Mannheim
Compact Memory

Blau-Weiss-Blätter · 1924-07-01 · 9 (7.1924) · page 22

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
1 (1923-1924) Neue Folge
Issue
9 (7.1924)
Date
1924-07-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2425321-2425322-2425330--1407-2425672
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Richtung festlegen. So schwer es ist ~ ganz abgesehen von der grundsätzlichen Pragwürdigkeit — den Gehalt eines sich bewegenden Gesamtkörpersauchnur annähernd im Rahmen eines Aufsatzes oder einiger Aufsätze auszuschöpfen, so sehr muß doch Stellung genommen werden, wenn ein solcher Versuch, von anderer Seite her unternommen, Gedankengänge in den Vordergrund stellt, deren Bedeutung gerade für die jüdische Jugend zumindest zweifelhaft ist. Wobei ihre eigene sachliche Richtigkeit überdies nichts weniger als festbegründet dasteht. II. Das hier zu besprechende Sonderheft ist in der Richtung seiner Einstellung bereits festgelegt, wenn darauf hingewiesen wird, daß Gustav Löffler es herausgibt, und daß ein unverhältnismäßig großer Teil der Beiträge sich mit den Fragen von Mythos und Mystik beschäftigt. Da ist zunächst der Aufsatz von Nachum Norbert Glatzer „vom jüdischen Mythos". Maßgebend für Glatzer ist der Begriff des Erlebnisses, daß das Werk, — meint die., Aktivität, Kraft des Tuns — nicht aufhebt,, sondern zur Kundgabe einer Gesinnung macht und ins Göttliche einstellt. Gesinnung selbst aber: das ist die Sprache, die unmittelbar das Werk zum Gebet erhebt. Und endlich — drittes Element des Mythos — wirkt sich Sprache als Gebet wesentlich in der Gemeinde aus, da nur hier jene Einschränkung des einzelnen in seiner Sprache zugunsten des Mitmenschen erreicht ist und erstrebt wird, die Demut schafft. Die Einheit dieser drei Elemente ist als Ganzheit des Lebens der Sinn des jüdischen Mythos. ■ In einer ähnlichen Richtung bewegt sich der Aufsatz von Leo Baeck: „Sedeutung der jüdischen Mystik für unsere Zeit". Für Baeck ist jüdische Mystik in ausdrücklichem Gegensatz zu aller übrigen Mystik nichts Nihilistisches, nichts, was Persönlichkeit ertötet. Jüdische Mystik ist eine Mystik des Lebens „des Willens und seiner Versöhnung, des Gebotes und seiner Verwirklichung, eine aktive Mystik". Auch hier of fenbartsich das „Geheimnis der jüdischen Tat" (Louis Levinger, der Weg zur religiösen Form). Aber diese aktive Mystik schließt nicht aus, daß das in ihrem Geiste geübte Werk vollkommen erst ist durch das Hin- und Widerspiel von Arbeit und Ruhe, Alltag und Sabbath. Die heutige Menschheit kennt nur entweder besinnungsloses Arbeiten oder lässiges Faulenzen, jene Einheit kennt sie nicht. Indem jüdische Mystik in dieser Einheit fundiert ist, fordert sie den Gedanken des messianischen Zeitalters als den Sabbath der Sabbathe. Drittens sei aus der Zahl der Aufsätze die Arbeit von Hermann Weil über '„sittliche Wirklichkeil" herausgegriffen. Sittlichkeit ist keine abstrakte Forderung vom Himmel herunter, sie ist das leitende Gesetz in allen menschlichen Zusammenhängen und soll es sein. Weil führt diesen Gedankengang im Leben des Menschen durch, er zeigt den gleichsam animalischen Zusammenhang des Kindes, das erste, diesen Zusammenhang irgendwie bereits vergeistigende Bewußtwerden einer Einheit der Natur im Gefühl des jungen Menschen, die Liebe der Menschen zueinander, die nur „ganz unreflektiert, ganz schöpferisch aus dem sittlichen Bewußtsein quillt", sich über die Menschen hinaus, ebenso einerseits auf Tiere und 148

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.