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Neue Nationalzeitung · 1907-03-22 · Heft 15 (22.3.1907) · p. Seite 12

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 15 (22.3.1907)
Date
1907-03-22
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Seite' 12 »Neue National-Zeitung« Nr. 15 ■JMTSRÄTUR- Im MUvzhet'ie der „Polifisch-anthropolo^isclieii Kevue" beschäftigte sich der inzwischen verstorbene Herausgeber Dr. Ludwig Woltniann mit der von Dr. Franz Oppen heim er aufgestellten und jüngst erst in einem Wiener Vortrage zum Ausdrucke gebrachten Theorie der „Plastizität der Rasse*. Dr. Woltmann ist ein Gegner dieser Theorie, die in den Rassenlehren nur ein Rassenvorurteil sieht. „Wer mit der Geschichte der Rassentheorie näher vertraut ist, deren Anfange bis in die Anfkläruugszeit des 18. Jahrhunderts zurückreichen, weiß ganz genau, daß die Rassentheorie einem durchaus theoretischen Bedürfnis entsprungen ist. In der „Allgemeinen Kulturgeschichte' von Gustav Klemm, in welcher sie zum erstenmale systematischen Ausdruck erhielt, dient der Rassenbegriff durchaus nur als Erklärungsgrund für die geschichtlichen und soziologischen Erscheinungen. Wenn bei späteren Rassentheoretikern, bei Gobineau, Chamberlain, Amnion bestimmte Tendenzen aristokratischen und arischen Denkens als Schlußfolgerungen aus wissenschaftlichen Untersuchungen sich ergeben, so ist das an sich nicht tadelnswert; denn Leute, wie Herr Oppenheimer, Finot usw. tun dasselbe ganz genau hinsichtlich ihrer eigenen Ueberzeugungen. Selbst zugegeben, daß dergleichen Tendenzen bei den genannten Schriftstellern den Gang ihrer Untersuchung und Darstellung beeinflussen, — ist dasselbe nicht auch bei Oppenheimer der Fall? Denn alles, was er bisher gegen die Rassetheorie geschrieben hat, ist von Vorurteil und Tendenz eingegeben. Ich selbst weiß mich und viele Rassen theo retiker, wie Lapouge, Wilser. Penka. von solchen frei, und diese sind doch zur lieber zeugnng gelangt, daß die Rasse in der Erklärung geschichtlicher und sozialer Phänomene eine große Rolle spielt, und daß die inner-und außerpolitischen Maßnahmen der Gesetzgeber und Staatsmänner daraus die wichtigsten Lehren ziehen können." In einer detaillierten Kritik der Oppenheimerschen Argumente hebt Woltmann noch folgen )es hervor: „Alle diese Beispiele, die für die anatomische Plastizität der Rasse sprechen sollen, sind entweder Fabeln oder Märchen, oder Tatsachen, die ganz anders gedeutet werden müssen, abgesehen davon, daß die überwältigende Menge von Beobachtungen, die für eine Konstanz der Rassenmerkmale sprechen, von dem Autor einfach ignoriert wird. Einer der tüchtigsten Anthropologen der Gegenwart, J. Kollmann, der der „Rassentheorie* im engeren Sinne sehr skeptisch gegenübersteht, vertritt dennoch aut Grund eingehender Untersuchungen die Konstanz der Rassenmerkmale, sowohl in Bezug auf Körpergröße, als auf Schädelform u In den »J. R.« veröffentlicht Max Nordau einen sehr interessanten Artikel über die Lage der Juden in Westeuropa und Amerika. Dr. Nordau weist nach, daß selbst in der Schweiz, Italien und England, die als das Eldorado der Juden angesehen werden, in der Bevölkerung tief eingewurzelte antisemitische Neigungen bestehen, denen auch selbst die höchsten Kreise Rechnung tragen. Ueber England führt Dr. Nordau einige Details an, die die Lage unserer Brüder trotz aller geschriebenen Freiheiten in einem sehr trüben Lichte erscheinen lassen: »Mehrere Gesetze, wie das von dem Lord Avebury, einem Liberalen eingebrachte, über die sonntägliche Schließung der Geschäfte — Sunday Clotingbill — haben eine unverhüllte Spitze gegen die Juden. Große Blätter, namentlich solche, die um Volksgunst buhlen, und emsig bemüht sind, den Volksgeschmaclc zu erraten, und ihm zu schmeicheln, wie Daily Mail, nehmen eine immer ausgesprochenere antisemitische Färbung an und lassen ein Urteil darüber zu, wie der Wind weht. Manchmal kommt es zu offenen Ausbrüchen von Judenhaß, die einen erschreckenden Einblick in die gewöhnlich verborgenen Untergründe der Volksseele gestatten. In Limerick genügte die Sonntagspredigt eines fanatischen katholischen Geistlichen, der die jüdischen Bewohner der Stadt als Aussauger der christlichen Bevölkerung, als Schwindler, Betrüger, und Schmarotzer brandmarkte, um einen so verbissenen und unbeugsamen Boykott der jüdischen Geschäfte herbeizuführen, daß eine junge aber blühende Judengemeinde sich auflöste und die meisten Juden die Stadt verlassen mußten. Mitten in dem fast nur von Juden bewohnten Londoner Stadtbezirk von Whitechapel konnte am 10. Oktober im Grafschaftsgerichtshof bei der Verhandlung des Falles Wechsler, der Klage eines nach seiner Behauptung zu Unrecht entlassenen Synagogenvorbeters, der Richter Bacon den Ausspruch tun: »Ich glaube nicht, daß der Eid, wie er in unseren Gerichtshöfen auferlegt wird, für das Gewissen des Juden so bindend ist, wie wenn der Eidesleister in der Synagoge seinen Talith anhätte und d'w. Gesetzesrolle in die Arme nehmen würde.« Es ist nicht bekannt geworden, daß ein einziger englischer Jude den sittlichen Mut gehabt hätte, gegen diese eines Russen oder Rumänen würdige, richterliche Aeußerung, die den Juden allgemein eine Neigung zum Meineid unterstellt, den Einspruch zu erheben. zarten Kinder an und helfet nach euren Kräften, damit die im Lokale XX., Kluckygasse Nr. 7, bereits begonnene Ausspeisung im notwendigen Umfange fortgeführt werden könne. Spenden nimmt entgegen: Das gefertigte Komitee für die Verköstigung israelitischer Kinder in der Brigittenau und die Kasse der israel. Kultusgemeinde in Wien, I., Seitenstettengasse 4, I. Stock. Dr. Alfred Berger, Kultusvorstand, 1., Judenplatz 8, Heinrich Wein er, Obmann des Vereines »Brüder«, IX., Pramergasse 1. Private Mitteilungen. (Der 3lageii ist konservativ.) Kein Organ des Menschen hängt so sehr am Hergebrachten wie der Magen. Die Bäckereien der Heimat, die köstlichen Speisen des mütterlichen Herdes ergötzten Gaumen und Magen noch in späten Jahren und nur mit Mühe entschließen wir uns zu Neuerungen in der gewohnten Nahrungsweise. Um so interessanter ist die Wahrnehmung, daß man das köstliche „Ceres"-Speise-Fett in jüdischen Kreisen schon so sehr verbreitet findet. Der Grnnd ist. übrigens einleuchtend. „ Ceres "-Speise-Fett sieht appetitlich aus und hat einen vollkommen reinen, haselnußkernähnlichen Geschmack. Es ist auch kein Kunstprodukt, sondern das reine Fett der Kokosnüsse, die in den „Ceres -Werken in Aussig a. d. Elbe gepreßt werden. Eingesendet. Erste Wiener ■Li- .Ii Maifs-Anstalt neu eröffnet Wien, L, Krugerstraße 13. Es gelangen zum Verkaufe: Wirtschaftsteppiche, 200/300 ........von 11. 4.25 aufwärts Persia, 200/300 .............„ „ 6.50 „ Brüsseler Ia, 200/300 . ..........„ „ 12.— Tapestrie, Schafwolle, 200/300........, „ lß.— „ Veloursplüsch, 200/300 . . . 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