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Neue Nationalzeitung · 1907-04-12 · Heft 18 (12.4.1907) · p. Seite 9

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 18 (12.4.1907)
Date
1907-04-12
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 18 N eue National-Zeitung « Seite 9 ländern keine Volkserlösung gibt, und notwendigals Aufgabe die Konzentrierung der jüdischen Kräfte und deren unentwegtes Hinarbeiten auf 'die Entziehung aus dem Gallith und Begründung einer autonomen Gemeinschaft mit einer jüdischen Majorität in unserem historischen Territorium aufgestellt hat. Wer also sich selbst einredet oder anderen einreden möchte, daß es den Juden möglich ist, in der Diaspora ein gleiches, mit autonomen Rechten ausgestattetes Volk zu wei den, wie die anderen Völker der Umgebung, deren Macht und Recht übrigens naturgemäß in deren Territorialität wurzelt, wonm es den Juden überall fehlt,— der verfällt in den Feh leider Assimilation, die auch immer und immer wieder hoffte, daß es in der Diaspora eine volle Gleichstellung der Juden mit den anderen geben kann, und nicht wahrnahm, daß dies mit dem Aufgeben des Judentums, mit der nationalen Apostasie eng verknüpft sein muß und nur bei einzelnen Juden zutreffen kann, welche sich aber mit der Entnationalisierung abgefunden haben." Das zionistische Aktionskomitee als solches geht der Frage, wie es sich zu den österreichischen Reichsratskandidaturen verhält, aus dem Wege; es schweigt. Dagegen hat die „Zionistische Vereinigung für Deutschland" eine Sammlung zu Gunsten des österreichischen Wahlfonds eingeleitet. Tarnopol. Dr. J. S c h a 1 i t in Wien Hat auf die hiesige Kandidatur verzichtet. Als jüdisch-nationaler Kandidat tritt nun Herr Adolf Stau d auf, da seine Chancen in Brody nicht sehr sicher sein sollen. jüdisch mmirni Dieser Teil unseres Blattes steht unseren Lesern zur Verfügung Wer der Oetfentliclikeit in indischen Fragen etwas zu sagen hat, wer an die jüdische Oeffentliebkeit appellieren will, dem stellen wir diesen Raum gern zur Verfügung. D i .•• Reduktion. Verehrliche Redaktion! Mit Bezug auf den Artikel des Herrn Dr. Max Grün fei d (Nr. 15 Ihres geschätzten Blattes) betitelt: „Der jüdische Geschichtsunterricht an den Mittelschulen", welcher in seinem gediegenen Inhalte mit dem Wahrspruche schließt: „Nicht die Lehrer sind in den meisten Fällen daran schuld, wenn im Religionsunterrichte nichts erzielt wird, die Gründe dafür sind anderwärts zu suchen: im Elternhaus. So gestatte ich mir die bescheidene Bemerkung, daß es fast ebenso wichtig, wenn nicht noch wichtiger erscheint, unserer weiblichen Jugend eine streng religiöse Richtung zu geben, und sie mit der Geschichte unseres Volkes gründlicher bekannt zu machen, als es tatsächlich geschieht. Wo sollen um Himmels willen unsere Mädchen, die zukünftigen Mütter der kommenden jüdischen Generation jenen sittlichen Ernst, jenes stolze Nationalbewußtsein hernehmen, lauter Attribute, ohne welche ein Volk sich niemals zur Größe aufzuschwingen vermag, wenn sie jedes religiösen Sinnes bar, jeder geschichtlichen Kenntnis ihres Stammes entrückt sind. Mit dem dürftigen Jugendgottesdienste und der Konfirmation werden sozusagen , alle Brücken von jeder weiteren religiösen Uebung abgebrochen. Und gerade in dieser wichtigen Zeit der Entfaltung des jugendlichen Geistes ist es von weittragendster 1 Bedeutung, diesen in gediegene Bahnen zu leiten. Hier von berufener Seite den Hebel anzusetzen, durch erhebenden Gottesdienst