Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1923-1924) Neue Folge
- Issue
- 9 (7.1924)
- Date
- 1924-07-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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sondern als Anspannung für einen schönen und fruchtbaren Verlauf der Tage. Wir sind früh gekommen, nur Einzelne nehmen unser Begrüßungslied entgegen, aber doch schon ein bundestäglicher Anblick: Das Hauptquartier mit seinen Verordnungen und Anschlägen, die nummerierten Scheunen, die eilig hin und herlaufenden Organisatoren und was sonst noch zu einem bundestäglichen Gepräge gehört. Eröffnung. Abend sammelt man sich und zieht gemeinsam zur Burg. In der Stadt selbst wird gesungen, dann aber verstummt auf dem steilen Weg das Lied, ein jeder muß sich bemühen, auf dem glitschigen Weg nicht abzurutschen. Jetzt, wo der Weg so schmal ist, kann man erst sehen, wie lang die Kette ist. Auf dem Burghof hat sich das Forchtenberger Publikum schon «ingefunden und harrt cfer ungewohnten Dinge. Einige Fackeln erhellen gerade noch unseren Kreis, so daß man vergessen kann, daß man beobachtet wird. Nach gemeinsamen Liedern einer kurzen Eröffnung: das Wettsingen. „Wettsingen", ein etwas anspruchsvoller Name für ein kaum umstrittenes Singen von München. Aber hier gebührt: volle Anerkennung. Zwar nur bekannte mehrstimmige Lieder und Kanons; aber doch gehört Mut und Arbeit dazu, das, was bisher ausschließlieh Breslauer Eigentum war, nach München zu verpflanzen. Nach einer kurzen Begrüßung durch die Vertretung der Bundesleitung und der Versicherung, daß die Bundesleitung weit mehr als bisher die Provinz, insbesondere Siidwestdeutschland stärken werde, wird der Rückweg zu den Quartieren angetreten. Nur die Unentwegten, die Nadelträger sind zu einer Sitzung zusammengerufen worden. Nadelträgerschaftssitzung. In kurzen und knappen Zügen wird die Loge des Gesamtbundes skizziert, über die Tätigkeit, über den Fortschritt der einzelnen Glieder berichtet, Probleme des Bundes aufgerollt. Dann folgen die Berichte der einzelnen Bünde. Im Grunde fast durchgängig zwei Arten von Berichten: Einerseits geringe Möglichkeilen und so eine dünne, gesättigte Atmosphäre, andererseits große Möglichkeiten mit schwachen Angriffskrüften. Das Versprechen der Besetzung Frankfurts wirkt überall belebend und aufmunternd, trotzdem es immer wieder durchklingt: „Die Botschaft höre ich wohl, allein mir fehlt der Glaube!" Überall tauchen dieselben Fragen auf. Mögen ihre Formen in den Provinzbünden ganz andere sein wie in den Großbtlnden, es sind doch die gleichen Grundprobleme. Sie erobern allmählich und beherrschen schließlich vollkommeii die Diskussion. Älterenbund und Wanderbund in ihrer Abhängigkeit voneinander mit all den auftauchenden Nebenfragen, etwa der Zugführerschaft, dieser seit Leipzig zu einem Zentralproblem des Bundes gewordene Fragenkomplex erzeugt eine problemfrohe und streitbare Stimmung. Erst das Morgengrauen bringt zwar nicht Klärung, aber doch Schluß der Debatte. Fahrt. Am nächsten Morgen, bei schönstem Wetter, sammelt man sich, und in buntem Zuge geht es hinauf zur Burg und dann weiter auf Forchtenbergs. Höhen. Man läßt sich nieder in ungeordnetem Kreise, und der Blick schweift auf das gegenüberliegende Ufer auf die in der Ferne; sich hinziehenden Höhenzüge. Der Platz ist gut gewählt, und so können wir .genau verfolgen, was jetzt erzählt wird, den geologischen Aufbau der Land- 135