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Blau-Weiss-Blätter · 1924-04-01 · 8 (4.1924) · page 35

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
1 (1923-1924) Neue Folge
Issue
8 (4.1924)
Date
1924-04-01
Page
– (sequence 35)
Language
German
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überprüfte noch einmal alles und dann ging die „Ausfahrt" los, von der man schon lange vorher mil dem kleinen Jungen gesprochen hatie. Der Bauer fuhr stets von der Diele aus los, und dann sah ich ihnen mit Magd und Knecht so lange nach, bis der,Wagen verschwunden war. Meist kam'der Bauer erst nachts wieder. Er weckte mich, ich öffnete die Dielenlür und kaum, daß ein Wort zwischen uns gesprochen wurde, spannte ich die Pferde aus, der Bauer half dabei und verschwand sehr schnell in seinen Zimmern. Alles ging schnell, sicher und ruhig dabei zu. Kam der Bauer sehr spät wieder, so schlief er am nächsten Morgen zwei Stunden länger, seine Frau aber stand so zeitig wie imrfter auf. Wenn dann der Wagen gewaschen wurde, half er auch hierbei meist mit. Daß der Bauer mit Absicht etwas länger schlief, kam nur seilen vor. Öfter aber, daß er seine Weckeruhr überhörte, und daß ich ihn weckte, wozu er mich ausdrücklich aufgefordert hatte. Im" allgemeinen schlief der Bauer viel mehr als ich, ging meist zeitiger schlafen und schlief auch fast stets mittags, wenn auch nur wenige Minuten. Man darf nicht glauben, daß der Bauer Wunder an körperlicher Ausdauer vollbringt. Zwar ist er die Arbeit und den Zustand des Angestrengtseins mehr gewohnt als jemand von uns. Aber vermöge unserer geistigen Diszipliniertheit können wir dasselbe leisten wie der Bauer, soweit es der Körper irgend erträgt. Mein Bauer war zwar peinlichst sauber und hielt Uberall im Hause und bei seiner Kleidung auf Ordnung, aber mit seinem Körper verfuhr er ohne übertriebene Hygiene. Er wusch sich zwar jeden Tag, aber selten, gründlich. Er rasierte sich oft und hielt auch bei mir darauf, ebenso auf kurze Haare. Wichtig war ihm die Reinheit der Stiefel; mit der Säuberung seiner eigenen verbrachte er jeden Abend längere Zeit. Obwohl mein Bauer sehr reich war, war es mit manchen Dingen wie bei armen Leuten bestellt. Das wenig einheitliche Alltagsgeschirr mit den Kaffeetassen ohne Henkel erwähnte ich schon. Ferner gab es für sämtliche Menschen des Hauses nur eine einzige Waschschüssel, die im Kuhstall, wo wir Quellwasser hatten, auf einem niedrigen Beckenrand stand. Dieselbe Schüssel wurde unter anderem auch zum Abwaschen des Eßbestecks benutzt was stets auf dem Eßtisch selbst geschah. Für die Bereitung des Schweinefutters wurden die ältesten, verbogenen Eimer benutzt, die noch da waren. Zum Schluß dieser Ausführung, in der ich ein ungefähres Bild nur von dem geben wollte, was allgemeines Interesse beansprucht und deswegen alle speziell landwirtschaftlichen Zustände unerörtert ließ, — die vielleicht mancher vermissen wird — etwas über das Alter, in dem die Menschen auf dem Lande zu arbeiten anfangen und die Dauer ihrer Arbeit! Die Kinder, werden zu allen einfacheren landwirtschaftlichen Arbeiten herangezogen, sobald sie dazu fähig sind. Dringende Arbeiten gehen der Arbeit für die Schule, die meist nur bis zum 14. Jahre besucht wird, vor. Nach der Entlassung aus der Schule werden sie ebenso zur Arbeit eingeteilt wie die älteren Leute. Besonders schwer haben es die Kinder der Nichtbesitzenden. Die Kinder der Bauern besuchen vielfach landwirtschaftliche Winterschulen. Die Nichtbesitzenden müssen im Alter sehr lange, voll bis an,s Lebensende, 119

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