und begeisternde Predigten auch unsere weibliche Jugend zur Beschaulichkeit heranzuziehen, wäre ein Segen für die Zukunft unseres Volkes. Hochachtungsvoll S. I). Geehrte Redaktion! Mit Bezug auf die in Nr. 17 enthaltene Nachricht, daß der geuiale Ghetto Dichter Moritz Rosenfeld sich in der größten Notlage befindet, frage ich die reichen Juden, wie sie es mit ihrem Gewissen vereinbaren können, diesen Volksgenossen hungern zu lassen? Ich erinnere sie daran, daß dem großen deutschösterreichischen Dichter II a m e r 1 i n g eine einzige, hochherzige deutsche Dame ein Vermögen zugewendet hat, damit er sorgenfrei seiner Kunst leben könne, dal» ferner das deutsche Volk dem Sänger der Kreiheit. Ferdinand Freiligrath ein Ehrengeschenk von hunderttausend Talern gebammelt hat, um ihm ein sorgenfreies Alter zu verschaffen! Es wäre Pflicht des jüdischen Volkes dem großen Dichter der Armen und Bedrückten, also dem jüdischen Dichter kat' exoehen ein sorgenfreies Alter zu verschaffen. Sie wurden mich durch Veröffentlichung dieser Zeilen zu Dank verpflichten. Hochachtungsvoll Dr. Isaak Kulm. |@DRReSPÖND6NZCN Oesterreich Ungarn. Eine Strafuntersuehng üeiren — Richard Heller. Wien, den 11. April (Orig.-Ber.) Das „Deutsche Volksblatt" ist im heutigen Morgenblatt in der Lage zu berichten, daß die k. k. Staatsanwaltschaft gegen Richard Heller die Straf Untersuchung wewn Verbrechens der versuchten schweren Körperverletzuni; S und 155 a. Strafgesetz), begangen an Karoline Podseduik, eingeleitet hat. Die von uns eingeleiteten Erhebungen haben die Richtigkeit dieser Mitteilung ergeben. Das gesamte Aktenmaterial ist von der Polizeidirektion der Staatsanwaltschaft abgetreten worden, worauf dieselbe beim Landesgerichte die Einleitung von V o r e r h e b u n gen beantragt hat. Als Untersuchungsrichter fungiert Gerichtssekretär Dr. Wein lieh. Die Vorerhebuugen werden im Auftrage des Justizministeriums schleunigst durchgeführt. Wien. Für die Ito-Bestrebungen zeigt sich ein besonderes Interesse in den Kreisen der österreichischen Bnei-Brith. Es ist dies wesentlich den Vorträgen des Herrn Dr. Saniuely in Wien zuzuschreiben. Herr Dr. Samuely sprach sechsmal, und zwar in beiden hiesigen Logen, in beiden Prager Logen, in der Loge in Brünn und in der Loge in Reichenberg. Auch der Großpräsident der deutschen Bnei-Brith hat Mr. Zangwill gegenüber seine Bereitwilligkeit, die Pläne der Ito zu unterstützen, ausgesprochen. Die Juden in Ungarn. Budapest, 25. März. Die derzeitige politische Lage in Ungarn im allgemeinen und der Jude n insbesondere hit eine große Aehnlichkeit mit der in Cisleithanien zur Zeit der Entstehung der Christlichsozialen. Die „liberale" Partei in Ungarn hat abgewirtschaftet und infolge ihrer verfehlten Politik hat sie ganz wie die deutschen „Freisinnigen" ihre Positionen den Extremnationalen, Klerikalen und Antisemiten räumen müssen. Die heutige magyarische Koalition aber, in der Dualisten und Personalunionisten, „Liberale" uud Klerikale, Juden und Antisemiten zusammensitzen, ist dieselbe unnatürliche und morsche Parteibildung wie die selige „vereinigte deutsche Linke". Die Juden, welche heute den magyarischen Chauvinisten Heeresfolge leisten, werden bald dieselben Früchte ernten, wie ihre assimilatorischen Gesinnungsgenossen im czechischen, deutschen und polnischen Lager. Heute bereits beherrscht der reaktionäre Geist nicht nur die klerikale Volkspartei, sondern die ganze magyarische

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