Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1923-1924) Neue Folge
- Issue
- 9 (7.1924)
- Date
- 1924-07-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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F Ü H R E R A U S S P R A C H E Ausblick. Forchtenberg ist ein kleines württembergisches Landstädtchen im Jagstkre1s,r<am linken Ufer des Kocher gelegen. Seine biederen Kleinbürger treiben Acker- oder Weinbau oder sie stehen in fremden Diensten. Ein bescheidener Flecken Erde, schön gelegen und als Städtchen seit dem Mittelalter stehen geblieben und wenig verändert. Und weil es stehen geblieben ist, liegt es fernab von den Ereignissen der größeren Welt, die hier hin dringen wie die Nachrichten der Vettern aus der Fremde nach Seldwoyla. Ebenso bescheiden wie das Städtchen war im Grunde auch die Trefifahrt, die an einem trüben, regnerischen Aprilsonntag dieses Frühlings den süddeutschen und südwestdeutschen Gau des Blau-Weiß dort vereinte. Eine einfache Treffahrt, wie sie jeder wohl ein dutzendmal im Laufe der Jahre mitgemacht hat, aber doch ein Treffen mit viel Eigenart, was die Vorbereitung, und von recht schöner Originalität, was den Verlauf anbetrifft. Dennoch ist eine Rechtfertigung für die hier veröffentlichten Bericht« und Bemerkungen erforderlich, für die Konzentration der Aufmerksamkeit des Gesamtbundes durch dieses Heft auf ein Ereignis in einem einzelnen Gau. Die nächtliche Unterhaltung der Nadelträger — ursprünglich nicht vorgesehen — die schließlich uns doch zu Aussprache und Klärung bestehender Fragen vereinte, konnte im drängenden Vorgefühl des Neuen bereits deutlich werden lassen, was seitdem eingetreten ist: Die Erneuerung des Wanderbundes durch eine Jungführerschaft und die wirkliche Aufrichtung eines Älterenbundes. In dem Maße, in dem Forchtenberg zur Vorbereitung umgestaltender Ereignisse wichtig war, verdient die Tagung im Wandel der Geschehnisse unseres Bundes festgehalten zu werden. Dort wurde nämlich mehr als in Leipzig, wo man von der Lage der Älteren im Blau-Weiß aus urteilte, das Bedürfnis der jungen Menschen ganz stark empfunden, die sich nach ihren eigenen selbstverantwortlichen Aufgaben sehnen. Diesem Bedürfnis ging man nach und ahnte in ihm die gesunde und starke Kraft, die dem Wanderbund helfen würde, über eine fühlbare Stagnation des Augenblicks hinwegzukommen. Der Gedanke der Jungführerschaft, der heute im Bund im Wachsen begriffen ist, war das aktuelle Thema unserer Unterhaltung. Nicht so sehr die Älteren als vielmehr die drängenden und suchenden Kräfte einer neuen vorhandenen Führergeneration, so meinte man, könnten den Umbildungsprozeß, den der Bund durchmacht, zum Abschluß bringen. Zwar haben sich in Forchtenberg die relativ stark vertretenen Jungführer nicht aktiv an der größeren Unterhaltung beteiligt, aber die Einzeigesprüche berührten immer wieder die Frage: Wann endlich? 132