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Blau-Weiss-Blätter · 1924-07-01 · 9 (7.1924) · page 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
1 (1923-1924) Neue Folge
Issue
9 (7.1924)
Date
1924-07-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
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alles überhaupt Bestehende, andererseits über die Völker zur Menschheit erstreckt, und glaubt, daß der ..Ausblick" von erhabener Größe", der sich hier eröffnet, schließlich den Menschen die Ahnung vor dem wirkenden Ge- ■ heimnis Gottes vermittelt. III. Dies möge genügen. Gemeinsam ist allen Äußerungen, die hier nach ihren Gedankengangen skizziert wurden, in der Tat die Hinwendung auf eine bestimmte Vorstellung von dem, was jüdisch ist. Sei es nun, daß man, ohne viel kritische Bedenklichkeit, von einer göttlichen Verbundenheit ••des in der Sprache zum Gebet erhobenen Werkes der Gemeinde spricht, sei es nun, daß, indem mehr als bedenklich allem Sprachgebrauch und aller üblichen Vorstellung zuwider, der „Gegensatz" in sich einer aktiven Mystik aufgestellt wird, (wobei allerdings in unklarer Form die Aktivität zum Teil wieder durch die Hineinbeziehung der Sabbathidee schließlich mindestens abgeschwächt wird), sei es endlich, daß von einer sittlichen Wirklichkeit gesprochen wird, die einerseits so etwas ist wie ein ins Judentum hineingelegtes „moralisches Gesetz in mir", während andererseits nicht abzusehen ist, was hier spezifisch jüdisch sein soll, falls man nicht gerade alles, was wirklich ist, und zugleich sittlich, als jüdisch bezeichnet. . . .". Aber ich muß diesen Satz unterbrechen, der ebenso lang ist wie die zur Behandlung stehende Frage peinlich unklar. In der Tat: Man betrachtet alles, was wirklich ist und zugleich sittlich, als jüdisch, man ist wie hypnotisiert durch den verlockenden Begriff „des Diesseitswunders" (Brod). Hier aber wird klar, daß alle diese Versuche, Wesensgehalt und Umriß des Jüdischen zu bezeichnen von vorne herein an eine grundsätzliche unüberbrückbare logische Schranke stoßen. Was ist rot? Man kann es einem Blinden nicht klar machen. Man muß schon sehen — denn hier ist eine letzte spezifische Qualität gegeben, in der Tat ein Element menschlicher Erkenntnis. Jene aber, wenn sie uns erklären wollen, was jüdisch ist, so greifen sie mit einer beneidenswerten Unbedenklichkeit, nicht umsonst Kinder einer Zeit, die im allgemeinen aus der Zerrissenheit aller Lebensbeziehungen zur Einheit zu streben scheint, dies Streben zur Einheit heraus, umhüllen es mit dem Mantel zusammengestellter Bibelzitate und pseudomystischen Geredes .....; und dann könnte man fragen: Was ist nun nicht jüdisch? Ist etwa, unter diesen Voraussetzungen, Sowjetrußland nicht jüdisch, Indien nicht jüdisch, Rudolf Steiner kein Jude, freideutsch nicht freijüdisch? Oder vielleicht fehlt allen diesen Juden das doch vielleicht auch etwas Jüdische: Lögische Besinnung, Exaktheit, Verantwortung am Wort? Aber nicht nur dies — solche sich gewissermaßen im Rahmen einer philosophischen Diskussion abspielende Zurückweisung — veranlaßt uns zu sprechen. Auch wir wissen nicht was jüdisch ist, in einem exakt erfaßbaren Sinne. Wollten wir unser Leben, das Leben unseres Bundes, aussprechen — und wir können es heute —, vielleicht würde einer oder der andere in die Gefahr geraten, zwischen diesem Ausgesprochenen und einem prästabilierten Begriff „jüdisch" willkürliche Beziehungen herzustellen. Doch ist unser Leben 149

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