetisch, der Politiker politisch hochwichtig. Wenn nicht, so war man ' der zunftmäßige Judenfeind. Schließlich war mancher Jude beleidigt, wenn man ihn nicht idealisierte. Mit der Gleichberechtigung verlor dieser Standpunkt seinenmenschlichen Zweck, der Jude wurde vogelfrei, d. h. so frei wie der Nichtjude. Nun darf man ihn schildern, wie Gorki den ärmsten Russen, Ibsen den gemeinsten Norweger, und er ist nicht mehr beleidigt. Selbst die Juden schildern ihn schon so. Franzos konnte es noch nicht. Er stand zu sehr in der Schule Berthold Auerbachs, wo man lernte, die Menschen papieren anzusehen, auf ihre literarischen Möglichkeiten hin, auf ihre novellistische Ausschrotbarkeit. Die Juden von Barnow sind noch lange nicht so waschecht, wie Heijermans Juden von Amsterdam, denn Franzos hat die Barnower so lange mit Seife gewaschen, bis sie richtig .ausgegangen" sind. Im Hause Sachel geht es weit echter her. Der Sachel gesteht es offen, als sein Sohn ihn bei betrügerischem Abwägen von Ware betroffen, das sei ja Geschäft, er habe überhaupt nie anders Geschäfte machen sehen. Heute schreibt das bereits ein Jude über einen Juden. Mit der Wehleidigkeit ist es vorbei, die Gleichberechtigung vor der satirischen Hechel ist verkündet. Und diese Aufrichtigkeit der Darstellung gibt den Heijermansschen Szenen ihren großen sittenbildlichen, lebensbildlichen Reiz." Biieliereinlauf. Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur 1907, Berlin 1907. Verlag M. Poppelauer. Dr. K. Lippe: Zwei Vorträge über Unsterblichkeit und Spiritismus. Jassy 1907. Buchdruckerei Goldner. M. H. Horwitz: .W Kwestyi Zydowskiej, Krakau 1907. Drukarnia Narodowa. Univ.-Prof. Dr. Dnistrianskyj: Eine selbständige ruthenische Universität in Lemberg. Eingesendet. (Holzhandels-A.-Gr.) Die Holzhandels-A.-G. schreitet nunmehr zur Durchführung <ler in der letzten Genei alversamiulung beschlossenen Kapitalserhöhung. Dun Inhabern der im Umlauf befindlichen 25.0C0 Aktien wird das Bezug.-reeht derart eingeräumt, daß je vier alte Aktien das Anrecht zum Bezug ' einer neuen Aktie zum Preise von K 260 geben. Die Anmeldung hat bis inklusive 27. d.- bei der Unionbank zn erfolgen. Bei der Anmeldung sind auf jede neue Aktie K 60 bar einzuzahlen. Der Restbetrag von K 200 pro Aktie ist nebst 5 Prozent Stiickzinsen vom 1. Jänner bis spätestens 31. Mai einzuzahlen. * Die Musikschulen M. Adler und C. Kopal veranstalten Sonntag, den 28. d. M„ abends 7 Uhr im Neuen Frauenklub. 1. Bezirk, Tuchlauben Nr. 11, ein Schülerkonzert, bei welchem sowohl klassische, als auch moderne Kompositionen zur Aufführung gelangen. Erste Wiener Teppich Leih- und Verkaufs-Anstalt U^- neu eröffnet r^M Wien, I., Krugerstraße Nr. 13. 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