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Blau-Weiss-Blätter · 1925-01-01 · Editorial · p. Seite 36

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1925)
Issue
Editorial
Date
1925-01-01
Page
Seite 36 (sequence 39)
Language
German
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auch eine Welt der Gedanken und Gefühle. Wir fühlen, daß wir nicht weiter so leben können, wie das Leben geht, wir müssen uns den Verhältnissen entgegenstellen. Zur Arbeit in Erez-Israel komme ich nicht nur aus der Forderung nach einer neuen Gesellschaftsordnung, sondern ich komme dazu aus meinem. ganzen Menschen, aus meinem kosmischen Gefühl. Ich sehe nicht, daß das Leben vollkommener wird. Man teilt das Leben ein in Materie und Geist, in Lehre und Leben, aber das ist nur verstandesmäßige Analyse, in Wirklichkeit gibt es nur ein einheitliches Leben, auch keinen „Unterbau" und „Ueberbau", wie die Theoretiker sagen. Unsere Arbeit in Erez-Israel ist eine Quelle des wirklichen Lebens. Die Zelle des Lebens ist die Familie. Wir müssen zuerst eine neue Familie schaffen. Hier sind direkte Lebensbeziehungen, z. B. zwischen Mann und Weib usw. Dies ist nicht aus der Doktrin hergeholt, wie Klassenkampf. Von der Familie kommen wir zum Volk. Das Volk ist nicht nur eine eigene Persönlichkeit, sondern ein schöpferischer Organismus. Das Volk ist die Kraft, welche unser Verhältnis von Mensch zu Mensch erfüllt. Der neue Mensch ist noch nicht da, auch das neue Volk nicht, ein Volk wie ein Mensch („Am- Adam"). So wie ein Einzelmensch Träger von Verantwortung und Rechten ist, so auch das Volk. Wir kommen' nicht eine neue Gesellschaft zu schaffen, sondern ein neues Volk. Der Mensch ist von der Vollkommenheit noch sehr weit entfernt. Trotzdem ist eine gewisse Tendenz da, vollkommen zu werden. Aber beim Volk merken wir nicht einmal diese Tendenz. Als der Krieg kam, waren alle sozialistischen Bewegungen verschwunden und es gab nur Völker und ihre Losung war die Gewalt. Wir müssen zurückkehren zur Natur und zum Leben. Das heißt nicht, daß wir die Errungenschaften der Zivilisation ablehnen, aber die Hauptsache ist das Schaffen. Wir brauchen eine geistige, Erneuerung und anfangen muß es damit, daß man hingeht und arbeitet. Wenn heute die Menschen einen Wald pflanzen, fragen sie nicht nach seinem natürlichen Sinn und nach seiner Schönheit, sondern nach dem Profit. Wir müssen anders arbeiten. Das Land wartet auf uns. Jeder Jude, der sich selbst sucht, der das Volk; das Leben sucht, muß nach Palästina gehen. Dort'vollzieht sich die Vereinigung von Mensch, Natur und Arbeit. Es ist eine Leiter, die zum Himmel führt, 36

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