Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 13 (8.3.1907)
- Date
- 1907-03-08
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 »Neue National-Zeitung« Nr. 13 Plötzlich fuhr sie auf, wie aus dem Schlafe geschreckt und fragte mich: — Und Sie, wenn man fragen darf sind-noch . . . das heißt... — Ich bin noch ledig. Es fällt mir schwer, die Erste zu vergessen ... _?? p — Und wer ist der Glückliche, wenn man fragen darf, der ihr Gefährte geworden? Rosas Antlitz wurde totenblaß. Zärtlich streichelte ihre Hand das zitternde Kind .... — Ich beglückte keinen Mann, kein Mann machte mich glücklich Das Kind ist nicht die Frucht der Liebe und des Glückes, sondern . . . ich weiß nicht, wie ich die Sache mit dem richtigen Namen bezeichnen könnte ... mir — die Frucht eines Gefühlsrausches, die Frucht eines Fehltrittes. Ich senkte den Kopf zu Boden, ich vermochte ihr nicht ins Antlitz zu schauen. — Ich sehe, daß diese Worte Ihnen ein Rätsel dünken, deshalb will ich alles, alles erzählen. Vielleicht wälze ich damit einen Stein von meinem Herzen. Da ich den Sturm ihrer Gefühle merkte, bat ich sie, die Geschichte für eine andere Zeit zu verschieben, obgleich meine Seele darnach dürstete, den schmerzlichen, entsetzlichen Bericht zu vernehmen, der voller Schande, heimlicher Schande war. — Nein — entgegnete Rosa mit einer eigenartigen Bewegung — wirklich, ich will alles erzählen ... Jetzt — oder nie werde ich meinen Mund öffnen, um alles zu berichten . . . Ich sah ein, daß ich ihre Seelenstärke unterschätzt hatte und ich hörte gespannt auf die Worte, die sich ihrer Seele ohne Unterbrechung in einem Atemzuge entrangen. Und sie begann: — Gute, glückliche Tage waren es, als ich Ihre Freundin war. Ihre Freundschaft ward mir Anregung und Läuterung. Jetzt wissen Sie es. Dann kam er: — Martin. Von Anfang an schämte ich mich seines Aeußeren, seine Reden schienen mir gering, doch er wich nicht von mir, wie der Schatten von der Rechten. Dann umschmeichelte er mein Ohr, er wollte mich anfangs erlösen wie ein Engel . . . wie ein Engel — ha, ha, ha! Und ich Törin glaubte allen seinen Reden, ich sah in ihm einen hohen, einen erhabenen Menschen . . . Ich pries mich glücklich in der Seele, weil er. meine Abstammung und Rasse zu vergessen schien und mich wie ein Bruder seine Schwester geleitete. Und dieser Bruder betrank mich eines Abends mit Wein wider meinen Willen. Er stand damals bei den Studenten unserer Heimat in gutem Rufe . . . Ich schämte mich nicht zu trinken und ich trank, trank zum erstenmale im Leben. Und der „Engel" zwang mich förmlich weiterzutrinken, bis mir die Sinne vergingen . . . Ich fiel in sein Netz, das er mit Teufelslist lange Zeit gewoben hatte . . . Ich wollte mich nicht verteidigen ... Im Gegenteile: Ich klagte mich an . . Mit Ekel, Scham und gebrochenem Herzen denke ich an den Fehltritt, den ich beging . . . Leichtsinnig hatte ich gesündigt gegen das künftige Geschlecht, gegen meine Eltern, meine Ahnen, mich selbst und meines Leibesfrucht. Diese Sünde ward durch den Schmerz nicht gesühnt, sondern sie lebte und zeugte Sünden ohne Zahl... Meine Bekannten aber nannten das Verhältnis zwischen mir und Martin „freie Liebe". Ich erschien ihnen als Bahnbreeherin auf einem neuen Pfade. . . . Nein — diesen Lorbeer hatte ich mir nicht erträumt. Unser Verhältnis war keine „freie Liebe", sondern Häßlichkeit und Niedrigkeit drückten es nieder. Ich ward von ihm erniedrigt wie eine Schanddirne. Er mißbrauchte meine Kräfte. Ich ward zum Werkzeug in seiner Hand auf eine mir niemals verständliche Art. (Fortsetzung folgt,) Private Mitteilungen. (Der Magen ist konservativ.) Kein Organ des Menschen hängt so sehr am Hergebrachten wie der Magen. Die Bäckereien der Heimat, die köstlichen Speisen des mütterlichen Herdes ergötzten Gaumen und Magen noch in späten Jahren und nur mit Mühe entschließen wir uns zu Neuerungen in der gewohnten Nahrungsweise. Um so interessanter ist die Wahrnehmimg, daß man das köstliche „Ceres" Speise-Fett in jüdischen Kreisen schon so sehr verbreitet findet. Der Grund ist übrigens einleuchtend. „Ceres" Speise-Fett sieht appetitlich ans und hat einen vollkommen reinen, haselnußkernähnlichen Geschmack. Es ist auch kein Kunstprodukt, sondern das reine Fett der Kokosnüsse, die in den r Ceres "-Werken in Aussig a. d. Elbe gepreßt werden. Die rituelle und hygienische Reinheit ist daher garantiert. Viele Speisen schmecken mit „Ceres" sogar viel delikater als mit tierischen Fetten. Da „Ceres" Speise-Fett außerdem leicht verdaulich ist und faßt die Hälfte von dem kostet, was man für Butter zahlen muß, so ist es leicht verständlich, daß es selbst den verwöhntesten Gaumen und Magen befriedigt, und rasch in alle Haushalte eindringt. — Krapfen mit „Ceres" Speise-Fett zubereitet, sind wohlschmeckender und leichter verdaulich als alle anderen. Eingesendet. Erste Wiener neu eröffnet Wien, L, Krugerstraße 13. 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