Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 12 (1.3.1907)
- Date
- 1907-03-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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NEUE «ONßL-ZEiOJNG JüD&CRPOUCiSCRg U/OCfiSNSCfiRIFC X DFS.R. LANDAU!^ IX. JAHRGANG. WIEN, 1. MARZ 1907. No. 12. Unser Weg. Mit dieser Nummer ist das Eigentum dieser Zeitschrift und gleichzeitig die Redaktionsleitung in andere Hände tibergegangen; in die Hände eines Mannes, der seit dem Beginne seiner politischen und schriftstellerischen Tätigkeit unentwegt und rücksichtslos den nationalen Charakter des indischen Volkes verfochten hat. Damit ist die Gewähr gegeben, daß diese Zeitschrift, die seit neun Jahren den Brennpunkt volkstümlicher nationaler Arbeit im Judentum gebildet hat, diesem Programm auch ferner treu bleiben wird. Wir legen darauf Gewicht, unserem jüdischen Volke und insbesondere seinen besitzlosen Klassen zu dienen; das wird unsere Aufgabe, das soll unser Stolz sein. Frei von jeder Verpflichtung gegenüber einer Partei oder Klique, haben wir uns eine unabhängige und entschiedene Stellungnahme gegenüber allen Fragen des jüdischen Lebens zur Devise gemacht. Wir stehen an der Schwelle wichtiger Ereignisse: In Oesterreich beginnt der Wahlkampf für den Reichsrat. Aus dem dichten Nebel grinst uns bereits in sichtbaren Umrissen das Gespenst des christlichsozialen Regimes an. das von der sicheren Festung in der Reichshaupt- und Residenzstadt bis nach Mähren und Schlesien, ja sogar bis nach Galizien und Bukowina seine Fangarme ausstreckt. Läßt sich ermessen, welche Gefahr ein antisemitischer Justizminister für die Freiheit und die Ehre der jüdischen Staatsbürger bedeutet, welche katastrophale Bedeutung ein antisemitischer Handelsminister für den jüdischen Handels- und Gewerbestand hätte? . . . In Deutschland hat sich die Zahl der antisemitischen Reichstagsmitglieder bedeutend vermehrt. In Rußland wird Kruschewan, der Massenmörder von Kischenew auf den Abgeordnetenschild gehoben und jede Morgendämmerung birgt in ihrem Schöße neue Gefahren für das Leben, für das Hab' und Gut unserer unglücklichen Brüder. Und doch will ein großer Teil unseres Volkes alle diese Gefahren nicht sehen. Er lobt den Tag vor dem Abend, wenn blos die Morgensonne rosig aufgegangen ist; er folgt jedem Rattenfänger, der ihm die süße Melodie des Weltfriedens und der Völkerverbrüderung in verlockenden Tönen vorpfeift. Auf diesem Wege können wir Niemandem folgen; unser Weg führt anderswo. Wir wollen die Schlafenden wecken und aufrütteln, die Niederbrechenden aufrichten und stärken, die Verzagten ermutigen. Durch unseren Kampfruf. Wir werden ein Kampfblatt sein. Wir werden kämpfen für unsere Rechte als Staatsbürger und als Volk. Wir werden parallel damit auch kämpfen für die soziale Erlösung unseres Massenproletariates durch Schaffung eines großen, seiner nationalen Eigenart Rechnung tragenden Kolonisationszentrums. Wir werden schließlich kämpfen für den Letzten und Aermsten, wenn man ihn als Juden peinigt. Und mag er auch ein Straßenbettler sein, wie Leopold Hilsner. Hand in Hand mit unserer politischen Tätigkeit wollen wir der ganz darniederliegenden jüdischen Wissenschaft unserer Förderung zuteil werden lassen. Wir wollen auch in dieser Zeitschrift das jüdische Publikum mit den Werken der aufblühenden hebräischen Sprache und Literatur, und mit dem ungeahnten Aufschwung, den geniale Erzähler der jüdischen:^iiPo,J^i)rache zu geben wußten, bekannt machen. Selbst im Kampfe dürfen wir an uns'ere gerk&toi Güter nicht vergessen. Das ist unser Weg. Wir haben ihn betre^n'diSji werden ihn nicht mehr verlassük — bis wir ans Ziel gelangen. ^' Die Redakü